Dem Historiker Martin Rill zum 75. Geburtstag / Von Dr. Lucian GIURA
Ausgabe Nr. 2959

Martin Rill mit dem Exzellenzdiplom des Brukenthalmuseums, August 2023. Foto: Werner FINK
Der Historiker und Archäologe Martin Rill wurde am 18. Mai 1951 in Kleinscheuern im Kreis Hermannstadt geboren. Er besuchte die Grundschule in seinem Heimatdorf (Abschluss 1966) und anschließend das Gymnasium in Freck (1970). Von 1972 bis 1976 studierte er an der Fakultät für Philologie und Geschichte in Hermannstadt im Rahmen der Babeș-Bolyai-Universität mit dem Schwerpunkt Geschichte.
Nach seinem Abschluss begann er seine Karriere als Museologe am angesehenen Brukenthalmuseum, wo er von 1976 bis 1989 tätig war und sich mit der Erforschung und Aufwertung des siebenbürgischen Kulturerbes befasste.
Im Sommer 1989, kurz vor den historischen Ereignissen im Dezember, wanderte er zusammen mit seiner Familie nach Deutschland aus. Fünf Jahre lang (1990–1995) war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektkoordinator innerhalb des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates. In den Jahren 1996–2011 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralmuseum der Donauschwaben in Ulm tätig. Anschließend war er von 2012 bis 2017 Leiter des Verbindungsbüros der L-Bank Stuttgart zu Rumänien und verantwortlich für die Leitung des Honorarkonsulats von Rumänien in Stuttgart.
Im Laufe seiner Karriere hat Martin Rill an zahlreichen archäologischen Ausgrabungen in Siebenbürgen teilgenommen, darunter an den Stätten in Burgberg, Kerz (am ehemaligen Zisterzienserkloster) und Kleinscheuern. Dazu war er an über 60 nationalen und internationalen Symposien und Konferenzen in Rumänien, Ungarn und Deutschland beteiligt.
Seine museale und wissenschaftliche Tätigkeit umfasst die Organisation von über 30 thematischen Ausstellungen in Ländern wie Rumänien, Österreich, Italien, Belgien und der Schweiz, sowie im Donauraum (Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien). Darüber hinaus hielt er Vorträge an Instituten und Universitäten in Deutschland, Italien, Ungarn und Luxemburg.
Er war Gründungs- und Vorstandsmitglied des Deutsch-Rumänischen Forums in Berlin (2000–2012), Mitglied der Regierungskommission Rumänien–Baden-Württemberg (2001–2017) sowie Assistent der Leitung des Internationalen Donaufestivals in Ulm (1998–2016) und des Deutsch-Rumänischen Freundschaftsvereins „Danubius“. Seit 1989 ist er Mitglied des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde in Heidelberg.
Für sein Wirken wurde er mit dem Kulturpreis „Romulus Vuia“ (2003) für die Ausstellung „Die Geschichte der Häuser“ ausgezeichnet und erhielt für die Ausstellung „Flug in die Vergangenheit“ den Großen Preis des Kulturministeriums (2006). Im Jahr 2010 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Professors der Ungarischen Universität Pécs verliehen.
Zudem wurde er per Präsidialdekret für seine Verdienste um die Förderung des Ansehens Rumäniens und die Entwicklung der rumänisch-deutschen Beziehungen mit dem Orden „Meritul Cultural“ (Kulturverdienstorden) im Rang eines Großoffiziers (Kategorie H – Wissenschaftliche Forschung) ausgezeichnet. Als Historiker und Archäologe widmete sich Martin Rill der Erforschung des Mittelalters in Siebenbürgen und der Geschichte Mitteleuropas mit Schwerpunkt auf dem siebenbürgischen Raum. Seine Forschungen leisteten wichtige Beiträge zum Kenntnisstand über die materielle Kultur sowie die Konservierung des architektonischen Erbes in Rumänien sowie in Mittel- und Osteuropa, insbesondere in Siebenbürgen und im Banat.
Er hat eigenständig und in Zusammenarbeit zahlreiche Bücher und Ausstellungskataloge in Rumänien und Deutschland veröffentlicht, sowie Studien und Fachartikel in Publikationen in Deutschland und Rumänien.
Aus der Vielzahl dieser Veröffentlichungen möchten wir nachfolgend einige hervorheben: „Taten und Gestalten. Bilder aus der Vergangenheit der Rumäniendeutschen”, I, Klausenburg/Cluj-Napoca, 1983; „Denkmaltopographie Siebenbürgen. Kreis Kronstadt /Topografia monumentelor din Transilvania. Județul Brașov/”, Bd. 3.3 (Hrsg. Christoph Machat), Thaur bei Innsbruck, 1995; „Siebenbürgen im Flug” (mit Georg Gerster), München, 1997; „Das Burzenland. Städte, Dörfer. Kirchenburgen”, München, 1997; „Hermannstadt und das Alte Land. Eine europäische Kulturlandschaft”, München, 2002; „Kleinscheuern. Eine Gemeinde in Siebenbürgen”, München, 2004; „Steingewordener Glaube. Kirchliche Architektur im Temescher Banat des 18. Jahrhunderts”, Ulm, 2004; Donau. „Eine künstlerische Reise zum Schwarzen Meer”, Ulm, 2005; „Rumänien – Ein europäisches Kulturerbe”, Ulm, 2005; „Sibiu/Hermannstadt, Denkmäler, Menschen, Landschaften” (Sibiu, monumente, oameni, locuri), 2007; „Sibiu/Hermannstadt European Capital of Culture (Sibiu/Hermannstadt. Europäische Kulturhauptstadt)”, Hermannstadt – München, 2007; „Blicke auf Rumäniens Vergangenheit”, München, 2007; „425 Jahre deutsches Theater in Hermannstadt, 50 Jahre DASS”, Hermannstadt, 2007; „Temeswar. Eine Perle des Banats”, München, 2009; „Temeswar/Timișoara. Klein Wien an der Bega” (Timișoara. Mica Vienă de pe Bega), Ulm, 2010; „Der Mensch. Der Fluss. Malerei der Donauländer. Along the river of men (Omul și fluviul. Pictura țărilor dunărene), Ulm, 2011; „Das Repser und das Fogarascher Land”, Erlenbach, 2014; „Einblicke ins Zwischenkokelgebiet”, Obersulm-Eschenau, 2018; „Mediasch und das siebenbürgische Weinland”, Obersulm-Eschenau, 2022; „Das Harbachtal, das Kaltbachtal und der Krautwinkel”, Obersulm-Eschenau, 2024.
Zu diesen Werken von unbestrittenem wissenschaftlichem Wert kommen zahlreiche Artikel, Rezensionen und Beiträge hinzu, die in renommierten Fachzeitschriften und in der zeitgenössischen Publizistik erschienen sind.
Für mich ist Martin Rill nicht nur ein angesehener Forscher, sondern auch ein lebenslanger Freund; wir kennen und schätzen uns seit über einem halben Jahrhundert. Er ist derjenige, mit dem ich die schönen Jahre meines beruflichen Anfangs im Brukenthalmuseum in Hermannstadt verbracht habe. Uns verbindet nicht nur das gemeinsame Interesse an Geschichte und Kulturerbe, sondern auch lebendige Erinnerungen an eine Zeit, in der sich die Leidenschaft für die Forschung mit der Begeisterung der Jugend verband. Ich habe stets seine wissenschaftliche Präzision, seine Ernsthaftigkeit und sein Engagement für kulturelle Werte, aber auch seine Menschlichkeit und Ausgeglichenheit, die ihn in allen Lebensphasen begleitet haben, geschätzt.
Anlässlich dieses schönen runden Geburtstags wünsche ich ihm Gesundheit, Frieden und die weiterhin gleiche Kraft, durch alles, was er tut, ein würdevolles und tiefgründiges Bild unserer gemeinschaftlichen Geschichte zu vermitteln.
Deutsche Fassung:
Tudor MAHL
Martin Rill hat am 29. April seinen neuen Bildband „Mühlbach und der Unterwald“ im Haus der Heimat in Stuttgart vorgestellt. Damit setzt er die gemeinsam mit Georg Gerster mit „Siebenbürgen im Flug“ als Auftakt begonnene Reihe fort, die somit auf neun Bände angewachsen ist. Rill meint, das sei der letzte Band dieser Reihe.
Dieser Bildband lädt zu einer Rundreise durch den Unterwald ein, das westliche Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen entlang der Südkarpaten von Hamlesch bis Broos.
In Hermannstadt soll der Band Mitte Juni im Brukenthalmuseum vorgestellt werden.
Zunächst aber wird Martin Rill diese Neuerscheinung am 11. Juni, 11 Uhr, in der Bibliothek der Rumänischen Akademie in Bukarest vorstellen.