Eine Tragödie des Scheiterns

Viel Lärm um nichts in der neuesten Theaterpremiere mit ,,American Buffalo“

Ausgabe Nr. 2659

Neueste Theaterpremiere: Ein vielversprechendes Bühnenbild hatte Eugen Gyemant für seine Inszenierung des Stückes „American Buffalo“ von David Mamet entworfen, die am Wochenende Premiere hatte. Unser Bild: Szenenfoto mit einem roten Aro 10 Geländewagen und zwei der drei Schauspieler – Ciprian Scurtea (rechts stehend)und Florin Coșuleț.              Foto: Dragoș DUMITRU

Viel Lärm um nichts als eine Münze. Das kann man in einem Satz über die neueste Premiere der rumänischen Abteilung des Radu Stanca-Nationaltheaters sagen. Dabei wurde das Publikum mit einem vielversprechenden Bühnenbild erwartet: ein alter Fram-Kühlschrank, ein altes Radio, ein Motorrad, das von der Decke baumelte, vollbeladene Regale, alte Stühle und das Highlight, ein roter Aro 10 Geländewagen in der Mitte der Bühne. „American Buffalo“ von David Mamet wurde in der Regie von Eugen Gyemant mit den drei Schauspielern Ciprian Scurtea, Cătălin Pătru und Florin Coșuleț am Samstag und Sonntag (1. und 2. Februar) aufgeführt. 

 

Der American Buffalo ist ein Nickel aus der Zeit der Großen Depression. Die beiden Seiten des Geldstücks zieren Indianer und Büffel. Mamets Story spielt sich in einem Trödelladen ab. Ein Kunde hat die Buffalo-Münze billig bei Donnie (Ciprian Scurtea) erworben. Zu spät begreift der Trödler, dass er einen Schatz unter seinem Wert verkauft hat. Das bringt Donnie auf den Gedanken, den unbekannten Käufer von seiner rechten, eher linken, Hand Bobby (Florin Coșuleț) beschatten zu lassen, um dem vermeintlich Reichen bei einem Einbruch die dort vermutete Münzsammlung zu stehlen. Sein alter Poker-Kumpel Walt (Cătălin Pătru), der nur „Prof“ genannt wird, kriegt Wind von dem Coup, bootet den jungen Bob aus und bringt einen neuen dritten Mann ins Spiel. Doch dieser Fletch lässt am Abend auf sich warten. Und als Bobby auftaucht und gesteht, den Mann längst aus den Augen verloren zu haben, ist der Plan endgültig gescheitert; der amerikanische Traum erweist sich als Illusion.

„American Buffalo“ von David Mamet gehört zu den amerikanischen Klassikern der modernen Tragödien des Scheiterns. Das Scheitern und der Frust, der daraus entsteht, verwandelt sich in Wut, Streit und Zerstörung. Die Stühle werden heftig und oft getreten, das Auto gestoßen, die Kühlschranktür voller Hass zugeknallt. Schimpfwörter sind keine Rarität im Dialog, und zum Schluss fliegen nicht nur Stühle, sondern – wie erwartet bei einem Konflikt unter Männern – die Fäuste und Whisky-Flaschen.

Ein witziges Detail, das in der Premiere am Sonntag zu sehen war, ist eine schwarz-weiße Kopie einer Ausgabe der Hermannstädter Zeitung, die Donnie am Kühlschrank gelehnt liest und die zum Schluss des Stückes zusammengeknüllt auf dem Boden landet. Zum ersten Mal wird unsere Zeitung als Bühnenrequisit in einem rumänischsprachigen Theaterstück verwendet.

Donnie (Ciprian Scurtea) mit der HZ-Kopie.    Foto: die Verfasserin

„American Buffalo“ wurde 1996 in der Regie von Michael Corrente verfilmt und hatte in der Besetzung Dustin Hoffman, Dennis Franz und Sean Nelson. Mamet selbst adaptierte sein Stück fürs Kino. In den USA nahm die Kritik den Film überwiegend positiv auf. Gelobt wurden vor allem die schauspielerischen Leistungen, der sozialkritische Unterton und die gelungene Umsetzung. In Hermannstädter Theatersaal hielt sich der Lob in Grenzen. Die Zuschauer verstanden Teile der Handlung nicht recht, was aber nicht an den Schauspielern lag, sondern eher an der Umsetzung. Die vielen unnötigen und sehr lauten Dialoge ließen den Kern der Handlung als nebensächlich erscheinen. Die nächste Vorstellung von „American Buffalo“ findet am 4. März statt.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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