Eine Friseurschule mit einzigartigem Konzept eröffnet in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2941

Adrian Niculescu demonstriert den Friseurschülerinnen am HZ-Praktikanten Eduard Reschke die richtige Schnitttechnik. Foto: Mihai SERESTER
Eine Niederlassung der rumänienweit bekannten Friseurschulkette „Point Cut“ eröffnete am 7. November in Hermannstadt. Den Standort führen Ion und Lavinia Grigore, die gemeinsam mit ihrem Sohn Denis sowie weiteren Friseurlehrern unterrichten. Mit ihnen erweitert der Gründer, Adrian Niculescu, sein Netzwerk auf inzwischen 24 Standorte in Rumänien. „Point Cut“ unterscheidet sich deutlich von klassischen Friseurschulen. Der Grundgedanke lautet: Ab dem ersten Tag arbeiten die Teilnehmer nicht an Übungsköpfen, sondern an echten Menschen. Die kostenlosen Männerhaarschnitte bilden die tägliche Grundlage des Unterrichts und das Herzstück des gesamten Systems.
Die Idee stammt von Adrian Niculescu, Hairstylist und Unternehmer aus Bukarest. Er selbst unterrichtet nicht mehr, ist aber täglich an seinem Standort in der Hauptstadt präsent und zeigt in stundenlangen Livestreams, dass die Versprechen der Schule tatsächlich umgesetzt werden: echte Personen von der Straße, echte Haarschnitte und echte Fortschritte.
Bislang haben mehr als 11.000 Menschen an den Kursen von „Point Cut“ teilgenommen. Viele von ihnen Berufswechsler, die sich neu orientieren wollen. Die Teilnahmevoraussetzungen sind niedrig: acht abgeschlossene Schulklassen und ein Mindestalter von 16 Jahren.
Bei meinem Besuch des Standorts in Hermannstadt erlebte ich unmittelbar, wie sich das Konzept in der Praxis anfühlt. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Salon war sofort spürbar: Der Haarschnitt wurde von jemandem ausgeführt, der diese Handgriffe erst wenige Male gemacht hatte. Das war ungewohnt, aber zugleich faszinierend, denn man merkte, wie die Hinweise der Lehrkräfte sofort Wirkung zeigten und der Lernende sich Schritt für Schritt weiterentwickelte. Unsicher fühlte ich mich dabei nie. Jemand stand stets direkt daneben, beobachtete genau und griff bei Bedarf ein.
Als während meines Besuchs eine Schere zu Boden fiel, wurde sie sofort aufgehoben und gründlich desinfiziert. Hygiene hat hier oberste Priorität. Nach jedem Haarschnitt wurde sämtliches Werkzeug sorgfältig gereinigt. Viele der Teilnehmer hielten an diesem Tag zum ersten Mal in ihrem Leben eine professionelle Friseurschere richtig in der Hand. Deshalb dauern die Haarschnitte länger als im klassischen Salon. Trotz der leichten Nervosität der Anfänger herrschte eine konzentrierte, beinahe familiäre Atmosphäre.
Am Ende des Kurses steht eine staatlich anerkannte Prüfung an. Das erworbene Diplom gilt europaweit. Zwischen anfänglicher Nervosität und wachsendem Selbstvertrauen entwickeln sich die Teilnehmer hier Schritt für Schritt zu echten Fachkräften.
Adrian Niculescu arbeitet daran, dass „Point Cut“ weiter wächst. Er möchte sein Modell auch in anderen europäischen Ländern etablieren. Für Standorte in Italien, Spanien, Belgien und Großbritannien gibt es bereits Gespräche. In Hermannstadt beginnt alles gerade erst. Hier muss sich nur noch zeigen, wie das Konzept in der Praxis ankommt.
Die neue Schule befindet sich in der Strada Telefoanelor Nr. 1, eine Abzweigung der Heltauergasse/Bălcescu, und bietet Männern von Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr kostenlose Haarschnitte an.
Eduard RESCHKE