Ein persönlicher Gegenstand

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Ausstellung zum Gesangbuch der EKR im Teutsch-Haus

Ausgabe Nr. 2941

Brita Falch Leutert begleitete und Jürg Leutert leitete das gemeinsame Singen bei der Vernissage.                                                           Fotos: Max GALTER

Bei der Eröffnung der Ausstellung „Schätze des evangelischen Kirchengesangs“ Anfang Dezember hörte man im ganzen Teutsch-Haus verschiedenste Kirchenlieder aus dem Terrassensaal erklingen. Eine außergewöhnliche Vernissage, da man eigentlich erwartet hatte, dass nur die Leiterin des Teutsch-Hauses, Dr. Gerhild Rudolf, über die Ausstellung referiert.

An dieser raffinierten Methode erkennt man die Profession der Aussteller. Brita Falch Leutert ist Stadtkantorin der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Hermannstadt. Zusammen mit Theologiestudentin Daniela Boltres hatte sie das 50. Jubiläum des Gesangbuchs der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR) im letzten Jahr zum Anlass genommen, eine Austellung darüber zu konzipieren.

Die Ausstellung wurde dann zuerst in der Ferula der evangelischen Stadtpfarrkirche präsentiert, danach gastierte sie in Mediasch und sie wird nach Agnetheln weiterwandern. Im Teutsch-Haus wurde die Austellung durch einige Exponate aus dem Zentralarchiv der EKR und aus der Redaktion der Hermannstädter Zeitung ergänzt und wird bis Ende Februar 2026 zu besichtigen sein.

Einer der Schätze aus der Ausstellung: Das Birthälmer Cantionale von 1620 ist in einem Schaukasten zu sehen.

Und um das interessierte Publikum in den Klang der Ausstellung eintauchen zu lassen, wurde aufgefordert, viele Adventslieder mitzusingen. So auch das erste Lied des Gesangbuchs mit einem vierstimmigen Satz aus dem Birthälmer Cantionale. Dieses aus dem Jahr 1620 stammende Cantionale ist eines der vielen Schätze der Ausstellung.

Der Klang ausgewählter Kirchenlieder ist auch in Form eines QR-Codes auf den Texttafeln zu finden. Also nehme man auch gerne seine Kopfhörer mit.

Erwähnenswert ist der Beitrag des Musikwarts der EKR, Jürg Leutert. Er hatte zusammen mit den Volontären der Kirche mehrere Kirchenlieder vorgetragen und die Initiatorinnen bei der Verwirklichung der Ausstellung unterstützt.

Das Gesangbuch wird von vielen Menschen als persönlicher Gegenstand wahrgenommen. Im Gegenteil zur Bibel hat jeder aus der Familie ein eigenes Gesangbuch besessen und geschätzt. Man fand in vielen abgegriffenen Gesangbüchern verschiedenste persönliche Gegenstände, wie Notizen, Poesie oder gepresste Blumen.

Würdigungen dieses Gesangbuches waren im letzten Jahr wöchentlich in der Hermannstädter Zeitung zu lesen. In der Rubrik „50 Lieder für 50 Jahre – Mit dem Evangelischen Gesangbuch durch das Jahr 2024“ schrieben Menschen unterschiedlicher Berufe und Altersklassen über die Lieder, die ihnen am Herzen liegen.

Brita Falch Leutert und Daniela Boltres dringen mit ihrer Exposition auch in neues Gebiet vor. Der studierte Kirchenmusiker und gebürtige Kronstädter Dr. Tamás Szőcs stellt fest, dass die Erforschung des deutschen Kirchenlieds in Siebenbürgen innerhalb der musikwissenschaftlichen Forschung unterrepräsentiert sei. Was die Arbeitsgruppe des Landeskonsistoriums also 1979 ausgearbeitet hatte, ist von wissenschaftlicher Relevanz und die Ausstellung ein neuer Beitrag zum wissenschaftlichem Diskurs. Politikhistorisch wird auch das Herausgeben eines Gesangbuches in den kommunistischen 1970-er Jahren in Rumänien beleuchtet. Zudem ist auch keine Neuauflage des Gesangbuches in Sicht. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, was man (nicht nur) jeweils im Sonntagsgottesdienst in der Hand hält.

Max GALTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.