Zuflucht und Hoffnungsquelle zugleich

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Werke von Helene Fink und Trude Vandory im Museum der Stadt Mediasch

Ausgabe Nr. 2966

Bei der Eröffnung der Ausstellung sprachen Viorel Ștefu, Ulrich Fink und Romulus Boieru (v. l. n. r.).                                                    Fotos: Werner FINK

„ARTA – un refugiu și izvor al speranței“ („Die Kunst – Zuflucht und Hoffnungsquelle“) lautet der Titel der Sonderausstellung, die Ende Juni im Mediascher Stadtmuseum eröffnet wurde. Dabei ging es es um zwei siebenbürgische Künstlerinnen. Beide waren in Böhmen geboren, haben in Siebenbürgen gelebt und waren Freundinnen: Helene Fink und Trude Vandory. „Die Ausstellung soll vor allem als eine Anerkennung und Würdigung von Helene als Künstlerin und ihrer Freundschaft mit Trude dienen“, teilte der Initiator der Ausstellung Ulrich Fink der HZ mit. Die Ausstellung kann bis zum 31. August besichtigt werden.

„Heute tritt die Künstlerin Helene Fink durch diese nahezu umfassende Ausstellung im Museum von Mediasch aus der Anonymität hervor”, unterstrich Museograf Viorel Ștefu. Es sei eine Ausstellung, an der seit einiger Zeit gearbeitet wird. Durch die freundliche Unterstützung von Herrn Ulrich Fink, mit dem wir diese Zusammenarbeit vor mehr als zwei Jahren begonnen haben, ist es uns gelungen, unsere Museumssammlung um eine äußerst interessante Kategorie von Objekten zu bereichern, u. a. jene Salonmöbel, die der berühmten Künstlerin gehörten”, erklärte Ștefu. „Ich sage ‚berühmt‘, obwohl sie als eine unbekannte siebenbürgische Künstlerin gilt. Es ging um die Initiative von Ulrich Fink, dem jüngsten Sohn von Helene Fink, der sich dazu entschied, Gemälde, Skulpturen und sogar Gegenstände aus dem Nachlass seiner Mutter dem Mediascher Museum zu spenden. Ein Dank galt auch Ștefus Kollegen Diana Macarie und Sergiu Török, die sich um die Veranstaltung gekümmert hatten.

Das Museum besaß übrigens seit längerer Zeit einige Werke der Künstlerin Trude Vandory und so entschied man sich, eine Ausstellung mit Werken beider Künstlerinnen zu organisieren. U. a. war in der Ausstellung auch die Skulptur Mutter mit Kind von Vandory zu sehen. Dieses Werk hat ebenfalls Familie Fink dem Museum gespendet.

„Mutter mit Kind“ von Trude Vandory.

„Die Arbeit eines Künstlers ist äußerst anspruchsvoll”, meinte Ștefu. „Der Weg von der ersten Idee bis zu einem fertigen Werk, das in einer Ausstellung gezeigt werden kann, ist ein sehr komplexer Prozess.“

Trude Vandory (geb. Hein) ist am 23. August 1906 in Obersedlitz bei Aussig an der Elbe in Nordböhmen zur Welt gekommen. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Graz, wo sie nach dem Gymnasium vier Jahre lang die Kunstgewerbeschule, Klasse Bildhauerei unter Prof. Wilhelm Gösser besuchte. Sie heiratete den aus Schäßburg stammenden Arzt Dr. Hans Gustav Vandory und folgte ihm nach Siebenbürgen. Vandory und Fink wurden Freundinnen und tauschten sich oft aus.

Helene Fink (geb. Bukowski) kam 1909 ebenfalls in Böhmen, in Türmitz bei Aussig an der Elbe als einziges Mädchen in einer wohlhabende Familie zur Welt, wo sie zusammen mit drei Brüdern aufwuchs. Nach der Volks- und Bürgerschule ergaben sich viele Möglichkeiten, darunter die Handelsschule, die Fachschule für Keramik und angewandte Kunsthandwerke, wo sie als Gastschülerin Wahlfächer belegen durfte. Weiterhin nahm sie Privatunterricht in Klavierspiel und Englisch. Sie liebte das Skifahren, Schwimmen und Turnen, aber auch das Wandern – jedoch nie ohne Staffelei und Farben. So entstanden früh Skizzen und Motivvorlieben. Durch den Tod des Vaters 1932 wurde sie gezwungen, ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München zu unterbrechen. 1932 besuchte sie erstmals ihre zukünftige Schwägerin in Hermannstadt am Huetplatz und lernte so ihren zukünftigen Ehemann Theodor Paul Fink kennen, ein Klavierstimmer und Hersteller von Musikinstrumenten. Sie verliebte sich nicht nur in ihn, sondern auch in die schöne Stadt Hermannstadt. 1935 heirateten sie in Aussig, doch Hermannstadt wurde ihre zweite Heimat. Die Familie vergrößerte sich um sechs Kinder, von denen eines nach einem Jahr starb. 1945 wurde ihr Mann zur Zwangsarbeit deportiert und kehrte erst 1947 erschöpft und krank zurück.

Um zu überleben”, schloss sie sich dem Künstler-Syndikat an, zu dem auch Trude Schullerus, Trude Vandory, Hans Hermann und Ferdinand Mazanek gehörten. Das Syndikat versorgte sie mit Lebensmittelkarten für Grundnahrungsmittel. Sieben Jahre lang nahm sie den Sohn eines Nachbarn in ihre Familie auf und 1953 wurde mit Sohn Ulrich die Familie um ein weiteres Mitglied erweitert.

Helene schöpfte Kraft aus der Kunst, wobei die Motive oft aus dem eigenen Garten stammten, aus der Natur und der Umgebung. Zu erwähnen ist, dass sie auch ihre Reisen malerisch dokumentierte mit Hilfe von Staffelei, Pastellkreiden, Aquarellfarben oder nur Skizzenbuch, das sie vor allem in jüngeren Jahren mit sich führte. Ob Gemälde in Öl oder Aquarell, Blumen, wie die Jungen Herren” oder Sonnenblumen” die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind, aber auch Schäßburg” oder Kleinschelken”, sowie auch einige Skulpturen aus ihren jüngeren Jahren laden den Besucher zum Verweilen ein. Was die Wohnzimmer-Einrichtung in der Ausstellung angeht, es ist der einzige Teil ihrer Mitgift, der nach vielen Zwangsverkäufen erhalten blieb.

Wie in der Beschreibung der Ausstellung zu lesen ist, sollen die hier gezeigten Bilder an sie erinnern als eine Powerfrau, die vor mehr als 100 Jahren geboren wurde und deren künstlerisches Schaffen zu Lebzeiten nur in kleineren Kreisen Anerkennung fand.” Nach langer Krankheit infolge deren sie ihre geliebten Tätigkeiten in den letzten Jahren nicht mehr durchführen konnte, starb Helene Fink in Hermanntadt 1993 ohne Türmitz jemals wieder gesehen zu haben.

Ich lernte sie als junges Mädchen kennen und verliebte mich in ihre Werke“, sagte Krista Linger die den Titel der Ausstellung vorgeschlagen und auch den 2023 in der HZ erschienenen Artikel über die Künstlerin Die Blumen waren ihre Welt” verfasst hatte. „Das Haus der Familie Fink war gewissermaßen ein Museum. Das Wohnzimmer war mit ihren Werken tapeziert. Sie schöpfte ihre Inspiration aus dem Garten. Sie musste nicht weit gehen – die Quelle ihrer Inspiration lag direkt vor ihrer Tür. Sie unterbrach ihre Arbeit, ließ sich inspirieren und griff dann zum Pinsel, um zu malen.” Sie habe als Frau sehr strengen Zeit erlebt”. Sie hatte nicht nur zunächst sechs und später sieben Kinder großzuziehen. Sie musste sich auch um ein großes Haus und einen großen Garten kümmern, und ihr Mann war lange Zeit nicht zu Hause”, erzählte Linger. Deshalb schöpfte sie ihre gesamte Energie aus ihrer künstlerischen Arbeit. So habe ich sie wahrgenommen. Und ich habe sie gekannt. Ich erinnere mich an eine sehr bescheidene Frau, die – so glaube ich – den Pinsel ebenso sehr liebte wie alles, was sie umgab: das Haus, die Kinder. Aber sie legte großen Wert auf die Kunst.”

Kunst spiegelt die Seele eines jeden Menschen”, sagte der Künstler Romulus Boieru, der ebenfalls dabei war. „Denn in jedem Menschen steckt ein Künstler.” Er unterstrich u. a., wie wichtig es ist, dass Werte, Kunstwerke nicht verloren gehen und durch Museen gerettet werden.

Werner FINK

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kunst.