Blick hinter die Kulissen einer Theatergruppe
Ausgabe Nr. 2957

Johanna Adam (links außen) gibt Regie-Anweisungen. Foto: die Verfasserin
Handys werden gegen Textblätter eingetauscht, Sneaker gegen hohe Schuhe und immer wieder hört man „Nochmal von vorn“. Es ist Sonntag, 11 Uhr, in der Hermannstädter Volkskunstschule (Reispergasse/Avram Iancu 11), wo Schülerinnen seit einer Woche für das Stück „8 Frauen“ von Robert Thomas proben.
Um Wiederholung bittet Johanna Adam, die Schauspiel an der West-Universität Temeswar studierte und seit geraumer Zeit fester Bestandteil der deutschen Abteilung des Radu Stanca-Nationaltheaters Hermannstadt ist.
In ihrer Freizeit leitet sie die Gruppe „ArtAttack“, deren Vorbereitungen auf das aktuelle Stück bereits vor sechs Monaten begannen. „Wir entscheiden gemeinsam, was wir machen. Die Mitglieder der Gruppe oder ich suchen sich Texte aus, lesen sie und entscheiden, was wir wollen“, erzählt Adam. Geprobt werde so oft, wie möglich. Da die Schauspielerinnen noch zur Schule gehen, treffe man sich unter der Woche nur für ca. 2 Stunden, an den Wochenenden dafür auch länger.

Johanna Adam. Foto: fmt.uvt.ro
Bereits Anfang April wurde „Eine Weihnachtsgeschichte“ im Rahmen der 24. Ausgabe des Internationalen Deutschsprachigen Schul- und Jugendtheaterfestivals in Temeswar auf die Bühne gebracht. Im Deutschen sei das Stück allerdings ganz anders als auf Rumänisch, erzählt eine der Jugendlichen von „ArtAttack“. Lara spielte beim Festival die Rolle des Augustin – „Ich hatte viel zu schreien und fallen und solche Sachen“ erinnert sie sich. Die Arbeit mit Johanna sei echtes Teamwork und so wolle sie noch bis zur 12. Klasse in der Gruppe bleiben und danach selbst Schauspielerin werden.
Diese Energie der Jugendlichen sei das Schönste an ihrer Arbeit mit ihnen, so Adam. „Manchmal können sie den Text, manchmal können sie ihn nicht. Manchmal haben sie Lust, manchmal nicht”, erzählt sie mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
Mit Blick auf die Zukunft des Theaters zeigt sie sich optimistisch. So sei die Erfahrung, die man im Theatersaal mit den Schauspielern, die live spielen, macht eine andere als beispielsweise auf Netflix. „Es ist eine Emotion, die du dann teilst und die dich direkt bewegt. Du kannst nicht stoppen und dann weitermachen, sondern gehst mit den Schauspielern durch die ganzen Emotionen“, so die langjährige Schauspielerin. Erfahrung mit der großen Bühne werden einige der Jugendlichen von „ArtAttack“ zum ersten Mal im Rahmen der rumänischen Premiere von „Eine Weihnachtsgeschichte“ im Gong-Theater am 2. Juni im Rahmen des Act-Festivals machen.
Johanna MÜNZNER