Trotz Konkurrenz gut besucht

13. Auflage des TIFF fand am Wochenende in Hermannstadt statt

Ausgabe Nr. 2631

Der Eröffnungsfilm „Parking“ wurde im gut ausgestatteten und klimatisierten Kinosaal im „Ion Besoiu“-Kulturzentrum gezeigt.    
Foto: Dragoș DUMITRU

37  Spielfilme aufgeteilt auf vier Tage. So könnte man die 13. Auflage des Transilvania International Film Festival Hermannstadt zusammenfassen, die vom 27.-30. Juni stattgefunden hat. Das größte Filmfestival des Landes wurde in Klausenburg zum 18. Mal Anfang Juni organisiert. Eine Auswahl der dort gezeigten Filme standen auch in Hermannstadt im Programm, und viele Filme wurden nach den jeweiligen Projektionen zusammen mit Regisseuren und Schauspielern in Q & A Sessions besprochen.

 

Begonnen hat das Hermannstädter TIFF am Donnerstagabend, dem 27. Juni, mit dem jüngsten Film von Festivaldirektor Tudor Giurgiu, „Parking“. Der Film wurde drei Mal im Rahmen des Festivals gezeigt, unter anderem auch in der Sommerresidenz des Barons Samuel von Brukenthal in Freck. Tudor Giurgiu war jedesmal dabei und beantwortete die Fragen des Publikums. Zum ersten Mal wurde der Film im gut ausgestatteten und klimatisierten großen Saal des „Ion Besoiu“-Kulturzentrums, dem ehemaligen Gewerkschaftskulturhaus, gezeigt. Der Spielfilm handelt von einem jungen rumänischen Emigranten, der in Cordoba, Spanien, Anfang der 2000-er Jahre Fuß fassen will. Er ist Dichter und arbeitet als Nachtwächter eines Autohändler-Parkplatzes. Es ist nicht die typische Emigrantenstory, sondern eine Liebesgeschichte zwischen den unglücklich verheirateten Adrian (Mihai Smarandache) und Maria (Belén Cuesta); Adrian, der nach Spanien zog, um Roberto Bolanos Bücher im Original lesen zu können. Einige Stereotype lassen dabei den Zuschauer schmunzeln, wie zum Beispiel der blau-weiß karierte Bast-Koffer (plasa de rafie), der mit Krautwickel und Striezel gefüllt von der Ehefrau aus Rumänien als Geschenk mitgebracht wird oder die Diebe aus „Teleorman“, die in einer nächtlichen Aktion Kisten voller Musik-CD´s in der Nachbarschaft von Adrians Parkplatz klauen. Der Spielfilm hatte das Buch „Apropierea“ von Marin Mălaicu-Hondrari als Vorlage und letzterer war ebenfalls bei den Vorstellungen in Hermannstadt dabei.

Da Hermannstadt dieses Jahr Europäische Gastronomieregion ist, gab es auch beim TIFF mehrere Filme zum Thema Kulinarik. „Extravirgin“ (2018, Regie: José Luis López-Linares) erklärte die Entstehung des Olivenöls von der Olive zur Presse und dann zur Flasche. In der Dokumentation „Wasted! The Story of Food Waste“ (2018, Regie: Anna Chai) erklären ehemalige Chefköche – darunter Dan Barber, Mario Batali, Danny Bowien und Massimo Bottura –, wie man auf kreative Weise aus verschiedensten Lebensmitteln das Maximum herausholen und selbst aus vermeintlichen Essensabfällen tolle Gerichte zaubern kann. So wird das natürliche Ökosystem stabilisiert und dem Klimawandel entgegen gewirkt, was auch dringend nötig ist – schließlich landen pro Jahr weltweit 1,3 Milliarden Tonnen an Essen im Müll, was ein Drittel von dem ausmacht, was angebaut wird.

Die neuesten rumänischen Filme kamen auch heuer nicht zu kurz. Highlights waren die Spielfilme „Moromeții 2“ (2018, Regie: Stere Gulea) mit Horațiu Mălăele als Ilie Moromete, „Arest“ (2019, Regie: Andrei Cohn) über die grausamen Bedingungen in den Gefängnissen der Securitate, „Îmi este indiferent dacă în istorie vom intra ca barbari“ (2017, Regie: Radu Jude) oder „Pup-o, mă!“ (2018, Regie: Camelia Popa).

Eine deutsche Komödie mit Starbesetzung gab es auch im Programm des diesjährigen Transilvania Film Festivals Hermannstadt: In dem Roadmovie „25 km/h“ spielen Lars Eidinger und Bjarne Mädel ein Brüderpaar mittleren Alters, das sich den Jugendtraum einer Reise auf Mofas quer durch Deutschland erfüllt. Während Georg als Tischler im Schwarzwälder Heimatort Löchingen blieb und den krebskranken Vater bis zuletzt pflegte, ist Christian ein erfolgreicher und weitgereister Geschäftsmann. Die beiden sind sich zunächst fremd, vor allem Georg lehnt seinen so lange abwesenden Bruder ab. Doch bei Tischtennis und Alkohol finden beide wieder zueinander und beschließen spontan, mit ihren Mofas die Deutschlandreise nachzuholen, die sie als Fünfzehnjährige vorhatten. Der Plan sieht eine Reihe von Aufgaben vor: sich beim Griechen einmal durch die Speisekarte essen, eine Arschbombe vom Zehner machen, Sex haben, einen 20-m-Wheelie hangabwärts machen, eine schlafende Kuh umwerfen, am Timmendorfer Strand ins Meer pinkeln. Die in Bukarest geborene Schauspielerin Alexandra Maria Lara und Franka Potente waren ebenfalls in dem Film zu sehen.

Das Transilvania Film Festival Hermannstadt endete am Sonntagabend mit der nationalen Premiere des Dokumentarfilms „Diego Maradona“, der auf dem Großen Ring ausgestrahlt wurde. Trotz Konkurrenzveranstaltungen, die parallel stattfanden, es handelt sich um zwei weitere Filmfestivals, „Caravana Metropolis“ und „Festivalul filmului european“, war das TIFF auch heuer sehr gut besucht.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

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