Konzerte zwischen Himmelfahrt und Pfingsten
Ausgabe Nr. 2959

Das Sylvain Cossette Quintet bot Jazz vom Feinsten (v. l. n. r.): Sylvain Cossette (Gitarre), Alexandre Côté (Saxophon), Bruno Lamarche (Saxophon), Alain Bourgeois (Schlagzeug) und Marin Alexandru (Bass).
Zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten angesiedelt waren am Freitagabend das Jazzkonzert mit dem Sylvain Cossette Quintet aus Kanada im Keller des Thaliasaals und Samstag die Abendmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Beide Konzerte waren von der Freude am Musizieren geprägt.
Das Sylvain Cossette Quintet bot Free Jazz und Jazz Rock mit eigenen Kompositionen und virtuosen Improvisationen, geboten hauptsächlich von dem Gitarristen Sylvain Cossette und den beiden Saxophonisten Alexandre Côté und Bruno Lamarche. Der kanadische Bassist Sébastien Pellerin musste aus gesundheitlichen Gründen die Europa-Tournee der Band absagen und so holte Cossette den jungen Bukarester Bassisten Marin Alexandru (Bühnenname Mike Alex, von der Band Amfitrio) ins Boot. Mike Alex fügte sich sozusagen nahtlos ein in das Quintet und improvisierte seinerseits spontan und frei bei dem Standard von Herbie Hancock „Dolphin Dance”. Alle anderen Stücke stammten von dem neuen Album des Quintets, „Second Cycle”, das hauptsächlich dem Herbst – genauer der Herbststimmung – gewidmet ist.

Jürg Leutert, Iuliana Silișteanu, Sophia Potter, Brita Falch Leutert und Gabriel Silișteanu hatten selbst großen Spaß (v. l. n. r.). Fotos: Beatrice UNGAR
Das Konzert in Hermannstadt war das erste der beiden in Rumänien geplanten Konzerte. Das zweite hat im Garten des Landkartenmuseums (Muzeul Hărților) zum Auftakt der Reihe „Jazz in the Garden” stattgefunden. Mitveranstalter war der Verband der Musiker aus Rumänien (Uniunea de Creație Interpretativă a Muzicienilor din România, UCIMR).
Am Abend darauf gestalteten Sophia Potter (Sopran und Trommel), Iuliana Silișteanu (Violine), Gabriel Silișteanu (Viola da Gamba), Jürg Leutert (Kontrabass) und Brita Falch Leutert (Orgel und Cembalo) die Abendmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Die Musik erklang zu den Themen „Himmelfahrt“ und „Pfingsten“, da man sich laut Ansage „genau dazwischen” befand. Auf dem Programmblatt waren zwei Kupferstiche abgebildet mit denen der Komponist H. I. F. Biber (1677-1733) sein Manuskript der Rosenkranzsonaten eigenhändig illustriert hat.
Um die Himmelfahrt darzustellen wird eine beliebte Musikalische Figur oft benützt: eine schwungvolle Bewegung nach oben. Das war in den Kompositionen „Sonata Himmelfahrt” von Biber aus dem Jahr 1674 und der „Aria zur Himmelfahrt” von Johann Sartorius (1712-1787) sowie im Lied Nr. 84 aus dem Gesangbuch der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien zu hören. Wer die Partituren vor sich hat, so die Musiker, könne „mit bloßem Auge sehen, wie die Noten mit dem Text nach oben steigen”. Das gleiche Motiv sei auch im daran anschließenden Präludium von Johann Sebastian Bach (1685-1750) zu erkennen, das Brita Falch Leutert auf der Sauer-Orgel erklingen ließ.
Es folgten die Pfingsten gewidmete Biber-Sonate sowie die Triosonate in B-Dur von Dietrich Buxtehude (1637-1707) und zum Abschluss Bachs heitere Arie „Mein gläubiges Herz” mit Sophia Potter als Solistin.
B. U.