„Ein feiner Mensch“

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Nachruf auf den Schriftsteller Johann Lippet

Ausgabe Nr. 2980

Johann Lippet (1951-2026) in Temeswar 1975.
Foto: Archiv Luzian GEIER

„Er war ein feiner Mensch!“ Dieses Zitat aus der Rückmeldung eines gemeinsamen Bekannten auf die Nachricht vom Tod des Dichters und Schriftstellers Johann Lippet möchte ich an den Anfang dieses Nachrufes stellen, weil die Trauerbekundung weit über den Literaten hinaus geht, ins Wesentliche eines Daseins in der Gesellschaft, in der Öffentlichkeit.

Aus Brüssel kam die Antwort „Ich habe ihn sehr geschätzt, nicht nur seine Bücher“. „Er ist zu früh von uns gegangen“, schrieb ein früherer Journalist dieser Hermannstädter Zeitung und guter Kenner der rumäniendeutschen Literaturszene über Jahrzehnte.

Denn viele von uns wären ihm gerne noch oft begegnet, bei langen Gesprächen, nicht nur über Literatur und das Banat, bei Lesungen und in Zwiegesprächen mit dem Autor und wichtigen, richtungsprägenden Mitglied der damals jungen, sogenannten „Aktionsgruppe Banat“, dem Schriftsteller, der sich mit seinen über ein Dutzend veröffentlichten Büchern einen „Welt-Raum“ geschaffen hat auf der Suche nach Freiheit, und erarbeitend einen eigenen Weg fand gegen die vielfältigen Zwänge der Gemeinschaft und der Zeit.

Seiner Leserschaft sowie der rumäniendeutschen Literatur hat Johann Lippet damit ein reiches und originelles Werk geboten, vor allem wird er als historisches Gedächtnis im Schrifttum dieser Zeit und dieses Raumes bleiben, als ein mutiger, lauterer, bescheidener und glaubwürdiger literarischer Chronist. Immer rückversichert auf Fakten („Immer die Angst im Nacken, meine Erinnerung könnte versagen“), ist seine Literatur in großen Teilen eine künstlerische, oft wortkünstlerisch gelungene Ausgestaltung der schicksalhaften Umbrüche des vergangenen Jahrhunderts. Lippet hat sich tief eingearbeitet, um auf seine Art – standhaft, charakterfest und überzeugend – Vergangenes bis in kleinste Details des Alltags der Familien und Banater Gemeinschaften festzuhalten.

Der im österreichischen Wels am 12. Januar im Jahr 1951 geborene Johann Lippet hat die Hälfte seines Lebens und seiner Schaffenszeit im Banat verbracht, das ihm immer literarische Heimat und Wurzel war.

Der Neustart nach der nicht ganz freiwilligen Ausreise aus dem Diktatur-Rumänien 1987 in die Bundesrepublik Deutschland war, wie für viele Aussiedler, kein einfacher. Hinzu kam in den letzten Jahren, dass Vieles „allmählich“ belastend wurde und „Phantome der Erinnerung“ immer öfter auftauchten. So schrieb er sich selbst zu „bleibe bei mir zuversicht“ in seinem Gedicht „es ist sommer“.

Nun ist zu schnell Herbst geworden – vor einem Monat hatte der Autor mit dem Verleger Traian Pop einen Band Lyrik besprochen, das Erscheinen des jüngsten Bandes in diesem um den Schriftsteller verdienten Verlag, „Beziehungsweise(n). Erweiterungen. Gedichte und Geschichten“, konnte Lippet nicht mehr erleben -, Johann Lippet ist am Abend des 5. Oktober 2026 in eine uns unbekannte, hoffentlich bessere „Welt“ gewechselt.

An der Fassade des Temeswarer Deutschen Staatstheaters weht die schwarze Fahne, Zeichen der Trauer und des Nicht-Vergessens seines bedeutenden Dramaturgen in einer schwierigen Zeit. Ob sie wohl auch in seiner Wurzelheimat, im unvergessenen Banater Wiseschdia weht, wie es alter Brauch war? Das Dorf, das rumänisch Vizejdia, ungarisch Kisvizésdia oder Vizésd heißt, gehört zur Gemeinde Gottlob.

Mit einem Zitat möchte ich den kurzen Nachruf beschließen: „Ich werde ihn als Dichter und Mensch stets in wertschätzender Erinnerung behalten. Die neuere Banater deutsche Literatur hat er in Form und Inhalten entscheidend mitgeprägt und sich dabei in seinem Werk als beindruckender Chronist und Schilderer der Lebenswelt unserer Gemeinschaft erwiesen.“ So der ehemalige Journalist Eduard Schneider, ein Erlebnis- und Zeitzeuge des literarischen Werdegangs von Johann Lippet aus der Zeit seiner literarischen Anfänge 1969 und bis heute.

Wenn wir uns nun verabschieden müssen von Johann Lippet, so wollen wir danken, abdanken, wie es auch in Siebenbürgen vielerorts Gepflogenheit war, versichern, dass wir ihn nicht vergessen, seiner gedenken und ihm zurufen „Ruhe in Frieden!“.

Luzian GEIER

Anmerkung der Redaktion: Wir trauern mit um den Verstorbenen und weisen auf den Johann Lippet gewidmeten würdigenden Beitrag des gleichen Autors, Luzian Geier, der unter dem Titel „Literarischer Chronist seiner Gemeinschaft“ in der Hermannstädter Zeitung Nr. 2704 vom 8. Januar 2021, auf Seite 5, zum 70. Geburtstag des Schriftstellers erschienen ist.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Persönlichkeiten.