Von der Drehbank auf die Bühne

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Siegfried Siegmund und sein Roman ,,Auf der Bühne des Lebens“

Ausgabe Nr. 2967

Siegfried Siegmund: Auf der Bühne des Lebens. Umschlag, Gestaltung, Übersetzung und Überarbeitung: Robert Peter Binder. Hamburg 2026, 268 Seiten, 49 Lei. Das Buch liegt in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.

Der in Hermannstadt geborene Schauspieler Siegfried Siegmund hat seine gesamten Lebenserlebnisse von der Kindheit bis ins hohe Rentneralter in seinem Buch „Schimb brățară de aur pe un colier de turcoaze“ (Tausche goldenes Armband gegen eine Türkiskette) zu Papier gebracht. Dieses Buch wurde 2015 im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt einem breiten und interessierten Publikum, im Beisein des Autors, vorgestellt. Der ebenfalls in Hermannstadt geborene und heute in Frankfurt am Main lebende Robert Peter Binder hat die Originalfassung des Romans gelesen und hat sich spontan entschieden, diesen ins Deutsche zu übersetzen, da er Siegmunds Geschichten und Erlebnisse gut nachempfinden konnte, besonders jene aus der Kindheit und Jugend. Unter dem Titel „Auf der Bühne des Lebens“ liegt die Übersetzung nun vor.

 

Der Roman beinhaltet zwölf Kapitel: Der goldene Zug – Polen 1985, Freunde fürs Leben, Im Dienste des Vaterlandes, Zurück ins Zivilleben, Mein zweites Standbein, Der Filmschauspieler, Die Emigration, Die Rente, Ein neues Abenteuer, Die gescheiterte Familie, Vivat Germania, Manana ist auch ein Tag und Gedanken und Meer. In seinem Schlusswort schreibt Binder, das Buch sei wie eine Schlagzeile für Siegmunds Werdegang: Vom Drehbankarbeiter zum Schauspieler auf der Theaterbühne und in Filmen, zusammen mit den Größen der Filmszene jener Zeit.

Heute lebt der fast 84-jährige Siegfried Siegmund an drei unterschiedlichen Orten: Deutschland, Spanien und natürlich in seinem innig geliebten Hermannstadt und genießt bereits seit über zwanzig Jahren in vollen Zügen sein Rentnerdasein. Sein Leben war wie ein magisches Dreieck. Dem Ruf seiner siebenbürgischen Heimat konnte er nicht widerstehen.

Als Sachsenkind hat Siegmund ganz von unten begonnen, hat die Berufsschule besucht und wurde Dreher in den ehemaligen RiegerWerken Independența. Er wollte aber mehr, wurde Schauspieler an der deutschen Abteilung des Hermannstädter Staatstheaters und sogar ein geschätzter und oft eingesetzter Schauspieler an der Seite von Mitică Popescu, Dan Condurache, Irina Gărdescu, Silviu Stănculescu, Violeta Andrei und anderen beliebten rumänischen Filmgrößen. Die ältere Generation erinnert sich vor allem an Siegfried Siegmund in seiner Rolle als Wehrmachtsoffizier in Kriegsfilmen.

Mit dem Zweipersonenstück Die Insel” von Athol Fugard (Regie Christian Maurer) erhielt Siegmund den ersten Preis auf Landesebene und wurde zum besten Schauspieler gekürt. Vom einfachen Statisten und Kulissenschieber wurde er nun für sein schauspielerisches Talent belohnt.

Wie ein roter Faden verläuft die Freundschaft zwischen Heinz und Siegfried aus der Kindheit bis ins hohe Alter, eine wahre Männerfreundschaft sehr beeindruckend schildert er seine Erlebnisse und Erfahrungen als Soldat bei der rumänischen Eisenbahngesellschaft. Auch hier zeigte sich seine Überlebenskunst. Eine innige Liebesbeziehung hatte Siegmund zu dem Roma-Mädchen Lela, das er während eines Kuraufenthaltes in Sinaia kennengelernt hatte.

Sein langer Kampf für die Ausreise nach Deutschland hat 1989 ein Ende. Die Emigration ist gelungen, auch wenn er durch diesen Schritt sein Familienleben riskieren musste. Im April 1989 hat er mit gültigen Ausreisedokumenten Rumänien verlassen. In Deutschland gab es neue Herausforderungen: Wohnungssuche und einen passenden Arbeitsplatz, alles verbunden mit vielen Hindernissen, Umschulungen und Arbeitsplatzwechsel. Siegmund ist ein wahrer Überlebenskünstler, der sich auch durch Rückschläge nicht hat einschüchtern lassen, und auch hin und wieder auf die Nase fiel, wie die Katze doch stets auf den Beinen landete.

Es ist schade, dass im Buch Ortsbegriffe oder Flussnamen nur rumänisch genannt werden, man wird erinnert an Zeiten im kommunistischen Rumänien, wo das so sein musste.

Dem Buch zu entnehmen ist, dass Freiheit kein Ort ist, sondern ein steiniger Weg, der nie gerade verläuft.

Der Roman Auf der Bühne des Lebens”, in einer leicht leserlichen Sprache verfasst vom Überlebenskünstler Siegfried Siegmund, ist sehr spannend und gleichzeitig fordernd, also empfehlenswert.

Helmut LEONBACHER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.