Ein wundervoller Auftakt

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Der dritte Großauer Orgelsommer hat vielversprechend begonnen

Ausgabe Nr. 2966

Das Collegium Musicum Brukenthal gestaltete am Freitag danach die Mittagsmusik in der Ferula der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt (v. l. n. r.): Jürg Leutert, Thomas Friedlaender, Felicia Graf, Sophia Potter, Brita Falch Leutert und Alex Potter.                   Foto: Beatrice UNGAR

Das Collegium Musicum Brukenthal, hat seine Zuhörerinnen und Zuhörer schon oft begeistert. Zu Beginn des Orgelsommers in der evangelischen Kirche in der Großauer Kirchenburg wartete das Ensemble unter der Leitung von Brita Falch Leutert und Jürg Leutert mit einer ganz besonderen, internationalen Besetzung auf. Das Musikerehepaar hatte bei der Planung und Ausgestaltung des Abends die Idee verfolgt, zwei hohe Stimmen mit zwei ähnlich hoch klingenden Instrumenten – Geige und Cornetto – zusammenzubringen, ergänzt durch den Kontrabass und die Orgel als strukturgebendem Basso continuo.

 

Das Ergebnis waren wundervolle Klangerlebnisse in unterschiedlicher Besetzung und ein Hörgenuss für alle Liebhaberinnen und Liebhaber von Barockmusik.

Der gebürtige Engländer Alex Potter, einer der führenden Countertenöre der europäischen Musikszene, begeisterte mit seinem warmen, weichen Ton und seiner Stimmführung. In der Vertonung des Psalm 113 „Laudate Pueri“ von Tarquino Merola perlten die Töne durch den Kirchenraum und klangen in den Zuhörerinnen und Zuhörern lange nach.

Alex Potter sang zum ersten Mal zusammen mit seiner Tochter, der Sopranistin Sophia Potter, im Duett, so in Johann Rosenmüllers Vertonung von Psalm 31 „In te, Domini, speravi“. Die polyphone Struktur des Stücks ließ die einzelnen Melodielinien wie fließende, sich überlagernde Wellen wirken. „In dich, Herr, habe ich mein Vertrauen gesetzt“ war ein klingendes Gebet; eine Musik, die nach innen wirkte.

Sophia hatte sich in ihrem freiwilligen sozialen Jahr bei der evangelischen Kirchengemeinde Hermannstadt engagiert und verabschiedete sich mit diesem Konzert. Ihr glockenreiner Sopran und ihre gefühlvolle Vortragsweise beeindruckten die Gäste, so im bekannten Sommerlied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ in der Fassung des schwedischen Kirchenmusikers Anders Öhrwall.

Auf der Violine begleitete Felicia Graf aus Stuttgart. In den Solo-Stücken „Passaggio rotto & Fantasia“ von Nicola Matteis stellte sie ihr virtuoses Spiel und den wunderbaren Klang der nachgebauten Barockgeige unter Beweis.

Thomas Friedlaender aus Dresden ist ein Meister auf dem Cornetto, auch Zink genannt, einem historischen Blechblasinstrument, das seine Blütezeit im frühen 17. Jahrhundert hatte. Der Klang erinnert an die menschliche Stimme und harmonierte aufs Feinste mit dem Countertenor und der Sopranstimme.

Bei dem tänzerischen Werk „Passamezzo Ungaro“ und bei den Variationen eines anonymen Stücks aus Deutsch-Weißkirch wurde Brita Falch Leutert an der Orgel von Percussion-Instrumenten begleitet. Dabei hatten Thomas Friedlaender und Jürg Leutert hörbar Spaß beim Einsatz von Tamburello und Schellenkranz. Die Klapperhölzer, eine Art spätmittelalterlicher Kastagnetten, und die imitierten Vogelstimmen waren für das Konzert in Großau besonders passend. Schließlich klappern die Jung- und Altstörche in den Nestern rings um die Kirchenburg gerade zu dieser Jahreszeit um die Wette.

Ein kulinarisches Highlight und eine wunderbare Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, war die anschließende, mit viel Liebe vorbereitete Verköstigung im Speckturm – alles selbstverständlich hausgemacht!

Auf der Homepage von Alex Potter steht: „Er ist als Solist in vielen der berühmten Konzertsälen Europas aufgetreten (…) Er ist ebenso zu Hause und glücklich, wenn er in einer Kirche in einer ruhigen Ecke auf dem Lande singt.“ Nach diesem wundervollen Abend in der Großauer Kirche kehrten Musizierende wie auch Zuhörerinnen und Zuhörer glücklich heim.

Gerti HENLE

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.