„Nachhaltige Entwicklung und Smart-Region“

20 Jahre Deutscher Wirtschaftsklub Siebenbürgen gefeiert

Ausgabe Nr. 2593

Die diesjährige „Weinkönigin“ heißt Corina Teacă (Bildmitte) und ist Schülerin der 12. Klasse an der Brukenthalschule in Hermannstadt. Zur Wahl gratulierten DWS-Vorsitzender Harald Friedrich und DWS-Vorstandsmitglied Ludger Wolf.                                          
Foto: Werner FINK

Vergangenen Samstag wurde im Rahmen des Weinfestes des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) zugleich auch 20 Jahre erfolgreiches Bestehen gefeiert. Als Veranstaltungsort wurde dieses Mal die ehemalige Brukenthalsche Sommerresidenz in Freck/Avrig gewählt, die sich als ein angemessenerer Rahmen herausstellte.

 

Der DWS  ist vor 20 Jahren von den Gründungsmitgliedern um den damaligen Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland gegründet worden. Nach der offiziellen Eröffnung durch die Ansprachen der zahlreichen Ehrengäste, darunter auch des Botschafters Rumäniens in Deutschland Emil Hurezeanu, folgte ein Businessforum von Stein&Partner zum Thema nachhaltige Entwicklung der Region Hermannstadt. Ein Höhepunkt des Festes war auch dieses Jahr der Auftritt der Tanzgruppe der Brukenthalschule und die Wahl der Weinkönigin.

„Samuel von Brukenthal ist aus wirtschaftlicher und politischer Sicht sicherlich einer der bekanntesten faszinierendsten Persönlichkeiten Siebenbürgens“, erinnerte Harald Friedrich, Vorsitzender des DWS. In seiner Rolle als Gouverneur habe er bereits damals im 18. Jahrhundert durchaus sehr moderne und innovative Maßnahmen ergriffen, um die Region aufzuwerten und zu stärken. Dies habe den Wohlstand und mehr Gerechtigkeit  in die Region Siebenbürgen gebracht. Zu erwähnen seien hierbei eine gerechte Aufteilung der Steuerlast und eine Modernisierung der Verwaltung. Im Mittelpunkt des DWS stehe seit 20 Jahren der Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedsunternehmen und die Pflege eines konstruktiven Dialogs mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft, das alles um die Region zu stärken, attraktiv zu halten für bereits ansässige Investoren und für neue was eine „Win-Win“ Situation für die Menschen in der Region und der Wirtschaft führe. „Wir sehen als zukünftige Ausrichtung für den Deutschen Wirtschaftsclub Siebenbürgen, den Dialog auf andere Wirtschafts- und Gesellschaftsvertreter auszuweiten, Möglichkeiten der Weiterentwicklung aufzuzeigen und diese mit den Vertretern aus Verwaltung, Gesellschaft und Politik anzusprechen“, unterstrich Friedrich. Ein Schlagwort hierfür sei „Smart Region“.

Ein Höhepunkt war auch in diesem Jahr der Auftritt der Tanzgruppe der Brukenthalschule unter der Leitung von Bianke Grecu.
Foto: Werner FINK

„Der Deutsche Wirtschaftsclub Siebenbürgen bedeutet für mich 20 Jahre und mehr deutsche Wirtschaft in Hermannstadt“, sagte Astrid Fodor. „Er bedeutet einen riesigen Umschwung im Leben der Stadt“. Von der Situation, wo ein Betrieb nach dem anderen die Tore schloss, wo die Kassen der Stadtverwaltung leer standen und diese nicht sehr an der Verwaltung der Stadt interessiert gewesen sei, habe sich das Schicksal der Stadt zur Jahrhundertwende geändert. Der damalige Bürgermeister Klaus Johannis habe erkannt, dass das größte Anliegen die Schaffung von Arbeitsplätzen war und so sei auch die Industriezone West entstanden. So seien die ersten großen Investoren nach Hermannstadt gekommen, wie Continentalu. a. Dadurch seien gut bezahlte und stabile Arbeitsplätze geschaffen worden, was dazu führte, dass die Einnahmen der Stadt entsprechend gewachsen sind. Die Stadt investierte und die Bürger investierten ihrerseits in ihre eigenen Immobilien und so sei Hermannstadt zu einer der attraktivsten Städte in Rumänien und zu einem beneidenswerten Wirtschaftsstandort geworden. Das sei größtenteils der deutschen Wirtschaft zu verdanken, wofür sich Astrid Fodor bedankte. Sie bedankte sich auch für die Einbindung in die Gemeinschaftsprojekte der Stadt, sei es im Bereich Kultur oder Sport oder soziale Aktivitäten.

Die stellvertretende Vorsitzende des Kreisrats, Christine Manta-Klemens, bekräftigte die Worte der Bürgermeisterin, da sich die Lage auch auf den gesamten Kreis übertragen lässt. Seit dieser Zeit bemühe man sich auch um eine neue Sicht der Ausbildung. Man habe nun das Duale Ausbildungssystem eingeführt, auch wenn dies noch nicht so laufe wie erwünscht.

Der Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Reinhart Guib, gratulierte ebenfalls. Er forderte die Unternehmer auf, sich an die deutsche Minderheit, an die deutsche Gemeinschaft zu halten. Man habe eine wunderbare Kirchenburgenlandschaft die man gerne für die Unternehmer öffne: „Übernehmt eine Kirchenburg, macht sie zu einem Wirtschaftszentrum, einem Zentrum des DWS“.

Vizekonsul Harald Fratczak von dem Deutschen Konsulat gratulierte ebenfalls zum Jubiläum und ließ die Anwesenden seitens Konsul Hans-Erich Tischler aber auch der ehemaligen Konsulin Judith Urban grüßen. Es seien 20 Jahre her, seitdem der damalige Generalkonsul Harald Gehrig die Idee hatte, einen Club zu gründen, deren Mitglieder die deutschen aber auch die rumänischen Unternehmen vertreten, um sich u. a. auzutauschen. Aus Visionen und Träumen sei nun Realität geworden. Die deutsche Wirtschaft trage bereits seit Jahrzehnten ihren Teil zur Modernisierung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Rumäniens bei. Das habe die bilateralen Beziehungen nicht nur zwischen den beiden Ländern, sondern auch zwischen den Menschen, der wichtigsten Ressource, erweitert und vertieft. Fratczak unterstrich, dass ein Beitrag um die europäische Industrie wettbewerbsfähig zu halten und zukünftige Arbeitsplätze zu schaffen, seien Investitionen in Bildung und Forschung, getragen von Staat und industrie. Ein guter Weg sei die duale Berufsausbildung, vor allem wo qualifizierte Arbeitsplätze eine Notwendigkeit seien.

Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, der im Namen vom DFDR-Landesvorsitzenden Paul Jürgen Porr sowie von Stadtpfarrer Kilian Dörr, dem Vorsitzenden der Brukenthalstiftung, sprach, sagte, 20 Jahre DWS bedeute ebenso viele Jahre Nähe zum Forum. Ein erklärtes Ziel des Deutschen Forums sei von Anfang an gewesen, Investoren aus Deutschland nach Rumänien zu rufen, damit diese hier helfen, die Wirtschaft auf- und auszubauen. Er unterstrich, dass man als Deutsches Forums bestrebt sei, das Umfeld auch weiterhin so zu gestalten, dass es attraktiv ist für Investoren aus Deutschland. Man möchte für den Einsatz der deutschen Sprache aber auch das deutsche Schulwesen Bedingungen schaffen, so dass die Hergekommenen gerne hier sind. Durch die Absolventen wolle man wertvolle Kräfte erziehen. Die deutsche Kultur sei ein wertvolles Gemeingut für alle.

Botschafter Emil Hurezeanu, der an diesem Tag Ehrenmitglied des Clubs geworden ist, versprach ebenfalls seine Unterstützung. Hurezeanu unterstrich, dass Rumänien und Deutschland ausgezeichnet kooperieren, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen 2017 und in der ersten Hälfte dieses Jahres hätten maßgeblich zugelegt. Der bilaterale Handelsaustausch belaufe sich auf über 30 Milliarden Euro. Deutschland habe sogar bessere Wirtschaftsbeziehungen zu Rumänien als zur Türkei oder Indien. Deutschland sei der wichtigste Handelspartner Rumäniens und der zweitgrößte Investor in der rumänischen Wirtschaft. Rund 7.500 deutsche Unternehmen oder Unternehmen mit einer deutschen Kapitalbeteiligung seien in Rumänien aktiv und beschäftigten hier etwa 300.000 Mitarbeiter. Die Deutschen Direktinvestitionen in Rumänien belaufen sich auf rund 9 Milliarden Euro. Auch im Bildungsbereich arbeite man zusammen. Es sei die duale Bildung eingeführt worden. Die deutsche Minderheit in Rumänien sowie die ausgewanderten Rumänen, stellen den menschlichen Faktor dar, welcher die beiden Länder noch mehr zusammenwachsen lasse.

Im weiteren Verlauf folgte ein Businessforum zum Thema „Nachhaltige Entwicklung der Region Hermannstadt”, das von Werner Stein, Mitglied im Deutschen Wirtschaftsclub in Bukarest, moderiert wurde. Harald Friedrich hielt den Impulsvortrag zum Thema „Nachhaltige Entwicklung und Smart Region”. Friedrich stellte u. a. fest, dass es eine deutliche Abwanderung aus den ländlichen Regionen in die Stadt gebe und die umliegenden Dörfer sich nach und nach leeren, so dass es für die Regionen wichtig sei Arbeitsplätze zu schaffen, aber auch an das Freizeitangebot und soziale Angebot zu denken. Wenn ein Ort Arbeit biete, wollten vor allem junge Menschen dort trotzdem nicht leben. „Die Vision ist daher, diese Verdichtung in den Städten zu verlangsamen und die ländlichen Regionen attraktiver zu gestalten, eine Balance der Strukturen zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung zu schaffen, indem die Region gerechter und attraktiver, bzw. Lebenswerter wird”. Um der nachhaltigen Entwicklung mehr Gewicht zu verleihen, müsse daran gearbeitet werden, mehr Arbeit zu den Menschen, also in die Regionen zu bringen, anstatt mehr Menschen zu der Arbeit, also in die Stadt. Um diesen Ansatz zu unterstützen sei die nachhaltige Entwicklung zum Aufbau einer „Smart Region” sicherlich modern und zeitgemäß und würde sich sogar präventiv gegen negative Entwicklung auswirken. Die Entwicklungsdynamik in den Städten dürfe nicht gebremst, sondern müsse „smart” gelenkt werden. Dabei dürften ländliche Räume nicht vernachlässigt werden, es müsse für Chancengleichheit gesorgt werden. Die Denkansätze müssten sich von lokal auf regional, wenn nicht sogar global verändern. Auf kommunaler Ebene seien zur Konzeption und Umsetzung „smarter” Städte und Regionen Partnerschaften von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Interessengruppen und Forschung zur Erarbeitung von Strategien und deren Umsetzung nötig.

Ein Höhepunkt war auch in diesem Jahr der Auftritt der Tanzgruppe der Brukenthalschule, die mit siebenbürgisch-sächsischen Tänzen Stimmung machte, und die Wahl der Weinkönigin. Nachdem die Tänzerinnen auf Fragen zum Thema  Allgemeinwissen betreffend die Region aber auch Weine antworten mussten, entschied sich die Jury, Corina Teacă (12. C-Klasse) zur Weinkönigin zu küren.

Zum Abschluss gab es ein Feuerwerk, das die Anwesenden in der wunderbaren Ambiente der Sommerresidenz förmlich genießen konnten.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

 

 

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