Unerschöpflicher Fundus

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Dritter Band der Deutsch-Kreutz gewidmeten Trilogie

Ausgabe Nr. 2967

Moderator Robert Schwartz, der auch das Vorwort verfasst hat, Sophia Folberth, die Autorin Ruxandra Hurezean und Liane Junesch, die zu den Mitdiskutanten gehört hat (v. l. n. r.) bei der Buchvorstellung im Erasmus-Büchercafé.                                                                                                 Foto: Privat

Im Erasmus-Büchercafé ist immer Bewegung. Aber selten so viel, wie bei der am 20. Juni erfolgten Vorstellung des dritten Bandes der Deutsch-Kreutzer Trilogie, der unter dem Titel „Viața cu celălalt. Poveste despre oameni, limbi si rânduieli la sașii din Criț“ in dem Klausenburger Verlag Presa Universitara Clujeana erschienen ist. Mit gutem Grund, muss man sagen: Erstens kennt man mittlerweile die Autorin Ruxandra Hurezean als engagierte Journalistin, die auch die ersten beiden Bände verfasst hat. Zweitens war die Erzählerin Sophia Folberth anwesend. Sie hat den Stoff für das Buch geliefert.

Wenn eine rumänische Journalistin in das Leben der Siebenbürger Sachsen eintaucht, ist das insofern eine Besonderheit, als sie nicht befangen ist und man nicht von Lobhudelei sprechen kann. Ruxandra Hurezean ist beeindruckt, ja begeistert von der wohlüberlegten Lebensordnung (rânduiala), dem Gemeinschaftssinn, dem Fleiß und dem Traditions- und Geschichtsbewusstsein der Siebenbürger Sachsen. Dabei hat sie gründlich recherchiert, hat stundenlang gefragt, sich erzählen lassen, E-Mails geschrieben, um möglichst viel und am besten aus erster Hand zu erfahren.

Im Unterschied zu den ersten beiden Bänden, die bereits auch auf Deutsch erschienen sind, geht es in diesem Band nicht nur um die Deutschkreutzer Sachsen, sondern vor allem um das Zusammenleben mit den anderen Nationalitäten im Dorf, wie es der Titel des Buches suggeriert. Aus dem unerschöpflichen Fundus der Erinnerungen von Sophia Folberth hat die Autorin Geschichten gesammelt, etwa über den ersten Rumänen, der ins Dorf kam oder den Fußballspieler Klein. Ebenso erfahren wir von Roma, Ukrainern, Italienern, Amerikanern, die kamen, eine Weile im Dorf lebten oder gar geblieben sind.

Ruxandra Hurezean: Viața cu celălalt. Poveste despre oameni, limbi și rânduieli la sașii din Criț. Presa Universitară Clujeană Klausenburg 2026, 168 Seiten, ISBN 978-606-37-2941-6, 49 Lei.

Der unbestrittene Star der Lesung (Sophia mag diese Bezeichnung sicher nicht), war Sophia Folberth, die mit ihren mittlerweile 104 Jahren zwar nicht mehr gut sieht, aber im Geiste hellwach ist – physisch auch; sie macht täglich Kniebeuge!. Mit ihren Beiträgen beeindruckte und begeisterte sie das Auditorium. Eine „einfache“ Frau ohne Hochschulbildung, die mit ihrem gesunden Menschenverstand, mit ihrem Mut, mit ihrer Ausdauer, mit einer guten Portion Idealismus, gepaart mit Pragmatismus zum Gedächtnis eines sächsischen Dorfes geworden ist und damit beispielhaft für viele siebenbürgisch-sächsische Dörfer.

Sophia hat bei aller Prominenz, die sie mittlerweile erreicht hat, nie die Demut verloren und die Dankbarkeit, dass sie mit Gottes Hilfe ihren Beitrag leisten konnte.

Sophia ist es schließlich zu verdanken, dass der Deutschkreutzer Unternehmer Michael Schmidt mit seiner Stiftung unzählige Projekte fördert, die zum Erhalt, der Pflege und der Weitergabe der siebenbürgisch-sächsischen Kultur beitragen. Sophia erzählte, dass sie am Anfang ihres Weges zurück ins Dorf, dessen Kirche und Kirchhof verlassen und verwahrlost waren, überlegte, was man tun könnte. So wie jeder Weg mit einem ersten Schritt beginnt, fing Sophia nicht mit großen Projekten an, sondern sammelte erstmal den Müll ein. Michael Schmidt staunte, als er das sah. Dieses war die Initialzündung für sein Engagement.

Die Deutschkreutzer Trilogie ist mit Unterstützung der Stiftung Michael Schmidt entstanden. Mögen viel Leserinnen und Leser in den Genuss dieses wertvollen Zeitdokuments kommen.

Annette KÖNIGES

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.