Von der Weitergabe von Fertigkeiten

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Streiflichter vom 42. Jahrmarkt der Handwerke im ASTRA-Freilichtmuseum

Ausgabe Nr. 2925

Zwei Generationen Lederer aus Großschenk: Uwe Boghian (Bildmitte) fertigt siebenbürgisch-sächsische Ledergürtel sein Sohn Thomas (links) Peitschen und sein Sohn Christian (rechts) bestickt die Ledergürtel und stellt Portemonnaies her.                                                          
Foto: Beatrice UNGAR

Während im ASTRA-Freilichtmuseum auf der Bühne am See der Soundcheck für das abendliche Konzert im Rahmen des Astra Rock-Festivals dem Vogelgezwitscher Konkurrenz machte, konnte man am Samstag, dem 16. August, einer Menge hochinteressanter traditioneller Handwerker und Kunsthandwerker bei der Arbeit zusehen bwz. deren Produkte bewundern und käuflich erwerben. Denn zeitgleich fand am Wochenende vom 15. bis 17. August der traditionelle Jahrmarkt der Handwerke statt.

 

Beim Workshop zum Schindeln Spalten aus Baumstämmen für das Dach zeigte der Museumsdirektor Ciprian Ștefan persönlich einem Mädchen, wie man Schindeln schneidet. Für die Bearbeitung festgeklemmt wurden die Schindeln mit der sogenannten Hainzelbank. Die Schindeln sind für das Dach der eigens für den diesjährigen Ökotourismus-Markt im Freilichtmuseum hergestellten Häuschen bestimmt.                                
Foto: Beatrice UNGAR

An der 42. Auflage dieses Jahrmarktes haben mehr als 200 Volkskünstler aus Rumänien und der Republik Moldova teilgenommen. Zu bewundern und käuflich zu erwerben waren an den Ständen u. a. Webarbeiten, Masken, Holzschnitzereien, Flechtarbeiten, Lederwaren, Hinterglasikonen und auf Holz gemalte Ikonen, Opanken, Keramik, Trachtenpuppen, Trachtenblusen.

Die mehr als 12.000 Besucherinnen und Besucher, die an diesen drei Tagen gezählt wurden, konnten mit den Volkskünstlern ins Gespräch kommen, erfahren, welche Techniken sie verwenden oder wie man die jeweiligen Erzeugnisse richtig trägt bzw. verwendet. Wortreich erklärte z. B. eine Schneiderin aus der Republik Moldova einer interessierten Kundin, wie man einen gewebten Gürtel korrekt um die Taille wickelt. Zum Thema Ledergürtel für die siebenbürgisch-sächsische Volkstracht gab es einen Stand des Großschenker Lederers Uwe Boghian, der übrigens beim Lipizaner-Gestüt in Sâmbăta de Jos als Sattler tätig ist und dort auch Zaumzeug herstellt. Am Stand konnte man nicht nur ihm, sondern auch seinen Söhnen, Christian und Thomas, bei der Arbeit zusehen.

An einigen Ständen waren auch Preisträgerinnen und Preisträger früherer Landesphasen der Schülerwettbewerbe für traditionelles Kunsthandwerk zu sehen. Ein Beweis dafür, dass diese Veranstaltung, die in diesem Jahr schon zum 28. Mal im Anschluss an den Jahrmarkt – vom 21. bis zum 24. August – stattgefunden hat, ihr Ziel erreicht hat. Besucht wurde sie – man konnte den 250 Schülerinnen und Schülern bei der Arbeit zusehen – von insgesamt 9094 Personen, heißt es in einer diesbezüglichen Pressemitteilung des ASTRA-Museums. Die Teilnehmenden kamen aus 25 Landkreisen Rumäniens, aus der Republik Moldova (24 Teilnehmende aus Dondușeni, Răuțel und Palanca) und aus Bulgarien (von der National School of Arts Sliven, begleitet von Mitarbeitern des Etara-Architektonischen und Ethnographischen Komplexes aus Gabrovo).

Ein Schüler zeigte seine Webkunst.                                                  
Foto: ONMAT

Stadt und Kreis Hermannstadt vertraten 14 Schülerinnen und Schüler von acht Schulen aus Alzen, Freck, Gura Râului und Hermannstadt.

Dazu gab es auch interaktive Workshops von Schmiedearbeiten über Imkerei und Mosaiklegen bis hin zu Maskenfertigung.

Bei der feierlichen Preisverleihung am Sonntag, den 24. August, betonte eine der Direktorinnen des ASTRA-Museums, Mirela Crețu, wie wichtig die Weitergabe der Handwerke jenseits der Familiengrenzen ist: Die Olympiade startete als Beispiel oder besser gesagt als Darstellung, wie die traditionellen Handwerke und Kunsthandwerke von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mit der Zeit wurden diese Fertigkeiten auch an Werkstätten in Schulen gelehrt und erlernt. Jene von euch, die diese Fertigkeiten noch in der Familie erlernen durften, sind buchstäblich gesegnet. Das Wichtigste aber für alle ist, dass alle Teilnehmer von Lehrern lernen, die ihrerseits von Meistern der jeweiligen Handwerke gelernt haben. 30 Jahre nach der ersten Auflage sind ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger dieser Olympiade Jurymitglieder, Hochschulprofessoren, Restauratoren von Kulturerbe.

Jahrmarkt und Olympiade gehören nun der Vergangenheit an aber im ASTRA-Freilichtmuseum gibt es immer etwas zu erleben: So zeigt der Kunsthandwerker Bedő Zoltán im Rahmen eines Workshops vom 29. bis 31. August, wie man aus Holz Spielsachen herstellt. Die Teilnahme erfolgt aufgrund der Eintrittskarte bzw. des Abonnements.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Handwerk, Technik, Aktuelle Ausgabe.