Projekt von internationaler Bedeutung

Teile diesen Artikel

Abbau von magnesiumhaltigem Gestein bei Städterdorf/Rășinari im Blick

Ausgabe Nr. 2957

Mihai Roșu, operativer Geschäftsführer (stehend), Radu Petrescu, zuständig für die Kommunikation, Andrei Degeratu, Generaldirektor, und Petru Văduva, Vorsitzender des Verwaltungsrats (v. l. n. r.) stellen das Projekt „MPI Magnesium” vor.                                                      Foto: der Verfasser

Das Projekt „MPI Magnesium“ wurde in einer Pressekonferenz Mitte April bekanntgegeben, ein Vorhaben im Rahmen dessen bei Rășinari und Săliște eine Magnesium-Wertschöpfungskette – vom Serpentinerz bis hin zu hochreinen Verbindungen und hochwertigem Metall aufgebaut werden soll. Es handele sich laut den am Projekt Beteiligten, um ein zu 100 % rumänisches Projekt von internationaler Bedeutung. Dabei werde viel Wert auf die Senkung von Emissionen, Geräusch- oder Staubbelästigung gelegt, u. a. durch den Einsatz von Seilbahntransport oder Elektro-Lkws.

In einer ersten Phase belaufen sich die Investitionen auf rund 100 Millionen Euro. Geplant wird zunächst eine Laufzeit von 20 Jahren, in denen man 50 Millionen Tonnen fördert. Danach soll der Steinbruch in eine touristische Attraktion umgewandelt werden.

Vorgestellt wurde das Projekt von Radu Petrescu, zuständig für die Kommunikation des Projekts MPI Magnesium”, Andrei Degeratu, Generaldirektor, Petru Văduva, Vorsitzender des Verwaltungsrats und Mihai Roșu, Betriebsleiter. MPI ist übrigens die Abkürzung von Mineral Proiect Invest S. A., die Teil der EM-Gruppe ist.

Ergriffen wurde die Initiative bereits 2018 und 2020 erhielt man eine Konzessionslizenz zur Erkundung des Arreals in der Valea Dobra bei Rășinari. 2026 soll nun die Abbaulizenz unterzeichnet werden. Hier soll ein Steinbruch, etwa 2 Kilometer vom Dorfende von Rășinari entfernt, zustandegebracht werden, auf einer unter 7 Hektar großen bewaldeten Weidefläche – eine kleine Fläche verglichen mit anderen ähnlichen Projekten – außerhalb des Waldbestands. Man möchte mit allen Genehmigungen und Bewilligungen betriebsbereit sein, um 2027 bzw. Anfang 2028 mit dem Bau einer Seilbahn beginnen zu können, die voraussichtlich etwa im Jahr 2029 in Betrieb gehen wird. Die Investition den Steinbruch selbst betreffend liegt bei etwa 20 Millionen Euro, davon entfallen rund 15 Millionen Euro allein auf den Seilbahntransport. Hier geht es um die Schaffung von 25 direkten Arbeitsplätzen.

Vom Steinbruch soll das Material über den Seiltransportsystem übernommen und zu einem Logistikpunkt und von hier über Elektro-Lkws zur Industrieplattform in Săliște transportiert werden. Dabei sollen die bewohnten Gebiete möglichst über landwirtschaftliche Nutzwege umfahren werden, die vom Unternehmen instand gehalten werden. In einer ersten Phase werden 70 Millionen Euro in die Industrieplattform in Săliște investiert und 75 Arbeitsstellen geschaffen. Die Produktion kann dann hier erweitert werden. Die Gesamtinvestition soll dann womöglich 250 Millionen Euro übersteigen und die Anzahl der Arbeitsplätze auf über 150 ansteigen. „Wir möchten die jungen Menschen aus der Region ausbilden und ihnen eine berufliche Qualifikation ermöglichen. Es wird Arbeitsplätze geben, die auf europäischem Niveau bezahlt werden”, unterstrich Andrei Degeratu.

„Was wir uns im Rahmen unseres Projekts wünschen: ein Endprodukt durch die Einbindung einer zu 100 % erneuerbaren Energielösung”, betonte Degeratu. Das Projekt umfasst übrigens auch die Entwicklung eines Photovoltaikparks und die Integration einer Anlage für industriellen grünen Wasserstoff. Das Ziel ist klar: die Reduzierung der Emissionen auf null.

In Săliște soll das Erz zu hochreinen Produkten verarbeitet werden wie Magnesiumoxid, Magnesiumhydroxid und in einer späteren Phase metallisches Magnesium. Magnesiumoxid und Magnesiumhydroxid kommen in vielen Bereichen vor, auch in der Bauindustrie (Spezialzemente), in der Sinterindustrie sowie bei feuerfesten Produkten. Alle Arten von Kabeln müssen gegen Feuer geschützt werden; ohne diese Stoffe würden Materialien wie Kunststoff oder Gummi sehr schnell und bereits bei niedrigen Temperaturen brennen. Ohne Magnesiumoxid wären beispielsweise die Öfen zur Stahlproduktion nicht möglich. Sie werden ebenso in Düngemitteln eingesetzt und auch im medizinischen Bereich, etwa bei Nahrungsergänzungsmitteln die Magnesium enthalten und die allgemein bekannt sind.

Aufgrund der stetig steigenden Nachfrage nach elektrischer Leistung, Niederspannungsnetzen und allem, was mit Rechenzentren, Photovoltaik- und Windparks sowie Elektrofahrzeugen zu tun hat, ist die Nachfrage nach solchen Produkten erheblich gestiegen. Derzeit ist es sehr schwierig, diese Nachfrage mit den bestehenden Produzenten zu decken”, meinte Degeratu. Ebenso gebe es eine Einschränkung bei der Beschaffung dieser Produkte durch die Schließung bestimmter Märkte, wie etwa des russischen Marktes oder teilweise auch des chinesischen Marktes. Angesichts der geopolitischen Lage soll dabei Europa 84 Prozent des Magnesiums derzeit aus China importieren.

In einer späteren Phase plant man, metallisches Magnesium zu produzieren, das für die Luft- und Raumfahrt- sowie die Verteidigungsindustrie von entscheidender Bedeutung ist. Magnesium ist das einzige Metall, mit dem sich besonders leichte Legierungen herstellen lassen. Es gibt zwar auch Titan, doch dieser ist deutlich teurer, und Aluminium ist viel zu weich. Und daher ist die Nachfrage nach metallischem Magnesium äußerst hoch.

Erhalten wurde übrigens auch europäische Förderung von der Abteilung für kritische Rohstoffe des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie. Bereits zu Beginn des Jahres 2026 wurde ein Prozess gestartet, infolgedessen man über zwei Jahre – 2026 und 2027 – mit 2 Millionen Euro finanziert wird. Ein Ziel ist auch weiterhin europäischen Finanzierungsquellen finden, ebenso wie lokale Mittel, staatliche Beihilfen usw.

Viel Wert legt man darauf, ausschließlich mit Ausrüstungen zu arbeiten, die in Europa hergestellt wurde sowie mit Lieferanten zusammenzuarbeiten aus Europa.

Was die Bergbauförderabgaben betrifft, so fließt ein großer Teil der gezahlten Beträge in die Gemeinschaft zurück – in die lokalen Haushalte von Rășinari und Săliște sowie in den Haushalt des Kreises Hermannstadt. Beispielsweise wird die Gemeinde Rășinari von der direkten Zahlung des Gegenwerts der Förderabgabe in Höhe von 1.552.000 Euro profitiert (Gesamtbetrag im 20. Betriebsjahr). Der Rest der Abgabe geht zu 35 % (1.207.500 Euro) an den Kreisrat und zu 20 % (690.000 Euro) an die Staatskasse.

Am Schluss des Projekts soll die Seiltransportinfrastruktur in eine Freizeitanlage umgewandelt und beispielsweise die industriellen Kabinen der Seilbahn durch Kabinen für Touristen ersetzt werden. Die Ideen zur Umnutzung der Flächen nach dem Ende des Steinbruchs basieren auf Erfahrungen anderer Projekte: von Fahrrad- und Motorradstrecken über Outdoor-Parks bis hin zu Sport- und Freizeitaktivitäten, Kulturveranstaltungen usw.

Einen Rahmen des Projekts bot u. a. die Critical Raw Materials Act (CRMA)-EU-Verordnung, die am 23. Mai 2024 in Kraft trat, um die Versorgung mit kritischen Rohstoffen für die europäische Industrie zu sichern, die Abhängigkeiten (v. a. von China) zu verringern, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und strategische Projekte in Europa zu beschleunigen. In Rumänien wurde sie größtenteils 2025 implementiert durch die Dringlichkeitsverordnung Nr. 61 vom 13. Novemebr 2025.

Ein Ziel ist u. a., dass die EU bis 2030 mindestens 10 % des jährlichen Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst fördert. Weiterhin soll die EU mindestens 40 % des jährlichen Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst verarbeiten können und mindestens 25 % des jährlichen Bedarfs sollen aus Recycling stammen. Im Rahmen der CRMA wird primäres Magnesium (metallisch) als strategisch wichtig und potenziell kritisch eingestuft. Über die CRMA entstehen für Rumänien Opportunitäten. Andererseits möchte man mit dem Projekt MPI Magnesium zu diesen Zielvorgaben für 2030 beitragen.

Die EM-Gruppe erzielte übrigens 2024 einen Umsatz von über 212 Millionen Euro und beschäftigt über 1.500 Mitarbeiter. Zur Gruppe gehören Unternehmen wie Electromontaj S. A. (Bau/Montage im Bereich Energie), EMFOR S. A. (Bauingenieurwesen, Fundamente und Infrastruktur für den Energiesektor), IPROEB S. A. (Hersteller von Kabeln, Leitern und Isolatoren für Mittel- und Hochspannungsleitungen.), Electrotehnica EM S. A. („Rumänischer Hersteller von elektrischen Ausrüstungen und Transformatoren).

Werner FINK

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Wirtschaft.