Zum 35. Jubiläum des Evangelischen Diakonievereins e. V. in Mediasch
Ausgabe Nr. 2979

Gottesdienst mit Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner im Altenheim Hetzeldorf, am Muttertag 8. Mai 2025. Foto: www.diaconiemedias.ro
Pfarrer Dietmar Plajer (von 1985 bis 1991 Stadtpfarrer in Mediasch, bis 2000 da wohnhaft) schreibt: „Eine Kirche ohne Diakonie ist wie eine Wiese ohne Blumen, wie ein Weizenfeld ohne Ähren, wie ein Schiff ohne Wasser, wie der Himmel ohne Sonne. Das Wort der Kirche wird letztendlich glaubhaft durch ihren diakonischen Dienst.“ Diakonie und Leben der Kirche sind nicht voneinander zu trennen. Im Evangelium nach Matthäus (25, 40) sagt Jesus: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Diakonie ist und bleibt also Aufgabe der Kirche. Der Evangelische Diakonieverein e. V. in Mediasch feiert in diesem Jahr 35 Jahre seit seiner Gründung im Jahr 1991. Entstanden ist er aus der Not heraus. Nach der großen Auswanderungswelle Anfang der 90er Jahre, wollte man bedürftige evangelische Gemeindemitglieder auffangen, die in Rumänien geblieben waren. Der Verein sollte ein Ersatz sein für den Verlust des organisierten Fürsorgedienstes (Nachbarschaften).
Die Lage der alten, hilfsbedürftigen, kranken und alleinstehenden Menschen war bedrückend. Viele waren in wenigen Monaten vereinsamt, hilflos und oft auch verzweifelt, vor allem in den kleinen abgelegenen Dörfern. Pfarrfrau und erste Vorsitzende des Diakonievereins, Christa Plajer, schreibt: „Durch meinen diakonischen Dienst kannte ich die Situation in der Stadt Mediasch recht gut. Nach 1989 wurde es für mich zu einer wichtigen Aufgabe, auch in die kleinsten und entlegensten Dörfer des Mediascher Kirchenbezirks zu fahren, um dort ebenfalls die Lage kennen zu lernen und hilfsbedürftige Menschen zu besuchen und ausfindig zu machen. – In fast jedem der 40 Dörfer des Mediascher Kirchenbezirks gab es einen oder auch mehrere Menschen, die dringend Hilfe benötigten, um nicht in ihrem Elend verzweifeln zu müssen.“
1990 wurden zwei nebeneinanderliegende Bauernhöfe in Hetzeldorf (rum. Aţel) gekauft. Februar bis Mai 1991 wurde ein großer Einsatz zur Renovierung der Häuser und zur Einrichtung des Altenheims durchgeführt. Bereits am 9. Juni 1991 fand die Gründungssitzung für den „Evangelischen Diakonieverein Mediasch e.V.“ statt und die Ausarbeitung der Satzungen. Der neu entstandene Verein wurde am 30. August 1991 beim Mediascher Gericht eingetragen.
Von Anfang an war viel Ideenreichtum, Organisation und Arbeitskraft nötig und auch sehr viel finanzielle Hilfe. In großer Einigkeit und mit festem Zusammenhalt der leitenden Personen konnte eine verhältnismäßig große, vielseitige diakonische Arbeit zustande kommen. Wichtig und unentbehrlich dafür war die erhaltene Hilfe aus Deutschland. Es wurde vor allem zu Beginn sehr viel geschenkt, große finanzielle Beträge und verschiedene Hilfsgüter. Es fanden sich fleißige Meister, Handwerker und Menschen aus Deutschland, die gar ihre Urlaubstage opferten und beim Aufbau mithalfen. In Hetzeldorf selbst machte sich der im Jahr 2023 verstorbene Pfarrer Georg Schmidt verdient, der die Kirchengemeinde von 1980-1993 betreut hat. Er gehörte auch zu den Gründern des Altenheims und sein Engagement hat er auch nach seiner Auswanderung nach Deutschland fortgesetzt.
Die feierliche Einweihung des Altenheims hat am 1. Dezember 1991 stattgefunden. Am 7. Mai 1992 wurde die Küche „Essen auf Rädern“ feierlich eröffnet. Sie befindet sich im Mediascher Kirchenkastell, im Keller der alten Schule. 1994 wurde der dritte Bauernhof, neben den anderen beiden Häusern in Hetzeldorf gekauft. Er wurde renoviert und im März 1996 eingeweiht. April 1998 folgte die Einweihung des neuen großen Speiseraums. Er dient heute auch als Begegnungs-, Gemeinschafts- und Gottesdienstraum.
Viele, die vorher in sehr armen Verhältnissen leben mussten, fanden im Altenheim ein würdiges Zuhause. Ihr gesundheitlicher und auch ihr seelischer Zustand verbesserte sich zusehends, da sie gut gepflegt, fürsorglich und mit viel Verständnis umsorgt wurden.
Im Mai 2000 wurde die Sozialstation „Samaritana“ eingeweiht, ein Besuchs- und Pflegedienst für alte Menschen im gesamten Kirchenbezirk. Familie Dietmar und Christa Plajer wanderte im selben Jahr krankheitsbedingt nach Deutschland aus, doch Christa Plajer blieb zeitlebens mit dem Diakonieverein verbunden, hat oft darüber berichtet und sich auch aus der Ferne aktiv eingesetzt.
Im Mai 2001 folgte die Einweihung der integrativen Jugendwerkstatt mit vier Abteilungen (Tischlerei, Autowerkstatt, Schneiderei und Computer-Fortbildung), wo Jugendliche ohne Perspektive einen Beruf erlernen konnten. Die Jugendwerkstatt hat einige Jahre funktioniert, später nur noch die Tischlerei, heute ist sie geschlossen.
Viele Jahre lang hat Ilike Bányai die Geschäftsführung des Vereins verantwortet (2000-2023). Ihr Ehemann Jenő Bányai übernahm, nachdem Heimleiter Andreas Pitters aus Hetzeldorf nach Deutschland ausgewandert war, die Heimleitung. Pfarrer Ulf Ziegler wurde im Jahr 2002 zum Vorsitzenden des Vereins gewählt, 2005 übernahm Ursula Juga-Pintican den Vorsitz. Sie war schon mehrere Jahre im Vorstand sehr aktiv gewesen und leitete den Verein mit großem Engagement bis 2023, als Antje Stecz den Vorsitz übernahm. 2025 folgte ein erneuter Wechsel: Antje Stecz übernahm die Geschäftsführung und Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner wurde zur Vorsitzenden gewählt.
Das Altenheim in Hetzeldorf besteht heute weiterhin aus drei Bauernhöfen. Seine Prioritäten bleiben die Unterbringung und die medizinische Grundversorgung älterer Menschen, die aus der Umgebung von Mediasch, inzwischen aber auch aus anderen Landeskreisen kommen. Die Aufnahme geschieht unabhängig des Einkommens, oder ob sie Verwandte besitzen oder nicht, und auch unabhängig ihrer sozialmedizinischen Bedürfnissen. Im Heim werden mit Hilfe eines Fachpersonals angemessene Bedingungen zum Wohnen, medizinische Betreuung, Beschäftigungstherapie und Freizeitaktivitäten gewährleistet. Bereits im Jahr 2005 und auch danach wurden viele Bemühungen unternommen, auch staatlich anerkannt zu werden, was gelungen ist. Seither kann der Staat einen Zuschuss zahlen. 2010-2022 wurde eine recht geringe staatliche Unterstützung pro Jahr erhalten, die Kosten eines Heimplatzes stiegen jedoch kontinuierlich. Nach weiteren Bemühungen gelang es, ab 2023 eine maßgeblichere Unterstützung vom Staat zu erhalten, die seither pro Heimbewohner und auch für die Empfänger des Mittagsessen von der Küche berechnet wird. Dafür wird viel Bürokratie bewältigt, alle paar Jahre wird eine Akkreditierung eingeholt (die nächste folgt 2027). Mit den staatlichen Zuschüssen verbunden kommen viele Anforderungen auf den Verein zu, vor allem das Altenheim betreffend, die man oft unter hohem Zeitdruck erfüllen muss, sonst droht sogar die Schließung. So ist die Vereinsleitung ständig auf der Suche nach (neuen) Lösungen.
Zurzeit leben im Altenheim 28 Menschen, von denen 1 Person kein Einkommen hat, 5 Personen nur ca. 14% ihres Heimplatzes selbst bezahlen können und 5 Personen ihren Heimplatz mit einem eigenen Beitrag zwischen 26-50% bezahlen. Sie sind entweder Sozialempfänger oder erhalten ganz kleine Renten, weil sie in der Landwirtschaft gearbeitet haben.
Bis vor wenigen Jahren besaß das Altenheim auch eine Tierfarm (Kühe, Schweine, Gänse, Hühner, ein Pferd) und hat viel Landwirtschaft betrieben, auch mit Hilfe rüstigeren Bewohnern. Es gab jährlich einen guten Ertrag, wobei die Arbeit auf dem Feld und mit den Tieren eine weit über die Grenzen von Hetzeldorf berühmt gewordene und sehr geschätzte Beschäftigungstherapie war. Die meisten Heimbewohner kamen aus dem ländlichen Bereich. Heute kann das nicht mehr gewährleistet werden, viele der Bewohner sind voll-pflegebedürftig, darum wurden Landwirtschaft und Tierfarm aufgegeben. Eine bewegende Erinnerung davon bleibt der Dokumentarfilm von 2015 unter der Regie von Claudia Funk: „Arbeit macht das Leben süß. Faulheit stärkt die Glieder“. (https://www.fbw-filmbewertung.com/film/arbeit_macht_das_leben_suess_faulheit_staerkt_die_glieder)
Es wurden noch einige neue Mitarbeiter im Altenheim angestellt, die für die Betreuung, aber auch für die Reinigung und Instandhaltung der Gebäude erforderlich wurden. Eine kontinuierliche Schulung des Personals wird durchgeführt, der Dienst wird effizienter gestaltet und es werden oft Sozialisationsaktivitäten organisiert, sowohl in Gemeinschaft als auch durch Interaktion mit Jugendlichen und Kindern. In den Gebäuden wurden viele Arbeiten durchgeführt, die die Wohnbedingungen verbessert haben. An einem der Häuser wurde der Dachstuhl erneuert, neue Fußböden gelegt, Malerarbeiten durchgeführt, ein Bad saniert, neue Leitungen für Strom und Wasser gelegt, einschließlich die Heizung erneuert, neue Möbel gekauft u. v. a. m.. Zimmer wurden mit neuen Betten, Matratzen, Schränken, Nachttischen und Stühlen ausgestattet, die Küchen- und Waschräume mit neuen Geräten. Es wurde ein Treppenlift angeschafft und ein Stromgenerator, als Lösung für häufige Stromausfälle. Die Sanierung der Nebengebäude (Keller, Dachböden, Schuppen) wurde auch in Angriff genommen und mit Hilfe freiwilliger Helfer und Schülern vom „Samuel von Brukenthal“-Gymnasium (Hermannstadt) wurde der Garten als Grünfläche mit Bäumen und Sträuchern angelegt.
Die Dienstleistungen von Fachkräften (Psychologe, Physiotherapeut), sowie Sozialisations- und Freizeitaktivitäten, tragen zum Wohlbefinden wesentlich bei: Da sind die Gottesdienste, die monatlich gefeiert werden, zu nennen, die Geburtstage, die festlichen Veranstaltungen an kirchlichen und nationalen Feiertagen, die Teilnahme an Aktivitäten mit Kindergruppen, Jugendlichen oder mit Chören.
Die Küche „Essen auf Rädern“ bereitet auch heute noch bis zu 100 Portionen warmes Essen zu, welches täglich ausgeteilt wird. Letztes Jahr (2025) wurde für 90 kranke oder einsame ältere Menschen eine warme Mahlzeit zubereitet. Für 75 Empfänger wird ein staatlicher Zuschuss empfangen und von den Empfängern sind heute ca. 25% Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde, die weiteren 75% gehören einer anderen Konfession an. Für die meisten der Empfänger ist dieses Essen nicht nur die einzige warme Mahlzeit am Tag, sondern auch die Möglichkeit, den Kontakt mit einem Menschen zu haben, mit dem sie noch ein paar Worte wechseln können. Um die Qualität der Dienstleistungen zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wurden zwei neue Transporter angeschafft.
In der Sozialstation „Samaritana“ sind zwei Angestellte beschäftigt, die Krankenbesuche in der Stadt und auf den Dörfern machen. Zurzeit werden 95 Menschen betreut, von denen 50 in Mediasch und 45 in den Nachbardörfern leben. Die „Samaritanerinnen“ arbeiten mit dem Besuchsdienst der Kirchengemeinde Mediasch zusammen. Sie sind ausgebildete Krankenpflegerinnen und können ärztliche Verordnungen professionell überwachen, Verbände wechseln, Blutdruck und Zuckerspiegel messen. Auch helfen sie im Haushalt mit, tätigen Amtsgänge und begleiten die Kranken zum Arzttermin oder ins Krankenhaus.
Die Gesamteinnahmen des Diakonievereins bestehen zu 48% aus Beiträgen, zu 26% aus staatlichen Zuschüssen und zu 26% aus Spenden. Die Ausgaben bilden die Gehälter (46%), Einkauf von Lebensmittel und Pflegematerialien, dazu Energiekosten und Dienstleistungen (37%) und die Renovierungen mit der Instandhaltung der Fahrzeuge (17%).
Die wichtigsten Partner und Sponsoren, die die Tätigkeit des Vereins kontinuierlich und maßgeblich unterstützen, sind die Kirchengemeinde Höchstadt a. d. Aisch, die Kirchengemeinde Herrenberg, die „Rumänienhilfe“ Wegscheid, die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien, die Evangelische Kirchengemeinde A. B. Mediasch, das Evangelische Bezirkskonsistorium A. B. Mediasch, die Heimatgemeinschaft e. V. Mediasch, der Diakoniefond Uthe Hartmann, der Johanniterbund Bonn, die Stiftung Gebrüder Lotter, das Evangelische Dekanat Neumarkt, der Evangelische Bund Landesverband Hannover, der Rotary Club Main-Taunus, der Verein der Siebenbürger Sachsen Salzburg, die Kirchengemeinde Böckingen, die Kirchengemeinden Berlin-Friedrichshagen und Berlin-Buch, die Lutherische Kirche in Zürich und nicht zuletzt das Gustav-Adolf-Werk. Darüber hinaus gibt es viele Privatpersonen im In- und Ausland, die unseren Verein unterstützen.
Wir sind dankbar sowohl für die große Leistung der Geschäftsführerin Antje Stecz als auch für das Miteifern und Mitdenken der Vorstandsmitglieder. Zurzeit ist der Vorstand gebildet aus: Pfrn. Hildegard Servatius-Depner (Vorsitzende), Ursula Juga-Pintican (stellvertretende Vorsitzende), Roxana Diaconu (Schriftführerin), Sorina Baciu (Mitglied), Marilena Ţichindelean (Mitglied), Pfr. Wolfgang Arvay (kooptiertes Mitglied der Kirchengemeinde), Pfr. Ulf Ziegler (kooptiertes Mitglied des Bezirkskonsistoriums).
Dass bei dem hohem Personalmangel in vielen Bereichen unserer Kirche sich immer wieder Menschen finden und motivieren lassen, erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit. Diese werden aus Gottes- und Nächstenliebe tätig und engagieren sich auch tatkräftig. So wird „das Wort der Kirche letztendlich glaubhaft – durch ihren diakonischen Dienst“ (Dietmar Plajer). Ja, durch eine gelebte Nächstenliebe wird der christliche Glaube sichtbar und zugleich gestärkt, so dass wir erfüllt werden mit neuer Zuversicht.
Hildegard SERVATIUS-DEPNER
Kontaktdaten des Diakonievereins
Evangelischer Diakonieverein e. V. Mediasch
Asociația Evanghelică de Diaconie Mediaș
Piața Castelului nr. 2, 551019 Mediaș, jud. Sibiu
Telefon: +40 269 845 895, E-Mail: diakoniemediasch@yahoo.de
Webseite: www.diaconiemedias.ro
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