„Die Gemeinschaft unterstützen“

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Gespräch mit Reinhold Sauer beim DWS-Weinfest

 

Reinhold Bauer in der ehemaligen Brukenthalschen Sommerresidemz in Freck, wo der DWS am 8. September Weinfest und 20. Jubiläum gefeiert hat. Foto: Werner FINK

Reinhold Sauer, der Vorsitzende der Carl Wolff-Gesellschaft, war einer der anwesenden Gäste auf dem letzten Weinfest und zugleich der 20. Jubiläumsfeier des Deutschen Wirtschaftclubs Siebenbürgen (DWS). Die „Carl Wolff-Gesellschaft“, die den Namen des erfolgreichen siebenbürgischen Wirtschaftspolitikers Carl Wolff trägt, der seine Hauptaufgabe darin gesehen haben soll, die Überlebensgrundlage für seine seit Jahrhunderten in Siebenbürgen ansässige Volksgruppe zu erhalten, sieht sich selbst als vom „siebenbürgischen Unternehmertum geprägtes Netzwerk einflussreicher Leistungsträger“ in Deutschland. Mit Reinhold Sauer sprach HZ-Redakteur Werner F i n k:

Was ist die Carl Wolff-Gesellschaft?

Wir sind praktisch das Synonym des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) hier. Die Mitglieder unserer Gesellschaft stammen hauptsächlich aus Rumänien, aus Siebenbürgen, es sind Siebenbürger Sachsen, die ihr Schicksaal in die Hand genommen haben und selbst Firmen in Deutschland gegründet haben. Das sind Firmen von kleiner bis mittlerer Größe, also angefangen vom Rechtsanwalt über den Zahnarzt, über den Fliesenleger, bis hin zum Unternehmer, der in der Automotive-Branche tätig ist, mit 400 bis 500 Mitarbeitern. 

Aus wie vielen Mitgliedern besteht  die Carl Wolff-Gesellschaft?

Wir haben im Moment etwa 80 Mitglieder, also Firmen die bei uns im Club tätig sind. Es kommen welche dazu, es gehen welche auch wieder weg, die nicht das gefunden haben, was sie gesucht haben, es ist eine gewisse Fluktuation da. Die Mitgliederanzahl bewegt sich zwischen 80 und 90 Mitglieder.

Seit wann gibt es den Club?

Gegründet worden ist er im August 2010. Wir sind jetzt also acht Jahre alt. Wir können also nicht 20 Jahre vorweisen wie der DWS, aber wenn wir Glück haben, werden wir das auch erreichen.

Welche Bedeutung kommt der Carl Wolff-Gesellschaft zu?

Der Sinn war der, dass wir versuchen, unsere Landsleute in einem Netzwerk zusammenzufassen, damit sie sich austauschen können, aber auch Antworten bekommen aus den eigenen Reihen auf bestimmte Fragen und nicht selbst irgendwo negative Erfahrungen machen, sowie um auch untereinander Geschäftsabwicklungen zu machen, vor allem war es das Netzwerk als solches.  Es ist so, dass die Siebenbürger Sachsen in Deutschland organisiert sind. Es gibt den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der auf Bundesebene in München sitzt und auf Landesebene bis hin zur Kreisebene entwickelt ist und eigentlich ein gutes Spektrum deckt was Kultur angeht, was Volkstanz angeht, was Musik angeht, was Theatergruppen angeht. Auf dieser Ebene war alles gut abgedeckt, aber von der Wirtschaft war nichts zu sehen und nichts zu finden und das war auch einer der Gründe, dass wir diese Lücke geschlossen haben. Unser Ziel ist es, dass wir unsere Gemeinschaft unterstützen, dass wir gewisse Projekte, die von den Siebenbürger Sachsen in Deutschland gemacht werden, unterstützen. 

Wie erfolgt das konkret?

Wir haben zum Beispiel eine Partnerschaft geschlossen mit der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), die wir jährlich in Deutschland unterstützen, auch finanziell, auch beratend, wenn es gewünscht ist, so dass wir den Leuten Starthilfe gewähren. Wir beraten sie von Praktikumsanbietung usw., was halt so nötig ist. 

Wie kommt es dazu, dass Sie als Vorsitzender der  Carl Wolff Gesellschaft bei der Jubiläumsfeier des DWS dabei sind?

Die Carl Wolff-Gesellschaft hat vor sechs Jahren eine Partnerschaft mit dem DWS gegründet. Es war die erste Partnerschaft, die wir mit einem Deutschen Club in Rumänien begonnen und begründet haben. Es folgte kurz darauf der Deutsche Wirtschaftsclub Kronstadt (DWK), danach der Deutsch-rumänische Wirtschaftsverein in Arad (DRW) und schließlich sind wir in Klausenburg gelandet bei dem  Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Nordtransilvanien (DWNT). Wir versuchen nun, diese Partnerschaften mit Leben zu füllen. Eine Urkunde, die ist passiv, die hängt irgendwo und dann muss man sich halt bewegen und zum Partner hingehen, seine Aktivitäten fördern, mit dabei sein und das Netzwerk fördern.

Da gab es in Hermannstatd eine gewisse Aktivität, die von der Carl Wolff-Gesellschaft  durchgeführt worden ist…

Vor einiger Zeit war eine Lehrerin in Ruhestand zu uns herangetreten. Sie sagte, es sei eine Schande, wenn man auf den Hermannstädter Friedhof geht und sieht, dass das Grab von Carl Wolff verfallen ist, weil ja keine Nachkommen mehr da sind. Der Zahn der Zeit nagt überall und da hatten wir kurz beschlossen, dass wir das in die Hand nehmen, wenn wir uns schon seinen Namen ausgeliehen haben, dass wir auch etwas für ihn tun und haben dieses Grab renoviert. Wir haben haben außer dem Grabstein unseres Namensgebers auch die seiner Frau und seiner Tochter hergerichtet, und haben sie zum 80. Todestag von Dr. Carl Wolff  in neuem Glanz erscheinen lassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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