Streiflichter vom traditionellen Maisingen auf der Michelsberger Burg
Ausgabe Nr. 2957

Die Anwesenden wurden für ihre Mühe – Frühaufstehen und Aufstieg zur Burg – mit einem leckeren Frühstück auf dem Burghof belohnt.
Foto: Alisa SCHWARZ
„Der Winter ist vorüber, April ist nun vorbei, und mit des Kuckucks Rufen beginnt der Monat Mai…“, wurde am Freitag, dem 1. Mai auf der Michelsberger Burg gesungen. Bei strahlendem Sonnenschein und mit Blick über das Dorf feierten man in den Frühling hinein.
Im Tal war es um 6.30 Uhr noch schattig, die Sonne hatte es noch nicht ganz über die Hügel geschafft, als sich die ersten Teilnehmenden einfanden. Trotz der frühen Stunde ist die Stimmung ausgelassen. Die Gruppe verteilte Taschen, Tüten und Kuchenboxen. Einige hatten sich freiwillig gemeldet, um das Frühstück gemeinsam den Hügel hinaufzutragen. Am Ende des Weges zur Burg auf der Kuppe des Hügels ging es durch eine klapprige Holztür, hinter die Mauern der Burg. Der Himmel leuchtete orange als die Ersten den Hügel erklommen.
Die Sängerinnen und Sänger fanden sich an der Westseite der Kirche ein und stimmten die ersten Lieder an. Der Kuckuck rief seinen Namen und das Grün der Wälder erstrahlte im Morgenlicht, während der Gesang über die Weite klang: „… Kuckuck, Kuckuck April ist nun vorbei“, sang die Gruppe. Aber natürlich auch „Der Mai ist gekommen”.
Das Musizieren zum 1. Mai hat in Michelsberg eine lange Tradition. So spielte vor den 1990er-Jahren immer die Michelsberger Blaskapelle auf der Burg, bevor deren Mitglieder ins Tal weiterzogen.
Dort wurde gespielt, getanzt und gefeiert. Nachdem sich die Blaskapelle aufgelöst hatte, führten die Michelsbergerinnen und Michelsberger die Tradition weiter. Aber anstatt mit Instrumenten in den Frühling zu blasen, begrüßen sie und ihre Gäste den Frühling heute mit ihren Stimmen.
Nach dem Singen zog die Gruppe gemeinsam in die romanische Basilika. In den weiten Räumen der Kirche war es dunkel, bis sich die Wolken vor der Sonne wegschoben und ihre Strahlen durch die Fenster schienen und den Raum erhellten. Während Pfarrer Stefan Tobler in Sonnenlicht gebadet die Andacht hielt, konnte man, wenn man die Ohren spitzte, den Kuckuck rufen und die Vögel singen hören.
Es passte, dass dann draußen noch „Alle Vögel sind schon da, alle Vögel alle!“, gesungen wurde, „…alle wollen wir lustig sein, lustig wie die Vögelein…“, ging es weiter und auch die Teilnehmenden kamen nach dem Gottesdienst auf dem Burghof zusammen, um zu feiern. Ein Tisch war schon gedeckt und mit verschiedenen Kuchen, belegten Broten, Kaffee und Eierlikör reichlich gefüllt. In der Frühlingssonne frühstückten sie, erzählten Geschichten und ließen den Morgen ausklingen, während die Sonne immer höher stieg und der Kuckuck rief.
Alisa SCHWARZ