Verbindungselement zwischen Ethnien

Ausgabe Nr. 2431
 

Ausstellung „Was sächsische Truhen erzählen…“ im Schatzkästlein eröffnet

 

Nachbarschaftstruhen, Zunfttruhen, Geldtruhen, Kirchentruhen oder Mitgifttruhen. Alte, wie neue solcher Truhen konnte man am Samstag, dem 16. Mai, im Schatzkästlein bewundern. Hier fand nämlich die Vernissage der Ausstellung „Was sächsische Truhen erzählen…“ statt.

   „Wenn Sie sich hier diese Ausstellung ansehen, so sehen Sie als erstes die ungeheure Vielfalt der Truhen“, erklärte Prof. Dr. Paul Niedermaier in seiner Eröffnungsrede.  Die Truhen hätten einen besonderen Stellenwert gehabt, vor allem in Siebenbürgen. „Wenn man die Innenräume der Häuser ansieht, dann kann man einen merklichen Unterschied zwischen West- und Osteuropa feststellen. In Westeuropa sind die Innenräume viel weniger ausgeschmückt und vor allem sehr arm an Textilien. In Osteuropa dagegen sind gerade die Textilien sehr reich verwendet beim Innenraum, bei den Rumänen stärker als bei den Sachsen. Jenseits von dieser allgemeinen Gliederung ist das Möbelstück ein funktionelles Element, das überall angewendet wird.“

Prof. Niedermaier machte das anwesende Publikum auf das Gemälde „Ansicht von Hermannstadt“ des Malers Franz Neuhauser Junior aufmerksam. In der Jahrmarktszene seien Truhen deutlich zu sehen. Das heißt, Truhen wurden verkauft und kamen so auch in die rumänischen Haushalte. „Darin sehe ich den besonderen Wert dieser Ausstellung, dass sich jenseits von der enormen Vielfalt der Truhen ein Element bildet im Innenraum, das die Räume von Rumänen und Sachsen einander näher bringt und so ein Verbindungselement zwischen Ethnien darstellt“, schloss Niedermaier.

In der Ausstellung, die bis zum 20. Oktober im Schatzkästlein geöffnet sein wird, sind, laut Kuratorin Simona Malearov, über 50 Möbelstücke zu sehen. „Es ist nicht unsere Absicht, in die Geschichte einzelner Truhen einzuführen, vielmehr soll über die verschiedenen Kategorien, von durch Siebenbürgen gewanderten Truhen, informiert werden. Ob sie nun mit Trachtenkleidung und Textilien, unter Verschluss gehaltenen Büchern und Dokumenten oder mit Getreide und anderen Lebensmitteln gefüllt waren – all diese Inhalte, der sich auf Wanderschaft befindenden Truhen, waren immer nur ihren Eigentümern oder Wanderern bekannt“, sagte Simona Malearov bei der Vernissage.

Die beiden ältesten und wertvollsten Truhen der Ausstellung im Schatzkästlein stammen aus Henndorf/Brădeni im Kreis Hermannstadt. Es handelt sich um Stollentruhen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die anfänglich zur Aufbewahrung der Kleidung verwendet wurden. Später, als das Dorf überfallen wurde, bewahrten die Dorfbewohner ihre Habseligkeiten darin und versteckten die Truhen auf dem Dachboden der Henndorfer Kirche. Interessant anzusehen sind auch die Zunft- und Nachbarschaftstruhen, in denen kleine, geheime Schubladen eingebaut wurden.

Die alten Truhen stammen aus dem Lagerraum des Astra-Museums, aus dem städtischen Museum Mediasch, aus dem Brukenthalmuseum, dem Teutschhaus und aus privaten Kollektionen.

Im Schatzkästlein sind auch neue Truhen ausgestellt. „Wir wollten sehen, wie die Truhe heute Verwendung findet und vor allem, die angewandte Herstellungstechnik beobachten. Wir haben dabei festgestellt, dass einige Künstler die alten, traditionellen Farbmuster zum Verschönern der Truhen verwenden, andere wiederum aber auch ihrer Fantasie freien Lauf lassen und neue Ornamente entwickeln“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Simona Malearov.

Jedes alte Möbelstück erweckt nostalgische Erinnerungen. Jede Truhe ist ein Unikat. Wird sie geöffnet, so kann man in eine längst vergessene Welt eintauchen. In die Welt der alten sächsischen Truhen können Hermannstädter noch bis zum 20. Oktober hineinblicken. Ab November ist die Ausstellung „Was sächsische Truhen erzählen“ in Bukarest im Geschichtemuseum zu sehen.  

Cynthia PINTER

 

Foto 1: „Was sächsische Truhen erzählen…" lautet der Titel der Ausstellung, die am Samstag im Ausstellungsraum im Schatzkästlein am Kleinen Ring eröffnet worden ist. Unser Bild: Eine Mitgifttruhe von 1852 mit Kissen in bestickten Kissenbezügen gehört zu den meist bewunderten Exponaten.                                        

Foto: Fred NUSS

Foto 2: Bei der Vernissage (v. l. n. r.): Sabin Adrian Luca, Generalmanager des Brukenthalmuseums, Ovidiu Baron (Moderator), Simona Malearov (Kuratorin) und Paul Niedermaier vom Hermannstädter Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie.

Foto: Cynthia PINTER

 

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