Unsagbares sichtbar machen

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Einblicke in zwei SCAF-Ausstellungen

Ausgabe Nr. 2978

Rechts hängen drei Stücke aus der Reihe „Gewänder der Wiederkehr“ von Marlene Herberth, links sechs Objekte aus Paula Ankes „Amazone de l’Ombre“ (Schatten-Amazone).                                 Fotos: Beatrice UNGAR

Unter dem Titel „The Unfathomable Shape of Persistence” steht die von Iris Ordean kuratierte Ausstellung, die noch bis Ende Oktober im Museum für zeitgenössische Kunst des Brukenthalmuseums in der Quergasse/Tribunei 6 zu besichtigen ist. Die Ausstellung wurde in Partnerschaft mit dem Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt organisiert und zeigt Werke von zehn Künstlerinnen aus Rumänien und Deutschland: Paula Anke, Marlene Herberth, Friederike Jokisch, Adina Mocanu, Marina Oprea, Raluca Paraschiv, Renée Renard, Semra Sevin, Lucy Teasdale und Anja Teske.

Die zehn hatten erstmals 2025 in Berlin, in den Räumen des Vereins der Berliner Künstlerinnen (VdBK) ausgestellt. Eine von ihnen ist Marlene Herberth, die ihren Beitrag „Gewänder der Wiederkehr“ folgendermaßen beschreibt: „Vier Gewänder, vier Schwellen, vier Echos vergangener und gegenwärtiger Selbst—jede Schicht eine Identität, geformt durch Geschichte, Ritual und die Unvermeidlichkeit der Wandlung. Gewänder der Wiederkehr ist eine Garderobe des Übergangs, eine Karte von Aufbrüchen und Ankünften, die nie endgültig sind. Sie folgt dem zyklischen Wesen der Identität und der Art, wie sich die Geschichte immer wieder selbst einholt.

Das erste der vier Gewänder von Marlene Herberth ist der Mantel der Großmutter, bestickt mit einem Text in der siebenbürgisch-sächsischen Mundart.

Die Vergangenheit zu tragen ist kein statischer Akt – es ist eine Auseinandersetzung, ein Neuverweben der Erinnerung in das Gewebe der Gegenwart. Der Mantel der Großmutter, bestickt mit einem Dialekt, der an den Rand des Verschwindens gedrängt wird, ist eine fragile Heimat, die am Körper getragen wird. Das Urzel-Kostüm, wild und trotzig, steht zugleich für Schutz und Störung, ein rituelles Abwehren der Dunkelheit, die sich doch nie ganz bannen lässt. Die schamanische Jacke, gewebt aus Fragmenten vergangener Leben, verbindet Erbe und Neuerfindung, ihr Heilungsmesser hält die Spannung zwischen Trennen und Heilen. Und die neu konzipierte Tracht der Siebenbürger Sachsen, gezeichnet von einer Weltkriegs-Gasmaske und einer Patronenkiste, die zum Reliquiar wird, spricht von Überleben, der Last geerbter Traumata und der Wandlung von Symbolen über die Zeit hinweg.

Schmuck in der Apotheke? Warum nicht, meinen die SCAF-Veranstalter.

Doch Wiederkehr bedeutet nicht nur Rückkehr in die Vergangenheit. Während ein neuer Krieg die Welt verändert, stehe ich erneut an einer Weggabelung, suche abermals nach einem Durchgang durch das Labyrinth der Identität. Die Gewänder tragen vergangene Verwandlungen in sich, und doch flüstern sie von einem weiteren Wandel – einem, der noch nicht ganz greifbar ist. An dieser Schwelle frage ich: Was nehme ich mit? Was lasse ich zurück? Und wie navigiert man eine Reise, auf der der Weg – wie die Geschichte selbst – nie eine gerade Linie ist, sondern eine Spirale aus Aufbruch und Wiederkehr?“

In eine ganz andere Welt, die des Schmuckdesigns, entführt die Betrachter im Apothekenmuseum die Ausstellung mit Kreationen von Diana Pantea, Mihaela Coman, Silvia Cruceru, Izabella Petruț, Ioana Ardelean, Vlad Gherghiceanu, Adriana Rădulescu, Doina Bacalu.

B. U.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kunst.