„Unser gemeinsames Zuhause“

Ausgabe Nr. 2601

1. Reihe: Julian Gröger, ifa-Kulturmanagerin Aurelia Brecht, Monika Kovats, Aussiedlerbeauftragter Dr. Bernd Fabritius, Fabian Talkenberg (BMI); 2. Reihe: ifa-Regionalkoordonatorin Cornelia Hemmann; 3. Reihe: DFDR-Geschäftsführer Benjamin Józsa und Konsul Hans Erich Tischler (v. l. n. r.)
Foto: Dragoș DUMITRU

Der eisige Wind wehte durch unsere Haare. Einige von uns stülpten sich Mützen oder Stirnbänder über, um sich für die Fahrt von den Stadtmauern Hermannstadts zur Öko-Kirchenburg im Stadtteil Hammersdorf zu wappnen. Voller Geschwindigkeit schossen wir das Gefälle hinunter und unter der Lügenbrücke, dem Tor des Kleinen Rings, hervor. Ein paar Minuten später standen wir auch schon mit unseren Fahrrädern vor einem anderen Ring, jener Mauer, welche die evangelische Kirche in Hammersdorf umgibt.

 

Wir teilen Rumänien als unser gemeinsames Zuhause: Wir, das sind 30 Jugendliche aus ganz Rumänien, die sich bei dem Projekt „Interkultural“ engagierten. Wir kommen nicht nur aus unterschiedlichen Städten, sondern bringen auch andere ethnische und kulturelle Hintergründe mit. Wir gehören verschiedenen Minderheiten und Mehrheiten an, teilen Rumänien aber alle (momentan) als unser gemeinsames Zuhause. Im Rahmen diverser Kennenlern-/Identitätsspiele und Freizeitbeschäftigungen, ob auf der Mülltrennungsanlage, beim oben beschriebenen Fahrradfahren, bei den gemeinsamen Mahlzeiten oder bei einem abendlichen Bierchen, traten wir miteinander in den Dialog und lösten (unbewusst) so gut es ging die Fremdheit, welche teilweise aufgrund unserer unterschiedlichen Hintergründe existierte.

Worum es bei unserem Projekt aber eigentlich ging, und was uns in diesem Sinne sicher nicht unterschied, sondern, was wir teilten, was uns miteinander verband, war die Umwelt, bzw. die an uns gerichtete Botschaft: Wir alle teilen und profitieren von der Umwelt, und jeder Einzelne von uns ist mit verantwortlich für die Gestaltung unserer Lebenswelt. Wenn wir auch in 20 Jahren noch von Mutter Erde profitieren wollen, müssen wir etwas verändern. Dann müssen wir uns engagieren, denn: „It’s too late to be a pessimist!“ (Es ist zu spät ein Pessimist zu sein!), wie der Film „Home“ verdeutlicht.

Gruppenbild in der Mülltrennungsanlage.     
Foto: Dragoș DUMITRU

Der Film bot den Einstieg in die einwöchige Seminarwoche, in der wir uns zunächst mit ökologischen Problemen, Herausforderungen und Lösungsansätzen auf globaler, dann auf regionaler und schließlich auf individueller Ebene beschäftigen würden. Auf globaler Ebene sammelten wir Informationen zu Themen wie Resilienz, Nachhaltigkeit, Effizienz, Pharmakultur und Klimawandel. Auch erprobten wir Simulationsspiele, wie „Keep Cool“, um einen Eindruck zu bekommen, wie schwierig es ist teils widersprüchliche globale Interessen im Hinblick auf eine gemeinsame Umweltpolitik zu vereinen. Regional ging es dann mit Besuchen einer Mülltrennungsanlage, einer ökologischen Farm, und verschiedenen Vorstellungen einzelner engagierter Persönlichkeiten weiter. Wir tauchten ein in die inspirierende Welt von HundeschützerInnen, BäumepflanzerInnen, UmweltpädagogenInnen, PfarrerInnen und ÖkogartenbetreiberInnen…!

Und das führte uns schließlich zu der letzten Etappe: dem Ich. Was werde ich ab Montag tun, um einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu haben? Was werde ich ab Montag tun, um meinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren? Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Es ging um die Reduzierung des Müllkonsums, um den Kauf von second-hand Klamotten, um eine Verringerung des Wasser- und Energiekonsums, um weniger Autofahren, stattdessen mehr Fahrradfahren!

Und so öffneten wir die Tore der Öko-Kirchenburg und schwangen uns auf die Sattel, ließen den eisigen Wind wieder durch unsere Haare streifen, und trudelten zurück in die Hermannstädter Altstadt. Wie erholsam und vor allem gesund Fahrradfahren doch ist, besonders wenn der Weg zu einer solch schönen, alten Kirchenburg führt!

„InterKultural“ fand vom 21.-27. Oktober 2018 in Hammersdorf statt und ist ein Projekt des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), gefördert von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Es wurde durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Hermannstadt. Die Jugendlichen wurden dabei angeleitet von der Initiatorin und Projektleiterin Monica Kovats, den Umweltaktivisten Julian Gröger und Alexandru Lozinskii (EcoVisio Moldova) sowie dem Medienpädagogen Matei Budeș (Asociatia Vira).

Pauline STREMPEL

 

 

 

 

 

 

 

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