„Neue Akzente setzen”

Die Corona-Pandemie hat auch die Schauwerkstatt der Gesellen beeinflusst

Ausgabe Nr. 2685

Dr. Andreas Apelt auf der Pempflingerstiege. Foto: Ruxandra STĂNESCU

Seit 2007 war der Monat August in Hermannstadt den Wandergesellen gewidmet. Schauwerkstätten, Konzerte und Diskussionen beim Wandergesellenhaus gehörten zum Projekt dazu, das dieses Jahr durch die Reisebeschränkungen anders ausgefallen ist als sonst. Über das Wandergesellenprojekt in der Corona-Zeit sprach Dr. Andreas Apelt, Bevollmächtigter des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft e. V. aus Berlin, mit der HZ-Redakteurin  Ruxandra S t ă n e s c u.

 

Seit wann organisiert die Deutsche Gesellschaft das Gesellentreffen?

Die Deutsche Gesellschaft ist ein Verein mit dem Sitz in Berlin, der sich um politische und kulturelle Projekte in Deutschland, aber auch in Europa kümmert. Eines der Projekte ist in Hermannstadt, das alljährliche Wandergesellentreffen, das seit dem Jahr 2007, als Hermannstadt Europäische Kulturhauptstadt war, organisiert wird. Wir kamen damals auf die Idee, mal etwas für die Gesellen und für  ihr Handwerk zu machen. Die Grundidee, die dahinter stand, war, etwas für die Wiedergutmachung von weggegangen siebenbürgisch-sächsischen  Handwerker zu tun, indem man Handwerker nach Hermannstadt holte, die sozusagen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten mit bringen konnten und fähig waren, das eine oder das andere kulturhistorisch wichtige Gebäude zu restaurieren oder instandzuhalten.

Dieses Jahr ist die Schauwerkstatt ein bisschen anders ausgefallen.

Ja, alle Kulturschaffenden, nicht nur die Rumänien, sondern in ganz Europa und in der ganzen Welt leiden unter Corona. Wir mussten umstrukturieren, die Schauwerkstatt auf dem Hauptplatz als solche konnte nicht mehr stattfinden. Wir haben aber eine kleine Schauwerkstatt im Freilichtmuseum aufgebaut. Wir haben auch versucht, etwas an der Gesellenherberge zu machen und werden die eine oder andere Veranstaltung durchführen. Wir werden versuchen, in Rothberg ein Projekt mit Romakindern zu bewerkstelligen. Wir haben auch ein Projekt für die Restaurierung eines Tores an der Synagoge, die Gesellen arbeiten gerade jetzt daran. Das ist ein schönes Projekt, das beweist, dass es sich lohnt, auch einzelne Projekte zu machen. Also verschiedene kleine Projekte sollen die Idee aufrecht erhalten, dass man im Sommer nach Hermannstadt trotz Corona kommen kann und etwas Vernünftiges leisten kann.

Das Eingangstor der Umzäunung der Synagoge in der Salzgasse wird derzeit von einigen Wandergesellen restauriert.          Foto: Beatrice UNGAR

Gibt es auch Schauwerkstätte online?

Eine Schauwerkstatt online zu machen, ist natürlich ein bisschen schwierig, das ist etwas zum Anfassen und von diesem Hintergrund gibt es online eher nichts. Man kann natürlich online einige Informationen bei den Gesellen finden und auch in der Herberge.

Planen Sie für das nächste Jahr wie bis im Vorjahr weiter zu machen oder möchten Sie das Projekt neu überdenken?

Wir müssen das in der Tat etwas neu überlegen und sehen, wie es weitergehen kann. Natürlich macht alles nur Sinn, wenn man wieder Mobilität in Europa hat, dass die Gesellen auch aus den verschiedenen Ländern Europas nach Hermannstadt den Weg finden. Ich würde sehr gerne weitermachen, da bin ich vom Projekt zu sehr überzeugt, dass man es fallen lassen würde, aber wir müssen mal sehen, ob wir neue Akzente setzen können. Eines dieser Akzente wäre gerade dieses Projekt in Rotberg.

Wissen Sie vielleicht, wie viele Gesellen Sie bisher etwa betreut haben?

Na, da müsste ich rechnen, aber ich denke, in 14 Jahren sind 30-40 Gesellen pro Jahr nach Hermannstadt gekommen. Das sind mehrere Hundert Gesellen aus ganz Europa, vor allem aus Deutschland, Frankreich und natürlich aus der Schweiz und aus Österreich. Was ich auch interessant finde, ist, dass inzwischen fast zehn Gesellen da geblieben sind. Sie haben sich hier so wohl gefühlt, dass sie in Siebenbürgen sesshaft geworden sind.

Haben Sie noch Kontakt zu ihnen?

Ja, es gibt guten und regen Kontakt. Die meisten Gesellen, die hier geblieben sind, sind nach wie vor mit dem Projekt sehr eng verbunden und lassen sich jedes Jahr auch bei der Eröffnungsveranstaltung sehen. In diesem Jahr natürlich nicht, wir mussten leider auch auf Gesellen, die sich niedergelassen haben dieses Jahr verzichten. Aber wir holen das alles im nächsten Jahr nach.

Was ist neu beim Gesellenhaus?

Beim Gesellenhaus geht es vor allen Dingen darum, dass es auch intakt bleibt, obwohl es nur für wenige Wochen genutzt wird. Da sind doch einige Reparaturen vorzunehmen.

Wer organisiert und unterstützt das Gesellenprojekt?

Grundsätzlich wird es vom Gesellenverein/Casa Calfelor hier in Hermannstadt organisiert – dank Anda Ghazawi klappt auch jedes Jahr alles -, auch durch die Deutsche Gesellschaft in Berlin, mit Unterstützung der Stadt Hermannstadt, die sich seit vielen Jahren für das Projekt sehr engagiert hat und auch mit finanziellen Mitteln unterstützt hat. Die Hermannstädter evangelische Kirchengemeinde ist uns seit vielen Jahren ein guter Partner und seit kürzerem ist auch die jüdische Gemeinde von Hermannstadt dabei.

Es ist wichtig, dass wir auch die Förderung des Auswärtigen Amtes in Deutschland und des Deutschen Konsulats hier in Hermannstadt haben. Ohne diese Unterstützung wäre dieses Projekt weder möglich noch denkbar.

Herzlichen Dank.


 

Die Deutsche Gesellschaft e. V.

Die Deutsche Gesellschaft e. V. ist ein eingetragener Verein zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa.

Die Deutsche Gesellschaft e. V. wurde mit dem Ziel gegründet, die Teilung Deutschlands zu überwinden, das Miteinander in Deutschland und Europa zu fördern sowie Vorurteile abzubauen.

Näheres unter https://www.deutsche-gesellschaft-ev.de.

 

 

 

 

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