Einblicke in das 33. Maifest des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2960

Beim Aufmarsch auf dem Großen Ring gab die Tanzgruppe des Hermannstädter Jugendforums zu den Klängen der Petersdorfer Blaskapelle den Takt an. Foto: Beatrice UNGAR
War man als Tourist oder Touristin am vergangenen Samstag, dem 23. Mai, morgens in der Nähe des Brukenthal-Gymnasiums unterwegs, so konnte es dafür zweierlei Gründe geben: Entweder man war extra für den Beginn des 33. Maifestes des DFDH vor Ort, traditionell eingeleitet mit dem umfangreichen Trachtenumzug durch das Herz von Hermannstadt, oder man erfuhr just in diesem Moment von der bunten Veranstaltung, an der an jenem Samstag nun wirklich niemand vorbeikam.
Kurz vor 10 Uhr gab es letzte Absprachen unter den Musikanten der Petersdorfer Blaskapelle und Anweisungen von Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, die versuchten die Schar an kleinen aufgeregten Trachtenträgern und Trachtenträgerinnen unter Kontrolle zu behalten.

Die Petersdorfer Blaskapelle (Leitung: Ioan Juju), hier auf dem Kleinen Ring, begleitete den Umzug. Foto: Beatrice UNGAR
Viele von ihnen waren zum ersten Mal dabei, als die Parade des diesjährigen Maifestes, Punkt 10 Uhr auf dem Hof des Gymnasiums begann und sich über den Huetplatz, die Lügenbrücke und den Kleinen Ring ihren Weg auf den Großen Ring bahnte. Begleitet wurde sie von unzähligen Kameras und Schaulustigen, für die Sebastian Arion, Kulturreferent des Hermannstädter Forums (DFDH), der mit seiner Tanzpartnerin die Parade anführte, immer wieder eine kleine Drehung anordnete, woraufhin die Trachten durch die Luft schwangen. Als der Umzug auf den Großen Ring einbog und diesen nach und nach füllte, schien kein Ende in Sicht.
Ganze 999 Anmeldungen gingen in diesem Jahr beim Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt ein, erzählte Stefan Kézdi, Leiter der Tanzgruppe des Hermannstädter Jugendforums, der versuchte, einen Überblick über diese Masse an Teilnehmenden zu behalten. Zwei jungen Frauen aus Deutschland, die beruflich in Hermannstadt unterwegs waren, wurde das Maifest empfohlen und so beobachteten sie das Spektakel von den Treppen der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche. „Es wirkt sehr fröhlich, aber wir waren ein bisschen verwirrt, weil wir die Koordination nicht ganz verstanden haben“, bemerkten sie schmunzelnd. So ging es vermutlich den meisten, die das Fest dieses Jahr zum ersten Mal erlebten. Alle mit mehr Erfahrung wussten: egal wie sehr sie sich zwischenzeitlich vermischten, am Ende fanden sich alle Trachtenträger und Trachtenträgerinnen immer wieder zusammen, um weiter auf die Heltauergasse und abschließend auf die Harteneckgasse zu ziehen.
Als diese Stationen geschafft waren, versammelten sich alle auf dem Parkplatz des Thaliasaales, wo vor allem die Kleinen nicht schnell genug in den Schatten kommen und das Spektakel gemeinsam auswerten konnten. Sie holten sich erste Umarmungen und Glückwünsche von ihren Eltern ab und tankten kurz Kraft für den zweiten Teil des Festtages.

Die Gitarrengruppe der 4. Klasse vom Ghibu-Lyzeum (Leitung: Dan Stângaciu) rundete das Programm im Jungen Wald ab. Foto: die Verfasserin
Weiter ging das Programm der Tanz- und Singgruppen wie gewohnt im Jungen Wald. Ebenda eröffnete die stellvertretende Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen, Gertrud Krech, mit einem Grußwort das Programm. Sie betonte den traditionellen Hintergrund des Festes, welches seit 33 Jahren in diesem Rahmen stattfindet. Seine historischen Wurzeln habe es in den Waldfesten Mitte des 19. Jahrhunderts, so Krech. Ganz nach dem Vorbild des ersten Maifestes 1865, welches zur damaligen Zeit noch ein populäres Schulfest der Hermannstädter Schulen und der Gesamtbevölkerung in Hermannstadt gewesen war, zog man auch über 150 Jahre später in den Jungen Wald los, um mit Tanz und in bester Laune, den Frühlingsanfang zu feiern. Heute halfen Busse und Autos, um den einstündigen Fußweg zurückzulegen.
Nun konnte es losgehen und so wurde parallel auf zwei Bühnen das Tanzbein geschwungen. Den Auftakt machten die Großen: die Tanzgruppe des Jugendforums unter der Leitung von Stefan Kézdi und Sebastian Arion präsentierte sich mit der „Sudetendeutschen Tanzfolge“ und „Krawall im Stall“. Ihnen folgte die Lehrerinnentanzgruppe, angeleitet von Bianke Grecu, mit „Der Zieglerjuli“, „Sprötzer Achterrühm“ und „Windmühle & Seerose“. Danach konnten die Kleinen ihre einstudierten Tänze zeigen und von der Bühne aus ihren stolzen Eltern zuwinken. Die Kinder vom Forumskindergarten tanzten mit der Unterstützung ihrer Erzieherinnen die „Kinderpolka“, die „Krebspolka“ und einen „Ländler aus Agnetheln“. Immer war zu beobachten, wie sich Verwandte, Bekannte, Kindergärtnerinnen, Lehrer und Lehrerinnen vor die Bühne drängten und nach dem besten Kamerawinkel suchten, um diese Erinnerung festzuhalten. Insgesamt präsentierten sich in diesem Jahr vierzig Tanzgruppen der Hermannstädter Kindergärten und Schulen.
Die ausgelassene Stimmung machte sich an diesem Samstag an jeder Ecke bemerkbar: Die Erwachsenen ließen sich Grillgut und kühle Getränke auf den Bierbänken schmecken und erinnerten sich gemeinsam an ihr erstes Maifest, während die Kinder sich kaum zwischen Eis und Zuckerwatte entscheiden konnten und sich auf den Hüpfburgen austobten.
Für die gute Laune sorgte nicht zuletzt das zauberhafte Wetter. Wegen regnerischer Voraussagen war das Fest vom 9. Mai zwei Wochen nach hinten verschoben worden und glücklicherweise hatte sich das Warten ausgezahlt. Alle lachten mit der Sonne um die Wette, die sich über den gesamten Tag am blauen Himmel zeigte.
Johanna MÜNZNER