Studierende interpretieren Volksmärchen neu
Ausgabe Nr. 2923

Szenenfoto aus „Tinerețe fără bătrânețe și viață fără de moarte”. Foto: Carol HRUBY
Mit den Stücken „Mutter”, einer Inszenierung von Dumitru Acriș nach „Mutter Courage und ihre Kinder” von Bertolt Brecht und „Tinerețe fără bătrânețe și viață fără de moarte” nach Petre Ispirescu, hatte sich das Departement für Schauspielkunst der Hermannstädter Lucian Blaga-Universität (ULBS) an dem Festival der Theater- und Kulturmanagement-Universitäten beteiligt, das zum elften Mal im Rahmen des 32. Internationalen Hermannstädter Festivals stattgefunden hat.
Die Inszenierung von „Tinerețe fără bătrânețe și viață fără de moarte” (Jugend ohne Alter und Leben ohne Tod) wurde am 24. Juli wieder gezeigt und bot einfach alles: Choreografie, Gesang, Erotik und Romantik.
Der Titel des Stücks stammt von dem gleichnamigen rumänischen Volksmärchen, gesammelt von Petre Ispirescu. Wie auch in dem Märchen durchwandert Făt-Frumos (David Cristian) eine fantastische Welt und überwindet Hindernisse, auf der Suche nach ewigem Glück. Liebe, Wunsch und Erfüllung spielen dabei eine zentrale Rolle und hallen in jeder Szene wider.
Mit kaum gesprochenen Worten, aber umso eindrucksvollerer Bewegung erzählt das Stück seine Geschichte durch die faszinierende Choreografie von Ștefan Lupu. Auch auf die Verwendung von Requisiten wird verzichtet: Die Atmosphäre entsteht durch Kostüm, Licht und Musik. Die Bühnenmusik reicht von Klassik und rumänischer Volksmusik bis hin zu modernem Techno. Dabei ist dies nur ein Teil der in der Inszenierung entstehenden Brücke zwischen rumänischer Folklore auf der einen und Avantgarde, Choreographie und moderner Technik auf der anderen Seite.
Auch die Kostüme der 12 Schauspielerinnen und Schauspieler, durchwegs in Schwarz gehalten, müssen gelobt werden. So konnten sie als Gruppe wirken, doch mittels fließenden Rollenwechsels auch hervorstechen. Für manche Effekte kommen Quick-changes, schnelle Kostümwechsel, zum Einsatz, die überraschen und für spontane Lacher sorgen.
Ein besonderer Publikumsliebling war die Konfrontation des Helden mit einem seiner zahlreichen Gegner: dem Drachen (Mihai Mocanu) in provokativem Outfit. Die Kampfszene wurde als Duett zu dem Tom Jones-Song „Sex Bomb“ gestaltet und empfing tosenden Beifall.
Als Zuschauer fühlt man sich am Ende der Inszenierung wie Teil eines erfolgreichen Experiments. Das ist kein gewöhnliches Theater, soviel steht fest. Dass dabei eine alte Sage neu zum Leben erweckt wurde, zeigt nur, dass Verlangen, Träume und Fragen der Menschen sich nicht ändern. Vielleicht ist zeitloses Theater der erste Schritt zu einer Jugend ohne Alter und einem Leben ohne Tod.
Tudor MAHL
Besetzung
Darsteller: Adrian Bumbeș, Maria Maftei/Andrada Oltean, Eva Frățilă, Ada Bicflavi, Isabela Haiduc, David Cristian, Mihai Mocanu, Alberta Dima, Ana Ștefan, Andra Stoian, Fabian Toderică, Ștefan Chelimândră, Fabian Toderică.
Konzept: Ștefan Lupu
Regieassistentin: Andrada Oltean
Projektmanager: Luminița Bîrsan
Lightdesign: Dorin Părău
Tontechnik: Cătălin Bobariu
Musik: Ștefan Lupu, Andrada Oltean
Musikarrangements: Vlad Robaș