Streiflichter von der 17. Auflage der Hungarikum-Tage
Ausgabe Nr. 2967

Die Mannschaft „A barátok“ aus Hermannstadt setzte sich in der Kategorie Gulasch durch. Foto: Werner FINK
Zwischen dem 3. und 5. Juli fand die 17. Auflage der Hungarikum-Tage statt. Eröffnet wurde die Veranstaltung am Freitag mit der Vernissage der Ausstellung „Kallós 100“ im Schatzkästlein auf dem Kleinen Ring wo die Besucher mehr über das Leben und Werk des siebenbürgisch-ungarischen Volkskundlers und Volksmusiksammlers Zoltán Kallós erfahren konnten. Später ging es ins ASTRA-Freilichtmuseum, wo beim Haus aus Korond eine zweite Vernissage mit Fotos von Kallós stattfand. Der Höhepunkt war wie immer der Gulaschkochwettbewerb am Samstag, an dem dieses Mal 22 Mannschaften in 25 Kesseln kochten. Das Wettkochen wurde wie immer von einem reichen Kulturprogramm begleitet. Insgesamt 6.500 Besucher sollen das Freilichtmuseum an diesen drei Tagen besucht haben.
Kallós ist 1926 in Válaszút/Răscruci geboren und 2018 ebenda gestorben. Er widmete sein Leben der Dokumentation und Bewahrung der traditionellen Volkskultur, insbesondere der ungarischen, darunter der Csángós in der Moldau, aber auch der rumänischen und der Roma-Volksmusik. Mit Tonbandaufnahmen, Fotografien und schriftlichen Aufzeichnungen sammelte er ab den 1960er Jahren Tausende von Volksliedern, Balladen, Tänzen und Bräuchen – häufig in abgelegenen Dörfern, in denen diese Traditionen noch lebendig waren.

„Kallós 100“. Unter diesem Titel steht die Ausstellung im Schatzkästlein auf dem Kleinen Ring, mit deren Vernissage die 17. Auflage der Hungarikum-Tage eröffnet wurde. In der Ausstellung, die noch heute, morgen und übermorgen zu besichtigen ist, können die Besucher mehr über das Leben und Werk des siebenbürgisch-ungarischen Volkskundlers und Volksmusiksammlers Zoltán Kallós (1926-2018) erfahren. Unser Bild: Im Rahmen der Vernissage brachte das Trio „Figura“ aus Válaszút/Răscruci, dem Geburtsort des Volkskundlers, Volkslieder, die von Kallós gesammelt wurden, zu Gehör. Foto: Werner FINK
Kallós setzte sich auch für die Weitergabe der siebenbürgischen Volkstraditionen sowie für die Förderung und Bildung der ungarischen Minderheit in den Streusiedlungsgebieten ein.
Zu seinen zahlreichen Leistungen zählt u. a. auch die 1992 erfolgte Gründung der Kallós-Zoltán-Stiftung, eine vielseitige Institution, deren Tätigkeitsspektrum auf der Bildungsarbeit, der kulturellen Gemeinwesensarbeit sowie der Pflege und Betreuung der ethnografischen Sammlung ihres Namensgebers beruht.

Museologin Dr. Karla Roșca führt den Ungarischen Konsul Szabolcs János Fábry durch das Haus aus Korond.
Konsul Szabolcs János Fábry vom Ungarischen Generalkonsulat in Klausenburg erinnerte im Rahmen der Vernissage im Schatzkästlein daran, dass im Haus der Traditionen in Budapest 14.000 Aufnahmen von Kallós aufbewahrt werden. „Drücken wir unseren Kindern Traditionen in die Hand“, meinte Fábry. Auch Kallós soll seiner eigenen Aussage nach nicht „für die Truhe“ gesammelt haben.
Zolt Karácsonyi, für die Kultur zuständiger stellvertretender Geschäftsführer des Ungarnverbandes (UDMR) sagte in seinem Grußwort, er freue sich immer wieder, nach Hermannstadt zurückzukehren zu dürfen und hob die Wichtigkeit der Bewahrung von Werten mit einem Zitat von Kallós Zoltán hervor: „Wir sind Ungarn, so lange wir ungarisch singen und ungarisch tanzen“.

Die Zithergruppe aus Hermannstadt unter der Leitung von Júlia Bucz (2. v. l.) .
Das Motto, unter dem das Schatzkästlein am Kleinen Ring restauriert wurde, lautete „Făurind Transilvania” (Siebenbürgen gestaltend), betonte Mirela Crețu, Direktorin für Pavillonmuseen und Kulturerbemanagement im Rahmen des ASTRA-Museums und zugleich die Gastgeberin der Ausstellung im Schatzkästlein, und erklärte dazu: „Wir haben diesen Raum eröffnet, damit wir gemeinsam erkennen, wie dieses Siebenbürgen gestaltet wurde, die einen neben den anderen, zusammen“.
Kallos habe nicht nur Volkslieder, Balladen, Märchen oder Gegenstände gesammelt, sondern Menschen, Gemeinschaften, Geschichten zusammengeschlossen, meinte Gyöngyi Balázs Bécsi, Direktorin der Kallós Zoltán Stifung aus Választút/Răscruci. Er habe uns gezeigt, dass die Tradition nicht die staubige Erinnerung der Vergangenheit ist, sondern es ist die erhaltende Kraft, die nötig ist, um Gemeinschaft, Glauben und Zukunft zu bauen. Bécsi hob Hermannstadt als ein schönes Beispiel des jahrhundertealten Zusammenlebens und Aufeinanderwirkens und der gegenseitigen Bereicherung der siebenbürgisch-sächsischen, ungarischen und rumänischen Kultur hervor. Es sei ein Ort, wo die verschiedenen Gemeinschaften nicht nur nebeneinander lebten, sondern sich gegenseitig Werte und Traditionen, Wissen und menschliche Erfahrungen vermittelt haben. „Diese Vielfalt lässt Siebenbürgen zur Besonderheit werden und diesem Reichtum hat auch Kallós Zoltán sein ganzes Leben lang gedient“, meinte sie. Die Sammlung in Válaszút/Răscruci zeige genau das: Sie beherbergt nicht nur bedeutende ungarische Werte, sondern auch siebenbürgisch-sächsisches und rumänisches Kulturgut, weil für Kallós Zoltán das siebenbürgische Erbe immer ein gemeinsames Erbe aller hier lebenden Ethnien gewesen war. Im Rahmen der Vernissage brachte das Trio „Figura“ aus Válaszút Volkslieder, die von Kallós gesammelt wurden, zu Gehör.

Die Mannschaft „Gustul de vită Highland“, Gewinner der Kategorie „Andere Gerichte“.
Gekocht wurde im Freilichtmuseum übrigens an allen drei Tagen. Der Höhepunkt war aber wie immer der Gulaschkochwettbewerb am Samstag.
Die Jury, deren Vorsitzender dieses Mal Zsolt Berta aus Kecskemét war, hatte es auch dieses Mal nicht leicht. In der Kategorie „Gulasch“ ging der erste Platz an das Team „Barátok” (Die Freunde, Hermannstadt), der zweite an „Ceaunul cu povești” (Der Kessel mit Märchen, Kronstadt) und der dritte Platz an „Homo Novus” aus Schäßburg. In der Kategorie „andere traditionelle Gerichte” ging der erste Platz an das Team „Gustul de Vită Highland” (Bólya/Buia), der zweite Platz an „Kollégák” (Die Kollegen, Szeklerburg) und der dritte Platz an „Homo Novus”.

Hauptveranstalter Levente Serfőző (1. v. r.) und seine Volontäre.
Eine Neuigkeit war, dass dieses Jahr auch für die Präsentation Preise vergeben wurden. So landete in dieser Kategorie die Mannschaft „Kollégák” auf dem ersten, „Barátok” auf dem zweiten und „Ceaunul cu povești” auf den dritten Platz.
Im Laufe des Wochenendes traten die Volkstanzgruppe aus Székelykál/Călușeri, das Volkstanzensemble „Bíborka“ aus Marosfelfalu/Suseni, der Männerchor aus Ditró/Ditrău, die Band „Skanzen”, die Zithergruppe aus Hermannstadt, die Héva-Band, die Sängerin Szilvia Vajda, der gemischte Chor „Cantus Firmus“ aus Sankt Georgen sowie die Band „Tokos“ auf. Außerdem fand ein kurzer Tanzunterricht statt. Großen Erfolg hatte auch die Rubik-Würfel-Vorführung, geboten von dem Jungen Ștefan Cosma.

Jede Kochstelle hatte ihr Publikum.
Fotos: Werner FINK
Auch die jüngsten Besucher kamen nicht zu kurz. Die Riesenspiele der „Népi Fajátékok“ sowie die Waldschule „Kalibáskő“ sorgten mit einer Jurte, und Mitmachangeboten im Kunsthandwerk für Unterhaltung. In der „Straße der Handwerker“ konnten verschiedene traditionelle Handwerke ausprobiert werden. Gál Orsolya begeisterte die Kinder mit einem Banater Volksmärchen.
Am Sonntag kochten die eingeladenen Köche aus Ungarn auf den Feuerstellen im Dorfmarkt und bereiteten traditionelle ungarische Gerichte zu, die anschließend auch von den Besucherinnen und Besuchern verkostet werden konnten.
„Als wir dieses Festival starteten, hatten wir uns drei Familien im ASTRA-Freilichtmuseum im Jungen Wald beim Haus auf dem Gehöft eines Töpfers aus Korond versammelt“, erinnerte sich Hauptveranstalter Levente Serfőző an die Anfänge. „Daraus wurde ein großes Festival, ich könnte sagen, es ist organisch gewachsen“.
Werner FINK