In andere Welten entführt

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Musikalische Darbietungen im Rahmen des 33. Theaterfestivals

Ausgabe Nr. 2965

Ein aufsehenerregendes und bewegendes Konzert boten in der Synagoge unter dem Titel „Mediterrane Geheimnisse“ Nimrod Ben Natan (Gitarre), Nataly Oryon (Gesang, Perkussion, Komposition) und Sagi Arad (Bouzouki, Mandolien, Gitarre und Querflöte).

„Sie können doch nicht ein so großes Festival auf die Beine stellen, ohne für ausreichend große Räumlichkeiten zu sorgen!“ Diesen Vorwurf musste sich Festivaldirektor Constantin Chiriac am Sonntag anhören, als er das Forumshaus betrat. Die Schlange der an der Konferenz mit Ștefan Câlția, Andrei Pleșu und Emil Hurezeanu Interessierten reichte bis zum Tor. Zwar waren im Vorraum des Spiegelsaals Bildschirme aufgestellt, auf denen die Konferenz verfolgt werden konnte, aber viele der Anwesenden mussten enttäuscht weggehen. Nicht enttäuscht wurden die Musikliebhaber von dem ihnen gewidmeten Programm des Hermannstädter Internationalen Theaterfestivals.

Alle Musikrichtungen kamen zur Geltung, wobei im Vordergrund die jeweilige musikalische Seele dieser oder jener Kultur stand. Brasilianische Rhythmen – unter dem Originaltitel Guitarra brasiliera brachte Mădălina Ioana Petre (Gitarre und Gesang) gemeinsam mit den Perkussionisten Felipe Bastos und Adrian Văzduh am Samstag, dem 20. Juni, in der Johanniskirche zu Gehör. Dabei ertönte auch eine Komposition des bekannten Jazzmusikers Johnny Rășducanu sowie eine von Titel Popovici. Auf diese rumänischen Komponisten, die sich brasilianischer Rhythmen bedienten, hatte Felipe Bastos die Gründerin des Trios, Mădălina Ioana Petre hingewiesen.

Musikalische Einblicke in die japanische Seele gab es ebenfalls in der Synagoge mit dem Duo Mieko Miyazaki & Suizan Lagrost.
Fotos: Beatrice UNGAR

Petre hat übrigens erst im Zuge ihrer Promotion diese Musik entdeckt und sie dermaßen schätzen gelernt, dass sie dieses Trio gründete.

Am Tag davor hatte das Konzert in der reformierten Kirche stattgefunden und am Tag darauf in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche. Ursprünglich war Petre von dem Repertoire für klassische Gitarre in der akademischen Szene Brasiliens im 20. Jahrhundert ausgegangen. Indem Gesang und Schlagzeug hinzugenommen werden, schafft das Trio eine eigene Tonalität. Die Premiere dieses Konzertes hat am 13. Februar 2026 in Bukarest stattgefunden.

Einen musikalischen Einblick in die mexikanische Seele boten am Samstag, den 27. Juni, in der reformierten Kirche Fernando Alephsus Valdés und seine Tochter Arwen Valdés.                   Foto: Mihai NISTOR

Auch fast alle anderen Konzerte wurden wiederholt. Wobei gesagt werden muss, dass sich die Musikerinnen und Musiker keineswegs wiederholten, schließlich war alles live. Selbst erlebt habe ich das im Falle der Sängerin und Komponistin Nataly Oryon (Israel) , die mit ihren beiden Kollegen Sagi Arad und Nimrod Ben Natan am Mittwoch in der Synagoge und am Donnerstag in der Johanniskirche aufgetreten sind. Das Programm war an den beiden Abenden ungefähr das gleiche, aber die Stimmung ganz anders. Eine Überraschung für alle Anwesenden war das von Oryon vertonte Gedicht der griechischen Dichterin Sappho von Lesbos (630/612 – um 570 v. Chr.), Einsamkeit, das in deutscher Fassung so beginnt: „Der Mond ging unter/und die Pleiaden. Schon ist/Mitternacht und die Zeit verrinnt./Ich aber liege allein.“ Gesungen hat Oryon ihre Komposition in der griechischen Sprache von heute. Im Programm gab es zahlreiche Bearbeitungen von traditionellen jüdischen Liedern aus Griechenland und dem Balkan, wobei die beiden Kollegen von Oryon ihr Bestes gaben. Beschwingt ging das Publikum nach Hause.

Solveig Nilsen, Brita Falch Leutert und Ann-Kristin Windstadt (v. l. n. r.) – das „Triosa“-Damen-Trio aus Norwegen, konzertierte a capella oder zur Orgelbegleitung von Jürg Leutert in der evangelischen Stadtpfarrkirche.

Verhaltenere Klänge ließ das Duo aus Japan, Mieko Miyazaki (Shamisen, eine traditionelle japanische Zither) und Suizan Lagrost (Shakuhachi, eine traditionelle japanische Flöte), am Montag in der Synagoge und am Tag darauf in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche erklingen. Es sei ein musikalisches Haiku gewesen, sagte jemand aus dem Publikum. Tatsächlich entführten die beiden mit japanischer Musik aus zwei Jahrhunderten (17.-19. Jahrhundert) die Anwesenden sanft aber bestimmt und virtuos nach Fernost.

In die Musik von jenseits des Nordpolarkreises entführt wurde das Publikum von dem Triosa-Trio am Abend des 25. Juni in der Franziskanerkirche und am 26. Juni im Rahmen der Mittagsmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Die drei Norwegerinnen brachten traditionelle Musik aus Norwegen, arrangiert von der Hermannstädter Stadtkantorin Brita Falch Leutert, zu Gehör.

Die aus Klausenburg stammende und seit bald 30 Jahren in Wien tätige Organistin Erzsébet Windhager-Geréd an der Sauerorgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche.

Der Orgelseele (Suflet de orgă, nannten die Veranstalter diese Konzerte) gewidmet waren die außerordentlichen Darbietungen zweier Ausnahme-Organisten an der Sauerorgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Zunächst holte der Kronstädter Organist Steffen Schlandt am Sonntag, dem 21. Juni, alles aus der Orgel heraus, was ihr von französischen Komponisten aus mehreren Jahrhunderten – angefangen   mit Pérotin (1160 -ca.1230) bis hin zu Louis Vierne (1870-1937) – abverlangt wird.

Ebenfalls mit dem Werk eines französischen Komponisten, Marcel Duruflé, begann Erzsébet Windhager-Geréd ihre Darbietung am Samstag in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Mit ihrer Improvisation auf ein Thema von Béla Bartók und der meditativen Komposition von Franz Liszt Der Prophetbot sie ein für den Samstag Abend passendes wohl temperiertes Konzert.

Der Kronstädter Organist Steffen Schlandt bot ein außerordentliches Konzert an der Sauerorgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Die Register ziehen half ihm seine Heltauer Kollegin Cosmina Barna.       Foto: Dragoș DUMITRU

Über großen Erfolg erfreuten sich auch die von Marius Chivu, Octavian Saiu, Matei Vișniec, Emil Hurezeanu geführten und eingangs erwähnten Gespräche mit Festivalteilnehmern im Spiegelsaal des DFDH. Besonders gut besucht war das Gespräch mit Fanny Ardant, die am Freitagabend auf der Bühne des Thaliasaals in dem Monodrama „Cassandre“ zu sehen und zu hören war. Das Stück hat am 2. Oktober 2025 auf der Bühne des Pattitio Theaters aus Limassol auf Zypern Premiere gefeiert. Das Monodrama beruht auf dem Roman Kassandravon Christa Wolf, 1983 veröffentlicht. Die Musik dazu komponierte Michael Jarrell, Regie führte Hervé Loichemol.

Die Kino-Ikone Fanny Ardant wurde in Hermannstadt von Musikerinnen und Musikern der Ion Dumitrescu-Philharmonie begleitet, unter der Stabführung von Jean Deroyer. Eindrucksvoll interpretiert, wobei man Lust bekam, den Roman (noch einmal) zu lesen.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.