Adenauer-Enkel Stephan Werhahn in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2959

Stephan Werhahn diskutierte im Spiegelsaal des Hermannstädter Forums gemeinsam mit dem Publikum über die Zukunft Europas.
Foto: Sebastian ARION
Sein neues Buch mit dem Titel „Europas Resilienz für Frieden, Freiheit und Wohlstand. Strategien und Lösungen über Generationen hinweg“ stellte Stephan Werhahn am 16. Mai im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt vor. Der Vortrag stand zugleich im Zeichen des 150. Geburtstags seines Großvaters Konrad Adenauer, der als einer der Gründerväter der Europäischen Union und des modernen Europas gilt. Werhahn beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem politischen Erbe und den Fragen europäischer Zusammenarbeit.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ana-Maria Daneş, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt. Sie betonte, Werhahns Vision sei es, „über Grenzen hinweg zu denken“, Frieden und Wohlstand seien nur gemeinsam möglich. Der Deutsche Vizekonsul Sven Kunert griff die aktuelle politische Lage auf und meinte, „gegenwärtige Ereignisse hätten durchaus auch das Potential, zusammenzuführen.“
Die Präsidentin der Jugend Europäischer Volksgruppen, die Heltauerin Johanna Kézdi, erinnerte daran, dass Minderheiten Brückenbauer seien. Gleichzeitig müsse man sich aber bewusst sein, „dass diese Brücken auch erhalten werden müssen.“
Werhahn selbst begrüßte das Publikum mit den Worten „Sehr geehrte Europäer“ und bezeichnete sein Buch als „ein bisschen ein Vermächtnis.” Immer wieder stellte er Bezüge zwischen aktuellen Herausforderungen und historischen Entwicklungen her. Vergleiche mit früheren Epochen seien zwar schwierig, sagte er, entscheidend sei aber die Haltung politischer Verantwortungsträger: „Wie hätten frühere Politiker auf heutige Konflikte oder auf einen Akteur wie Wladimir Putin reagiert?“
Als zentrale Spannungsfelder der Gegenwart nannte Werhahn unter anderem den Klimawandel und das weltweite Bevölkerungswachstum. Veränderungen könnten seiner Ansicht nach nur „von unten“ entstehen. Dabei bezeichnete er sich immer wieder als Fan des Subsidiaritätsprinzips, das Entscheidungen möglichst auf den unteren gesellschaftlichen und politischen Ebenen ansiedeln will, also bei Gemeinden, lokalen Gemeinschaften oder Bürgerinitiativen. Staatlicher Eingriff soll auf ein Minimum reduziert werden und nur da stattfinden, wo es zwingend notwendig und nicht anders möglich ist. Mit „von unten“ meinte er in seinem Vortrag damit keine revolutionäre gesellschaftliche Neuordnung im sozialistischen Sinn, sondern vielmehr eine Erhöhung von Eigenverantwortung und die Stärkung dezentraler Strukturen innerhalb Europas.
Besonders hob Werhahn Siebenbürgen hervor, das er als „Leuchtturm für Diversität in Europa“ bezeichnete. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, dass die Europäische Union langfristig eine gemeinsame Verfassung brauche.
Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit zahlreichen Fragen aus dem Publikum, bei der vor allem die Zukunft Europas und der gesellschaftliche Zusammenhalt im Mittelpunkt standen.
Tobias JARITZ