Grenzenlos Deutsch lernen

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Rückblick auf Projekte und Veranstaltungen des ZfA im Mai und Juni 2026

Ausgabe Nr. 2968

Empfang der Teilnehmenden des Poetry Slam Workshops „Deutsch. Demokratie. Donau“ in der Österreichischen Botschaft in Bukarest mit I. E. Botschafterin Ulla Krauss-Nussbaumer und dem Leiter des Österreichischen Kulturforums Leopold Unger, sowie der österreichischen Poetry Slammerin Katharina Wenty und der ZfA-Fachberaterin Sabine Maya Schlattner.
Foto: Privat

Unter dem Motto „Grenzenlos Deutsch lernen“ haben im Mai und Juni mehrere Projekte und Veranstaltungen stattgefunden, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Bonn finanziert worden sind. Es handelt sich um die Projekte „DDD – Donau. Deutsch. Demokratie.“, „Jugend debattiert. Rumänien“, einen Schüleraustausch zwischen dem Kronstädter Honterus-Gymnasium und der Deutschen Schule Pretoria, eine Studienfahrt auf den Spuren von Ion Luca Caragiale in Berlin, das Sprachcamp „Deutsch am Meer“ in Bulgarien.

 

Vom 11. bis 13. Mai 2026 wurde Bukarest zum Treffpunkt für junge Stimmen aus ganz Rumänien: 13 Schülerinnen und Schüler nahmen am Projekt „DDD – Donau. Deutsch. Demokratie.“ der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) teil. Manche von ihnen hatten dafür eine Anreise von bis zu 16 Stunden auf sich genommen.

Im Mittelpunkt stand ein großes Thema mit vielen Facetten: Demokratie. Unter der Leitung der österreichischen Poetry-Slammerin Katharina Wenty wurde geschrieben, performt, diskutiert und auch gewetteifert – mit viel Kreativität und noch mehr Energie.

Dabei entstanden Texte, die ebenso humorvoll wie nachdenklich waren: ein politischer Wetterbericht, in dem aus dem Osten dunkle Wolken aufziehen, oder die Stimme eines Wahlzettels, der seine eigenen Wähler kommentiert – ironisch, überraschend und pointiert.

Das internationale Finale findet im Oktober 2026 in Sofia statt. Dort treffen die rumänischen Teilnehmenden auf Teams aus Bulgarien, Ungarn und der Slowakei. Zehn Schülerinnen und Schüler aus Rumänien werden dann erneut dabei sein.

Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten: den Schülerinnen und Schülern, den begleitenden Lehrkräften sowie der ZfA für die Finanzierung. Ebenso der Österreichischen Botschaft und dem Österreichischen Kulturforum für den herzlichen Empfang in der Residenz sowie der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft für die Unterstützung bei der Präsentation.

Vor allem aber gilt der Dank Katharina Wenty, die es geschafft hat, die Jugendlichen zu begeistern, zu motivieren und über sich hinauswachsen zu lassen.

Am 21. und 22. Mai 2026 fand am „Ovidius“-Lyzeum in Constanța das Landesfinale von „Jugend debattiert Rumänien“ statt. Schülerinnen und Schüler aus Bukarest, Klausenburg und Temeswar kamen zusammen, um ihre Debattenkompetenz unter Beweis zu stellen. Insgesamt nahmen landesweit 18 Schulen und 36 Jugendliche am Wettbewerb teil. Begleitet wurde die Veranstaltung von Sabine Maya Schlattner, ZfA-Fachberaterin für Deutsch in Süd- und Ostrumänien sowie der Republik Moldau.

Dem Finale vorausgegangen war der gemeinsame Landesvorentscheid mit Bulgarien Mitte April in Warna. Die seit fünf Jahren bestehende Kooperation zwischen beiden Ländern fördert den internationalen Austausch und stärkt die Vernetzung deutschsprachiger Schulen. Organisiert wird sie von den Landeskoordinatorinnen Zhanina Peteva (Bulgarien) und Lisa Festring (Rumänien).

Im Halbfinale debattierten die Teilnehmenden über die Abschaffung der Mietpreisbremse in Deutschland, im Finale über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Debatten überzeugten durch fundierte Argumentationen, sprachliche Sicherheit und ein hohes Maß an Sachkenntnis. Die Jury, zu der unter anderem die Fachschaftsberaterinnen Silke Zimmermann und Berna Budur gehörten, würdigte das außergewöhnlich hohe Niveau der Beiträge.

Für das internationale Finale in Berlin qualifizierten sich Mihnea Gadici vom Colegiul Național „Tudor Vianu“ in Bukarest und David Peța vom Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Temeswar. Sie werden Rumänien im September vertreten.

Nachdem eine Schülergruppe des Honterusgymnasiums Kronstadt bereits im Oktober 2025 die Deutsche Schule Pretoria besucht hatte, folgte vom 29. Mai bis 7. Juni 2026 der Gegenbesuch der südafrikanischen Gäste in Rumänien. Die Wiedersehensfreude war groß, denn während des Aufenthalts in Pretoria waren bereits viele Freundschaften entstanden, die nun weiter vertieft werden konnten.

Zum Auftakt verbrachte die Gruppe einen Tag in Bukarest. Dort standen ein Spaziergang durch die historische Altstadt, eine Führung durch den imposanten Parlamentspalast sowie ein Besuch beim Rumänischen Rundfunk, Radio România, auf dem Programm. So erhielten die Gäste erste spannende Einblicke in die rumänische Geschichte, Politik und Medienlandschaft.

Anschließend ging es zusammen mit Austauschpartnerinnen und -partnern nach Kronstadt, wo die südafrikanischen Schülerinnen und Schüler in den Gastfamilien wohnten. Neben dem Familienleben spielte der schulische Austausch am Honterusgymnasium eine zentrale Rolle. Nach einem offiziellen Empfang präsentierten beide Schulen ihre Länder, Kulturen und Schulprofile. Gemeinsam besuchten die Jugendlichen die Schwarze Kirche, nahmen an der feierlichen Absolventengala in der Aula der Transilvania-Universität teil und erkundeten bei einer Stadtrallye die historische Altstadt von Kronstadt.

Auch die Region Siebenbürgen wurde gemeinsam entdeckt. Zu den Höhepunkten gehörten Ausflüge zum Bärenreservat in Zărnești, zum Schloss Bran, zur Burg Rosenau sowie zur Kirchenburg Honigberg. Weitere beeindruckende Stationen waren Schloss Peleș in Sinaia und das Schloss Cantacuzino in Bușteni. Die Schülerinnen und Schüler erhielten dabei spannende Einblicke in die Geschichte, Kultur und Natur Rumäniens.

Darüber hinaus sorgten zahlreiche gemeinsame Aktivitäten für unvergessliche Erlebnisse: eine Choraufführung in der Schwarzen Kirche, ein Grillfest, Ausflüge nach Hermannstadt und Schäßburg, Volkstanzvorführungen sowie ein Besuch der Schulerau standen auf dem Programm. Besonders beeindruckend war für die Gäste die Teilnahme an der Absolventengala mit traditionellen Volkstänzen.

Den Abschluss bildeten eine gemeinsame Projektbewertung mit Eltern, Gastfamilien und Lehrkräften sowie ein gemütliches Abschiedsessen. Dabei wurden Erinnerungen ausgetauscht, Erlebnisse reflektiert und die neu gewonnenen Freundschaften gefeiert.

Bereits zum dritten Mal in Folge fand Anfang Juni das internationale Sprachcamp „Deutsch am Meer“ statt, das durch die ZfA und den DAAD gefördert wird. Gastgeber war erneut der bulgarische Küstenort Kiten am Schwarzen Meer. Insgesamt nahmen 40 DSD II-Schülerinnen und Schüler aus Rumänien, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Bosnien-Herzegowina teil. Begleitet wurden sie von den ZfA-Fachberatungen Sabine Maya Schlattner, Andreas Welsch, Heike Neyens, Gertrud Rehner-Braisch und Sybille Schabanska der jeweiligen Länder, Ortslehrkräften, einer DAAD-Lektorin, Germanistikstudierenden sowie Kulturweit-Freiwilligen.

Im Mittelpunkt standen Workshops zur Vorbereitung auf die DSD-II-Prüfung. In international gemischten Gruppen arbeiteten die Jugendlichen an Themen wie Grafikanalyse, schriftlicher und mündlicher Kommunikation sowie aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. Besonders geschätzt wurden der intensive Austausch und die Möglichkeit, Deutsch in einem internationalen Umfeld aktiv anzuwenden.

Ein weiterer Höhepunkt war der „Europa-Tag“. Nach dem gemeinsamen Anschauen des dystopischen Films „Die kommenden Tage“ diskutierten die Teilnehmenden über Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, gesellschaftlichen Wandel und die Zukunft Europas. Dabei entstanden spannende Gespräche, in denen die Jugendlichen unterschiedliche Perspektiven kennenlernten und ihre Argumentationsfähigkeiten weiterentwickelten.

Für Abwechslung sorgte ein Ausflug zum Natur- und Kulturdenkmal Beglik Tasch an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Die Wanderung durch das beeindruckende Naturschutzgebiet vermittelte nicht nur Einblicke in die Geschichte Bulgariens, sondern sensibilisierte auch für den Schutz natürlicher Ressourcen.

Neben dem fachlichen Programm kam das Miteinander nicht zu kurz. Beim Länderabend präsentierten die Teilnehmenden ihre Heimatländer, während Quiz-, Spiele- und Karaokeabende für gute Stimmung sorgten. Neue Freundschaften entstanden schnell, und viele Jugendliche gewannen deutlich mehr Sicherheit beim Sprechen auf Deutsch.

Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen: Schülerinnen und Schüler bereiten sich auf das DSD vor, Germanistikstudierende sammeln erste Unterrichtserfahrungen und Lehrkräfte nutzen die Gelegenheit zur internationalen Vernetzung. So entstanden bereits neue Ideen für gemeinsame Projekte und Fortbildungen.

Auch 2026 zeigte „Deutsch am Meer“ eindrucksvoll, wie Sprachförderung, interkultureller Austausch und internationale Zusammenarbeit erfolgreich miteinander verbunden werden können.

Ein Jahrhundert später folgten Jugendliche Caragiales Spuren: Wie fühlt es sich an, Berlin durch die Augen eines rumänischen Schriftstellers zu entdecken, der die Stadt bereits vor mehr als hundert Jahren beschrieben hat? Dieser Frage gingen 13 Schülerinnen und Schüler des Bukarester „Ion Luca Caragiale“ Nationalkollegs während einer fünftägigen Studienfahrt in Berlin nach.

Die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) geförderte Reise verband Literatur, Geschichte, Politik und Alltagskultur mit den DSD-II-Themen „Wohnen in Deutschland“ und „Medien in Deutschland“. Begleitet wurden die Jugendlichen von Lehrkräften des Nationalkollegs, die die Fahrt zugleich zur Entwicklung neuer Unterrichtsmaterialien nutzten.

Im Mittelpunkt stand Ion Luca Caragiale, der seine letzten Lebensjahre in Berlin verbrachte und seine Eindrücke in zahlreichen Briefen festhielt. Bereits 1905 schrieb er begeistert: „Wir gehen auf einem großen Boulevard – dem Kurfürstendamm. Wir bleiben vor einem Luxusgeschäft stehen, es heißt Kunstausstellung, mit neuesten Kunstwerken von Autoren aller Nationen.“

Mehr als ein Jahrhundert später stehen die Schülerinnen und Schüler am selben Ort und vergleichen ihre Eindrücke mit denen des Namensgebers ihrer Schule und beeindruckte die Jugendlichen. Tudor Lică berichtet: „Ich war begeistert von der Größe der Stadt. Das öffentliche Verkehrssystem wirkt auf den ersten Blick sehr kompliziert, aber nach ein wenig Zeit habe ich es ganz intuitiv gefunden.“

Besonders bewegend war der Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Alexia Maniu und David Mihai betonten: „Das Denkmal zeigt uns, dass niemand vergessen wird, und lehrt uns, dass die Menschenwürde ein grundlegendes und unverzichtbares Prinzip ist.“

Weitere Stationen waren der Deutsche Bundestag und die East Side Gallery, die Demokratie und Freiheit anschaulich erfahrbar machten.

Bei Workshops im Humboldt Forum und im Museum für Kommunikation beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Entwicklung der Medien. Dabei boten auch Caragiales Briefe einen historischen Blick auf Kommunikation: „‚Wilmersdorf bei Berlin‘ wird als ein einziges Wort berechnet. […]man darf „Hohenzollernplatz“ nicht vollständig schreiben, da ein Wort mit 15 Buchstaben + 1 als zwei Wörter zählt. Es versteht sich von selbst, dass diese Maßnahme ergriffen werden musste, da die Deutschen früher in der Lage waren, eine 20 Wörter lange Nachricht in einem einzigen Wort zu schreiben: Allgemeineberlinerelektrischedroschkenactiengesellschaftsollhabenbilanz.“

Im „Haus der Nachbarschaft“ diskutierten die Jugendlichen mit lokalen Akteuren über Wohnraummangel, Nachbarschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dabei überreichten sie ein selbst gestaltetes Plakat über Caragiale als ehemaligen Bewohner Wilmersdorfs.

Neben zahlreichen kulturellen Programmpunkten blieb vor allem die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart in Erinnerung. Caragiale schrieb einst: „Ich gehe durch keinen dieser Orte, von denen aus sich so viele wunderbare Ausblicke bieten… ohne den Wunsch zu verspüren, ihr wäret hier.“

Die Studienfahrt zeigte eindrucksvoll, wie Literatur lebendig wird, wenn historische Texte mit realen Orten, persönlichen Begegnungen und aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbunden werden.

Lisa FESTRING

Sabine Maya SCHLATTNER

Carol SZABOLCS

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bildung.