Höhepunkte des Theaterfestivals

Ausgabe Nr. 2434
 

Eine Auswahl der besten Inszenierungen

 

Ab heute ist das Zentrum Hermannstadts wieder im Ausnahmezustand. Die 22. Auflage des Internationalen Theaterfestivals beginnt heute, am 12. Juni. Und damit für Theaterliebhaber die Qual der Wahl. In diesem Jahr sind sehr viele Stücke in deutscher Sprache dabei. Im Folgenden haben wir eine Auswahl der von Festivalleiter Constantin Chiriac am meisten gepriesenen Inszenierungen getroffen und möchten diese vorstellen:

 

Muttersprache Mameloschn von Marianna Salzmann, Regie Brit Bartkowiak, Deutsches Theater Berlin. Inhalt: „Drei Frauen, drei Generationen, drei Lebensentwürfe: Großmutter, Mutter und Tochter. In den Generationen wiederholen und variieren sich gesellschaftliche Abhängigkeiten: Was hieß es vor 50 Jahren in der DDR als Jüdin zu leben und was bedeutet es heute? Die Fragen nach Identität, nach Zugehörigkeit und Heimat werden vor dem Hintergrund eines latenten Antisemitismus in der DDR gestellt, den die Mutter bitter erfahren musste.“ Aufführung: 12. Juni, 17 Uhr, Radu Stanca-Theater (deutsch).

Sechs Personen suchen einen Autor von Luigi Pirandello, Regie: Emmanuel Demarcy-Mota, Theatre de la Ville Paris (Frankreich). Inhalt: Während einer Theaterprobe tauchen plötzlich sechs Personen auf, die vom Theaterdirektor verlangen, dass er „sie“ aufführt. Sie seien als Bühnenfiguren von ihrem Autor geschaffen worden, der sie aber nicht vollendet habe. Sie wollen ihr Stück auf der Bühne sehen, wollen „leben“. Aufführungen: 12. Juni, 19 Uhr, Gewerkschaftskulturhaus; 13. Juni, 17 Uhr, Gewerkschaftskulturhaus (französisch, mit rumänischer und englischer Übersetzung).

Die Reise nach Petuschki (Moscova mahmură) nach Wenedikt Jerofejew, Regie: Felicitas Braun, Burgtheater Wien. Inhalt: Das Gerüst der Handlung bildet ein Tag im Leben des mit dem Autor namensgleichen Alkoholikers und Ich-Erzählers Wenedikt („Wenja“) Jerofejew, an welchem er versucht, mithilfe eines Vorortzuges vom Kursker Bahnhof zu seiner in der kleinen Stadt Petuschki lebenden Geliebten zu gelangen. Im Verlaufe dieser Zugfahrt betrinkt sich der Protagonist zusehends, und damit werden auch die Schilderungen immer surrealistischer. Aufführungen: 14. Juni, 16 Uhr, Gong-Theater; 15. Juni., 18 Uhr, Gong-Theater (deutsch).

Scapins Streiche von Moliere, Regie: Kazuyoshi Kushida, Matsumoto Performing Arts Centre (Japan). Inhalt: Octave, Sohn des Argante, und Léandre, Sohn des Géronte, knüpfen während der Abwesenheit ihrer Väter Liebesbande. Octave heiratet Hyacinte, ein armes Mädchen unbekannter Herkunft; Léandre verliebt sich in Zerbinette, die unter fahrendem Volk aufgewachsen ist. Scapin, Octaves Diener, soll helfen, daß Argante der Ehe seinen Segen gibt und Géronte die zum Loskauf Zerbinettes von den Zigeunern, die sie als Kind entführten, benötigte Summe zu Verfügung stellt. Aufführung: 14. Juni, 18 Uhr, Radu Stanca-Theater (japanisch, mit rumänischer und englischer Übersetzung).

Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt, Regie: Armin Petras, Schauspiel Stuttgart. Inhalt: Milliardärin Claire Zachanassian kehrt nach Güllen zurück, um Rache an ihrem ehemaligen Geliebten Alfred Ill zu nehmen. In ihrer Jugend wird Klara Wäscher von ihrem damaligen Freund Alfred Ill schwanger. Dieser jedoch leugnet seine Vaterschaft. Einen Prozess gegen ihn gewinnt Ill, indem er Zeugen besticht. Daraufhin verlässt Klara die Kleinstadt Güllen verarmt und entehrt. Aufführung: 14. Juni, 21 Uhr, Gewerkschaftskulturhaus (deutsch).


Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing, Regie: Armin Petras; Schauspiel Stuttgart. Inhalt: Das Drama spielt in der Zeit des Dritten Kreuzzuges während eines Waffenstillstandes in Jerusalem und handelt von dem jüdischen Kaufmann Nathan, der unbewusst alle drei Weltreligionen vereint und durch seine tolerante Weltanschauung als Nathan der Weise bezeichnet wird. Aufführung: 15. Juni, 22 Uhr, Radu Stanca-Theater (deutsch).

Das letzte Band (Krapp’s Last Tape) von Samuel Beckett, Regie Peter Stein. Klaus Maria Brandauer/Peter Stein (Österreich, Deutschland). Inhalt: Am Abend seines 69. Geburtstags sitzt der gescheiterte Schriftsteller Krapp vor seinem Tonbandgerät und hört alte Bänder ab. In alten Tonbandprotokollen sucht er nach Erinnerungen an bessere Zeiten, an die Liebe. Aufführung: 19. Juni, 21 Uhr, Thaliasaal (deutsch).   

Der Bau nach Franz Kafka, Regie: Carsten Ramm, Badische Landesbühne Bruchsal. Inhalt: Obwohl er einen hervorragend gesicherten Bau geschaffen hat, scheint ein Feind eingedrungen zu sein. Ist die Gefährdung real oder spielt ihm seine Einbildung einen Streich? Eine nicht enden wollende Suche beginnt… Die in Kafkas Text beschriebene Bedrohung durch nicht mehr sicht- und ortbare Gefahren ist in Zeiten von Internet und öffentlicher Überwachung längst zur Realität geworden. Aufführung: 20. Juni, 16 Uhr, Gong-Theater (deutsch).

Cynthia PINTER

 

Festivalleiter Constantin Chiriac.                            

Foto: die Verfasserin

 

 

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