Zum Thema Flugverbindungen

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Vertreter der Kreis- und Flughafenverwaltung zu Gast beim DWS-Treffen

Ausgabe Nr. 2960

Marius Gîrdea, Daniela Cîmpean, Wolfgang Köber und der stellvertretende Kreisratsvorsitzende Paul Kuttesch (v. l. n. r.).           Foto: der Verfasser

Nachdem die Flugverbindungen der Lufthansa CityLine kurzfristig aufgegeben wurden, auch die zwischen Hermannstadt und München, wurden Vertreter des Kreisrates Hermannstadt und der Flughafenverwaltung zum Mai-Treffen des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) eingeladen, um die Situation zu besprechen.

Jahrelang galt Lufthansa als der wichtigste Partner und Betreiber des Hermannstädter Flughafens. Die Ölkrise änderte das von heute auf morgen: Die Flüge wurden plötzlich gestrichen. Über den Ausfall der Direktverbindung von Hermannstadt nach München waren alle Teilnehmer bestürzt.

Es ist ein Thema, das für die Wirtschaft ebenso von Interesse ist, wie für uns, für die ganze Hermannstädter Gemeinschaft und nicht nur, weil dieser Flughafen auch benachbarte Kreise bedient”, betonte Kreisratsvorsitzende Daniela Cîmpean, die auch erklärte, dass bereits die ersten Schritte gemacht wurden, um dagegen anzusteuern: „Wir führen Gespräche und stehen in Kontakt mit dem Außenministerium sowie dem Verteidigungsministerium, weil dieser Flughafen – über seine Rolle als notwendige Verbindung für Unternehmen und den Tourismus hinaus – auch ein wichtiger Flughafen für die NATO-Streitkräfte ist”. Informiert und angesprochen wurden sowohl die Deutsche Botschaft in Bukarest als auch die Botschaften und Konsulate Rumäniens in Deutschland. Mit Hilfe des DWS-Vorsitzenden Wolfgang Köber wurde veranlasst, dass dies über den Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, auch an den deutschen Bundeskanzler weitergeleitet wird. Wir versuchen durch fiskalische Instrumente die Luftverkehrsbetreiber zu motivieren, nach Hermannstadt zu kommen und hier Flüge anzubieten. Wir haben auch eine Partnerschaft mit dem Hermannstädter Bürgermeisteramt, um neue Destinationen zu fördern”, so die Kreisratsvorsitzende.

Laut Flughafendirektor Marius Gîrdea soll Lufthansa bereits vor der Krise die Absicht gehegt haben, innerhalb von zwei Jahren Flottenkürzungen vorzunehmen. Im aktuellen Kontext, insbesondere aufgrund des Anstiegs der Treibstoffpreise sowie durch den Druck der Gewerkschaften, hat Lufthansa ihre Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung stillgelegt. „Das Positive in dieser Situation ist, dass wir es durch die Gespräche mit Austrian Airlines geschafft haben, die Kapazität und die Frequenz der Wien-Flüge zu erhöhen”, sagte Gîrdea.

Ob die beliebte Flugstrecke Hermannstadt-München irgendwann wieder in Betrieb genommen wird, fragten die Teilnehmer. „Wir haben keinen Zeithorizont dafür, wann diese Strecke wieder aufgenommen wird”, so der Direktor. „Ich bin überzeugt, dass wir, sobald sich die Dinge klären – sowohl im Hinblick auf diese Ölkrise als auch auf die Entwicklungspläne für die neue Art des Netzwerkaufbaus bei Lufthansa – wieder in deren Fokus stehen werden, aber das wird nicht über Nacht geschehen.“

Die kürzlich eingestellten Strecken und jene, die in der kommenden Zeit noch von dem Betreiber Wizz Air eingestellt werden sollen, hatten denselben Leistungsrückstand, in dem Sinne, dass die Auslastungsgrade bei 75–77 Prozent lagen. Dies ist ein Defizit von etwa 15–18 Prozent, im Vergleich zu dem, was ein solcher Betreiber üblicherweise fliegt.

Im Moment scheint es so, dass die Fluggesellschaften zunehmend damit beginnen, Unterstützung von den Flughäfen zu verlangen. „Wir versuchen und haben die kommerziellen Politiken angepasst, mit denen wir Fluggesellschaften anziehen wollen”, sagte Gîrdea.

Auch Austrian Airlines operiert derzeit mit einer Kapazitätserweiterung auf der Grundlage einer kommerziellen Politik, bei der jegliche zusätzliche Kapazität in Bezug auf den Passagiertarif einen Rabatt von 75 Prozent erhält, sodass sie dazu angeregt werden, von Jahr zu Jahr immer mehr Kapazität bereitzustellen. Tatsächlich war dies auch der Effekt, den man in der Vergangenheit bei Lufthansa gesehen hatte, als sie von zwei auf drei Flüge pro Tag umgestiegen sind.

Man erschließt gegenwärtig auch die Möglichkeit für Point-to-Point-Verbindungen zu bestimmten Destinationen, zu denen Lufthansa zuvor über Umsteigeverbindungen geflogen ist. „Ich sehe hier auch eine Chance, weil die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet ist”, erklärte Alexandra David, kaufmännische Leiterin des Flughafens. Kontakt aufgenommen wurde beispielsweise mit der polnischen LOT und mit der rumänischen Animawings.

Tourismusbetreiber Radu Lazăr war da etwas weniger optimistisch bezüglich einer schnellen Rückkehr von Lufthansa in irgendeiner Form und auch gegenüber der Situation der Flugverbindungen: „Ich kann keine Kombination von Low-Cost verkaufen. Es bestehen 50 Prozent Chancen, dass die Leute auf einem Flughafen stecken bleiben”.

Angesprochen wurde auch das Beispiel Großwardein, wo der Kreisrat zusammen mit dem Bürgermeisteramt einen „Public Service Obligation”-Mechanismus einsetzen, wodurch die Betriebskosten der Gesellschaften gedeckt werden.

Fazit des Treffens war, dass man dem Hermannstädter Flughafen unter die Arme greifen wolle. „Wir haben uns entschlossen, den Flughafen zu unterstützen und zu subventionieren”, schlussfolgerte Daniela Cîmpean, denn erst ab einer Million Passagiere pro Jahr kann sich der Flughafen selber tragen.

Was Frachtflüge betrifft, versucht man weiterhin Immobilienentwickler zu finden, die bereit sind, hier in einen Hangar zu investieren. Weiterhin operieren die drei großen Akteure aus dem Frachtbereich vorläufig von den Flughäfen Otopeni Bukarest, Klausenburg und Temeswar. Luftfrachtakteure aus dem Nahen Osten versuchte man auch schon anzusprechen, allerdings gab es bislang keine konkreten Rückmeldungen.

Werner FINK

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus, Wirtschaft.