Auf der Suche nach der Exzellenz

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George Enescu-Wettbewerb war schon zum 20. Mal in Hermannstadt zu Gast

Ausgabe Nr. 2978

Enrico Dindo (Cello) und Monica Cattarossi (Klavier) begeisterten das Publikum im Thaliasaal.                                                           Foto: Fabian LUTSCH

Die 20. Ausgabe des Internationalen George Enescu Wettbewerbs war vom 23. August bis zum 19. September in Hermannstadt mit hochkarätigen Konzerten zu Gast. Am 23. August bestritten Valentin Șerban (Violine) und Mihai Diaconescu (Klavier) das erste Konzert im Spiegelsaal des DFDH, es folgten im Thaliasaal am 8. September Nemanja Radulović (Violine) und Laure Favre-Kahn (Klavier), am 10. September Enrico Dindo (Cello) und Monica Cattarossi (Klavier), am 17. September Daria Parkhomenko (Klavier) und am 19. September Hyeonjeong Lee (Violine) und Gabriel Gîțan (Klavier). Veranstalter war der Hermannstädter Kulturverein Play mit Unterstützung von Stadt und Kreis Hermannstadt.

Das Konzert am 10. September im Thaliasaal boten der italienische Cellist Enrico Dindo gemeinsam mit der Pianistin Monica Cattarossi. Dindo gilt als einer der bedeutendsten Cellisten der Gegenwart und wurde von dem legendären Mstislav Rostropovich als „prächtige italienische Stimme” gelobt.

Enrico Dindo machte sich als langjähriger Solocellist an der Mailänder Scala einen Namen und gilt als einer der angesehensten Cellisten seiner Zeit.

Beide Musiker sind häufige Gäste auf den großen internationalen Bühnen. Cattarossi überzeugt dabei vor allem durch ihre Spielweise, welche mehr ist als Begleitung und es ihr ermöglicht, geradezu in einen Dialog mit dem Streichinstrument zu treten. Des Öfteren schon spielten beide als Duo und haben so über die Zeit eine musikalische Affinität entwickelt, welche auch der Zuhörer im Thaliasaal spüren konnte.

So führten die beiden Musiker den Zuhörer gleich zu Beginn des Konzertes in die Hochromantik, indem sie Johannes Brahms Cellosonate Nr. 2 in F-Dur zu Gehör brachten. In einem Dialog voller Pathos glichen die Klänge einer Fahrt auf einer manchmal stürmischen, manchmal ruhigen See und verwandelten so die unterschiedlichsten Gemütszustände in Töne. Ob Freud oder Leid, Streit oder die anschließende Versöhnung – die Metaphern um die Wirkung dieses Meisterwerkes zu beschreiben scheinen nicht auszugehen.

Die Pianistin Daria Parkhomenko.
Foto: Petrică TĂNASE

Mit Dmitri Schostakowitschs Cellosonate in d-Moll folgten Melodien, die durch ein Spiel voller Leichtigkeit beinahe schon wie ein Kinderspiel wirkten. Träumerisch sanfte Klänge, mit Dämpfer gespielt, standen im deutlichen Kontrast zu kräftigen Passagen, wodurch in der Gesamtheit die unglaubliche Vielfalt dieses virtuosen Celloklangs deutlich wurde.

Den Abschluss machte „Le Grand Tango“ des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla, Begründer des Tango Nuevo. Auf hochkarätige Weise interpretierten Dindo und Cattarossi dieses technisch sehr anspruchsvolle Werk, welches traditionelle Tangorhythmen in einem neuen Gewand mit Elementen von Jazz und Klassik vereint.

Am darauffolgenden Donnerstag, am 17. September, konzertierte schließlich die Pianistin Daria Parkhomenko, selbst Gewinnerin des ersten Platzes bei eben diesem Wettbewerb 2018.

In Rostow am Don geboren aber rumänischer Herkunft, wird sie von der internationalen Klavierpresse als „führende Dame“ der Szene gefeiert. Sie ist Stammgast in den großen Konzerthäusern dieser Welt und trat bereits mit zahlreichen renommierten Dirigenten und Orchestern auf. Ihr Debütalbum widmete sie 2022 der Musik George Enescus, mit dessen Musik sie sehr verbunden ist.

Das zeigte sich auch an der Auswahl des Programms, begann sie doch den Konzertabend mit Auszügen aus Enescus Klaviersuite Nr. 2. Die Toccata bildete einen majestätischen Auftakt und erinnerte deutlich an den Klang von Kirchenglocken. Die Pavane bildete anschließend auf fantasievolle Weise das nostalgische Gegenstück des Werkes.

Fantasievoll ging es weiter mit Robert Schumanns Fantasie in C-Dur, welche als ein Höhepunkt der romantischen Klaviermusik gilt und den Zuhörer auf eine emotionale Reise mitnimmt.

Nach der Pause folgten vier Préludes für Piano von Claude Debussy, welche durch vielseitige impressionistische Klänge beinahe wie eine spontane Improvisation wirkten und gemeinsam mit weiteren sechs Préludes von Sergej Rachmaninoff den Abschluss bildeten. Die Komposition des russischen Komponisten überzeugte durch Spektakularität, verbunden mit enormen technischen Anforderungen und Polyphonie. Parkhomenkos Auftreten und ihre Musik ergänzten sich dabei zur personifizierten Eleganz und zeigten ihre Fähigkeit, das Klavier auf außerordentliche Weise zu beherrschen.

Es wird deutlich: Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs, welches sich „auf die Suche nach Exzellenz“ begibt, konnte kaum besser ausgewählt werden können. Die Konzerte im Thalia-Saal bewiesen eindrücklich und für jeden deutlich hörbar: die Exzellenz wurde gefunden.

Fabian LUTSCH

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.