Verborgene Schätze

Ausgabe Nr. 2789

Galerist Miklós von Barthas neueste Ausstellung

Blick in die Ausstellung Miklós von Barthas in Basel. Fotos: KBH.G

Die Kulturstiftung Basel H. Geiger (KBH.G) stellt nach Picasso-Plakaten eine weitere Basler Privatsammlung vor. Der renommierte Galerist Miklós von Bartha zeigt Volkskunst aus Siebenbürgen, der Heimat seiner Familie. In der Ausstellung ,,TRANSYLVANIA’S HIDDEN TREASURES“ sind die wichtigsten 186 seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung zu sehen. 

Doch der international bestens vernetzte Galerist mit Schwerpunkt Moderne und Zeitgenössische Kunst versteht sich nicht nur auf das Bewahren vergangener Handwerkskunst. Mit seiner Sammlung Ungarischer und Sächsischer Keramik und Textilien aus Siebenbürgen hat er die US-amerikanische Designerin JJ Martin und ihr Mode- und Interior-Label La DoubleJ zu einer eigenen, sehr erfolgreichen Kollektion inspiriert. Sie gestaltet einen zweiten Teil der Ausstellung in Basel.

Die Familie Miklós von Barthas stammt ursprünglich aus Nagyborosnyó/Borsoneu Mare, einem kleinen Dorf 50 Kilometer östlich von Kronstadt, das damals zum Königreich Ungarn, dem Fürstentum Siebenbürgen bzw. zur Habsburgermonarchie gehörte und heute Teil Rumäniens ist. Ein Teller aus dem Haus seiner Großeltern bildet den Ursprung seiner Sammlung, die als solche gar nie angedacht war. Von Bartha machte sich in den 1980er Jahren nicht strategisch an deren Aufbau. ,,Vollständigkeit war nie mein Ziel“, erklärt er, ,,die Sammlung, die mit diesem einzigen Teller aus Familienbesitz, der beide Weltkriege überlebte, begann, ist vielmehr Ausdruck meiner emotionalen Verbundenheit mit der Heimat meiner Familie.“

Als von Barthas Großeltern 1918 ihre Heimat Klausenburg verließen und nach Budapest zogen, nahmen sie ihre bereits 70jährige Haushälterin mit. Ein Glücksfall, nicht nur für die familienlose Frau, sondern auch für den Komponisten Béla Bartók, ein Freund der Familie, der ihren Gesang fast in Vergessenheit geratener Volkslieder aus Siebenbürgen zu Studienzwecken aufzeichnete. Und auch für den Enkel, der heute vermutet, dass eben jene Haushälterin nicht nur Volkslieder, sondern auch besagten Teller, einen einfachen, eher bäuerlichen Gebrauchsgegenstand, in das großbürgerliche Haus seiner Großeltern in Budapest gerettet hatte. Denn Keramik wie auch Textilien seiner Sammlung sind klassische Volkskunst. Sie waren für den alltäglichen Gebrauch bestimmt und dienten gleichzeitig als Schmuck der einfachen Bauernhäuser. Getöpfert wurden die Objekte von Männern, die Bemalung oblag den Frauen, wie auch die Herstellung und Verzierung der Textilien. 

Der Galerist Miklós von Bartha und die US-amerikanische Designerin JJ Martin.

Die Sammlung von Bartha umfasst ausschließlich Stücke von vor 1918, hauptsächlich aus dem späten 17. und 18. Jahrhundert, und lässt sich in drei Gruppen aufteilen: Habaner Keramik, siebenbürgisch-sächsische Keramik und ungarische Keramik. Wobei die Habaner Keramik, eine ausgesprochen dekorative Art, die gesamte bäuerliche Keramik jener Zeit beeinflusst hatte. Die leuchtenden Farben sowie die große Vielfalt an floralen, tierischen und abstrakten Motiven sind charakteristisch. 

Die Textilien, der weitaus kleinere Teil der Sammlung, stammen hauptsächlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert und wurden vorwiegend in der Region Kalotaszeg (dt. Kalotawinkel, rum. Țara Călatei) in Westrumänien hergestellt. Und auch wenn Ornamentik und Farbenreichtum heute zeitlos modern erscheinen und den Geschmack sowie Lifestyle unserer Zeit frappierend treffen, ist es nicht der materielle Wert der Sammlung, der sie so interessant und einzigartig macht: ,,Der kommerzielle Wert der Objekte hat mich nie interessiert. Aber es ist mir wichtig, ein ausgestorbenes Handwerk für zukünftige Generationen zu dokumentieren“, erklärt Miklós von Bartha, der ein paar ganz wenige seiner Keramiken im Alltag nutzt.

Die Ausstellung steht unter  dem Titel ,,TRANSYLVANIA’S HIDDEN TREASURES – Keramik & Textilien aus der Sammlung von Bartha“ und ist noch bis zum 6. November d. J. täglich (außer Dienstag) zwischen 11 und 18 Uhr zu besichtigen. Katalog sowie Eintritt sind kostenlos.                                                 KBH.G

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