Bescheidenheit gegenüber der Natur

Ausstellung in der Galerie Paul Amarica in Paris

Ausgabe Nr. 2653

35 Jahre nach ihrer ersten Ausstellung ,,Peisaj 84 Tescani in Bukarest 1984 stellen vier rumänische Künstler, (die später zur Gruppe Prolog gehörten, deren erste Ausstellung 1985 stattfand), erneut zusammen aus, diesmal in der Pariser Galerie von Paul Amarica nicht weit von den Champs Elysées. Sie malten damals, was sie sahen, die Natur, eine Enormität zu einer Zeit wo alle nur auf Avantgarde schwörten.

 

Christian Paraschiv, der 1986 nach Frankreich emigrieren musste und außer der Malerei dort an Installationen und Multimediaprojekten arbeitete, aber schon 1972 mit seiner immer wieder aufgenommenen Serie ,,Murături“ begann und die Pariser Ausstellung kuratierte, erinnert sich: ,,Zunächst wurden wir schief angesehen wie Marsmänner. Die Kollegen verstanden nicht, was wir eigentlich wollten, weil nur Avantgarde (in einer Art von Synchronisierung  mit dem Westen) wirklich zählte. Auch bei uns gab es Künstler, Grigorescu z. B., die zeitweise in Richtung Avantgarde, Wiener Aktionalismus, arbeiteten, ich habe auch in die Richtung mit Photos gearbeitet, aber die Avantgarde als solche interessierte mich einfach nicht. Damals gingen wir von einer figurativen Sicht auf die Natur aus, und nicht von irgendwelchen ideologischen Prinzipien. Wir malten Landschaften um das Landhaus des Komponisten Genesco in Tescani.  Diese fast religiöse Haltung gegenüber der Natur entsprach nicht dem kommunistischen System, das alles negierte, was mit der Religion zu tun hatte. Wenn man eine Landschaft mit Kirche malte, durfte das Kreuz nicht mit auf das Bild… Zensur”.

Man sieht in der Ausstellung Bilder von Christian Paraschiv, Horea Paștina, Ștefan Râmniceanu und Mihai Sârbulescu, vier Mitbegründer der ersten Gruppe, Vlad Micodin war der fünfte. Zur Gruppe Prolog gehörten dann noch Paul Gherasim, Constantin Flondor und später kamen noch Horia Bernea und Ionică Grigorescu dazu.

Neben Landschaftsbildern aus der Zeit sieht man außerdem auch spätere Werke, die die Evolution erkennen lassen. Ștefan Râmniceanu mit ,,Kerze“ (1984) oder ,,Kirche bei Sonnenuntergang“ (1985) und ,,Kleidung“ (1995) scheint neben Paraschiv einer der Aktivsten und Erfolgreichsten zu sein. Horea Paștina blieb ebenso in seinen heutigen Bildern den Anfängen – u. a. ,,Cricov-Tal“ (1986) – treu: ,,Apfelbäume in Bethonvilliers“ (2007) oder ,,Stuhl“ (Kirche Vatopedi) (2009) und heute ,,Athos“ (2019). Nicht zuletzt Mihai Sârbulescu mit seiner ,,Krone“ (2001), ein Kreuz mit Jesus umgeben von einem Blumenkranz und auch ,,Hof in Hermannstadt II“ (2010).

,,Ohne uns von dem Prinzip der Ausstellung aus jener Zeit zu entfernen”, sagt uns Christian Paraschiv, “d. h. Bescheidenheit gegenüber der Natur zu üben, hat jeder der vier Künstler etwas dazugelernt, Karriere gemacht. Die künstlerischen Ähnlichkeiten sind ziemlich interessant, zeigen, was das Leben uns gelehrt hat, zwei in der Emigration, zwei, die in Rumänien geblieben sind. Mit der Zeit findet man bei den vier Künstlern nicht nur Bezüge zur Natur, sondern auch zur Schrift (das Wort hat etwas mit Religion zu tun) und zur orthodoxen Symbolik. Bei allen vieren findet man byzantinische Kreuze, die Dreifaltigkeit in meiner Arbeit, und ich habe Landschaftsbilder aus der Zeit wieder aufgenommen und hier auf dem Land in Frankreich neu gemalt. Man findet auch eine gewisse Post-Romantik bei Ștefan Râmniceanu, der das sehr interessant und persönlich vertritt mit seiner Art zu nuancieren. Und bei Horea Paștina der sehr sparsame Einsatz der Farben, dieses Weiß, das überall wie ein Schnee promeniert, sich einnistet: eine Art Sauberkeit, die der Religion eigen ist. Und man kann bei Mihai Sârbulescu sprechen von seinem ‚Dichter mit seiner Glocke‘ (2008) und seinem ,,Topf aus Ton‘ (2007)”.

Die Ausstellung in der Galerie Paul Amarica (21 rue Washington  75008 Paris) ist bis zum 28. Januar 2020 zu besichtigen.

Claus REHNIG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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