Ein Lichtstreif am Horizont?

Auftakt der Hinrunde in der ersten Fußballliga für den FC Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2633

Costel Enache, der neue Trainer des FC Hermannstadt.
Foto: Privat

Der FC Hermannstadt spielte seine erste Partie der gegenwärtigen Saison am Sonntag auswärts gegen das Team FCSB aus der Hauptstadt. Neu ist jedoch nicht nur die Saison, sondern auch der Trainer der Mannschaft: Costel Enache. Bereits im Vorfeld gab Enache, der das Kader ein wenig umgestellt hat, zu verstehen, die Welt solle keine Wunder erwarten. Am Ende ließ die Mannschaft jedoch einige interessante Eindrücke auf dem Rasen zurück.

 

Es ist 21 Uhr, als für die Mannschaften des FC Hermannstadt und den FCSB der Startpfiff ertönt. Schnell zeigen die Kontrahenten viel Ehrgeiz und bemühen sich um die Oberhand. Tempo und Einsatz sind so hoch, dass es in der 7. Minute zu einem Zusammenstoß des Bukarester Frontmannes Hora und dem Hermannstädter Libero Luchin kommt. Eine kurze Behandlung später können die beiden am Kopf getroffenen jedoch weiterspielen. Hora macht trotz der Schutzhaube, die er danach trägt, eine gute Figur.

Trotz oder gerade wegen ihrer „Underdog“ Position, wollen die Hermannstädter gleich zu Anfang ein Zeichen setzen; ausgerechnet Linksverteidiger Popovici versucht in der 10. den ersten Treffer zu landen, doch Bukarests Schlussmann weiß, diesen zu vereiteln. Auch Cordea zeigt Einsatz, doch wieder vergebens. Die zunehmenden Angriffe blieben ohne Erfolg, stattdessen nutzte der Bukarester Florinel Coman seine Chance zum Konter in der 23. und erzielt nach einem sauberen Pass von Mihai Roman das 1:0 für die Heimmannschaft. Wenige Minuten später will Roman selbst es noch einmal wissen, doch noch weiß die Verteidigung sich zu helfen. Und in der 29. ist es schon wieder Roman, der es mit einem Kopfball probiert. All seine Bemühungen sollten ihm jedoch bis zum Schluss nicht den angestrebten Anschlusstreffer bescheren – stattdessen nutzt kurz darauf Hora mit der Haube auf dem Kopf den Moment und schnipst das Leder frech unter dem Hermannstädter Keeper hindurch. 2:0! In der 36. Spielminute dann ein Freistoß nach zu hartem Körpereinsatz durch Matel, für den er auch Gelb kassiert, der gerade noch so vereitelt werden kann. Nach dieser doch recht eindeutigen, den Gastgebern zuträglichen Entwicklung des Spieles, hätte man schon meinen können, dass sich ein Debakel abzeichnet; doch dann, oh Wunder, passiert es. Die Hermannstädter reißen sich zusammen, und nach einer Flanke von rechts ist es Juvhel Tsoumou, der Kongolese mit den blondierten Haaren, der den Ball annimmt und endlich, wenn auch erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, das 2:1 erreicht. Wird es vielleicht doch noch einen Lichtstreif am Horizont geben?

Nach der Halbzeit geht es jedenfalls gleich wieder zur Sache; die Gäste wittern eine Chance auf Ausgleich und die Bukarester setzen alles daran, dies zu verhindern. Das Mittelfeld wird derart umkämpft, dass Stürmer Sîntean verletzt ausgewechselt werden muss. Kurz darauf stellt Bukarest die Dinge klar: In der 53. zieht Dennis Man ab und knallt das Runde ins Eckige, kaum dass er gegen Roman getauscht wurde. Ein Joker-Tor par excellence, 3:1!

Die Hermannstädter wollen aber auch das nicht so stehen lassen, und nach einer Ecke in der 57. köpft Alexandru Dandea das 3:2 ohne Skrupel nach einem missglückten Abwehrversuch hinein. So sieht Chancenverwertung aus! Hermannstadt nun im Aufwind, erneut liegt der Ausgleich in der Luft. In der 61. folgt ein schöner Angriff der Gäste, und nach einem Zuspiel von hinten ist es wieder Tsoumou, der abzieht! Tor… nein, Abseits, der Treffer zählt nicht. Auch die Gastgeber starten noch einige gefährliche Aktionen, etwa eine Granate von Cristea aus nächster Nähe, doch Schlussmann Pereira kann mit vielen Hechtsprüngen und vorbildlichen Reflexen aufwarten und das Schlimmste verhindern. Dann aber, in der 80. reicht es nicht mehr: Der Mann der Mitte, Dragoș Nedelcu, zieht das Leder schräg seitlich ins Tor. Da gibt es auch für Pereira kein Halten mehr, 4:2. Die Hermannstädter Elf gibt zwar nicht auf, jedoch nützen angesichts der sich breitmachenden Erschöpfung auch alle guten Ideen und cleveren Spielzüge nichts mehr, die es im Ansatz durchaus gibt. Vor allem Juvhel Tsoumou büßte bis hier hin schwer an Elan ein und kommt kaum noch zum Zuge. In der 90. steht dann noch der Unparteiische Horațiu Fesnic im Weg, blockt den Ball ab, und obwohl der Schiedsrichter bekanntlich Luft ist, nimmt er den Gästen endgültig den Wind aus den Segeln.

Könnte man zumindest denken. Denn in der Nachspielzeit wagt der kurz zuvor gegen Tsoumou eingewechselte Gabriel Debeljuh den Vorstoß, wird von Libero Planic im Strafraum gefoult – Elfmeter! Den Schuss übernimmt Kapitän Dalbea, der Ball wird jedoch abgeblockt, und ausgerechnet der zuvor zu Fall gebrachte Dabeljuh knipst das 4:3 kurz vor Schluss rein.

Zu guter Letzt nahm also der FCSB die drei Punkte mit, aber doch anders, als Viele es vielleicht erwartet hätten. Immer wieder wurde es knapp, es gelang den Favoriten aus Bukarest nicht so recht, die Siebenbürger deutlicher abzuschütteln. Es wurde beiderseits ambitionierter Fußball gespielt, man wollte zeigen, was man auf Lager hat, und der FC Hermannstadt bewies, dass man mit ihm rechnen muss. Mit diesem Saison-Debüt kann sich der neue Trainer Enache eigentlich zufrieden zeigen, wenn man bedenkt, dass die Gegner seines Teams in der letzten Saison Zweitplatzierte direkt nach dem CFR Cluj waren, während der FC sich eher in der hinteren Hälfte bewegt hatte. Das Heimspiel heute, 18 Uhr, in Neumarkt am Mieresch gegen Gaz Metan dürfte um einiges leichter werden und neue Chancen bieten.

Jan-Christian BREWER

 

 

 

 

 

 

 

 

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