Eine Gitarre in Michelsberg

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Solodarbietung in der Konzertreihe in der evangelischen Kirche in Michelsberg

Ausgabe Nr. 2969

Raul Răzvan Guţu führte durch das Programm, ihm zur Seite stand mit der deutschen Fassung Organisator Klaus Philippi.           Fotos: Beatrice UNGAR

Die „Michelsberger Spaziergänge“ sind mittlerweile zu einer Institution geworden: Der Ort ist es immer wert, einen Sonntagsausflug dorthin zu planen – und im Sommer kommen als ein weiterer Anziehungspunkt die Konzerte hinzu. Sie finden sonntags um 17 Uhr in der evangelischen Kirche statt und präsentieren ein Programm, wie es nicht alltäglich ist.

Am 26.Juli war der Gitarrist Raul Răzvan Guţu an der Reihe. Der 35jährige Musiker stammt aus Constanţa, studierte in Bukarest und lebt inzwischen als Gitarrenlehrer in Hermannstadt. Wie es bei der Gitarre naheliegt, konnten die Zuhörer vor allem Musik aus dem iberischen und lateinamerikanischen Raum erleben. Diese Musik ist nicht, wie man meinen könnte, besonders lebhaft und überschwänglich, sondern eher nachdenklich verhalten. Das passte gut in die kleine Kirche, die einen intimen Rahmen bildet.

Barbara Niedermaier und Hans-Jürgen Moritz vor ihrem Lieblingsbild: „Frühling hat die Burg umkränzt/Ihre Schönheit noch ergänzt.“

Guţu begann mit Werken der Komponisten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die sich vor allem an den Stilen der „Klassik“ orientierten. So schrieb Fernando Sor Variationen über ein Lied des Papageno aus Mozarts Zauberflöte, und auch bei Introduktion und Rondo von Dionisio Aguado klang sehr viel Mozartisches an. Kontrastreicher wurde es dann mit der „Kathedrale“ von Agustion Barrios, dem Musiker aus Paraguay, der mit seinen Reisen durch Lateinamerika vieles an Musik aufsaugte, was diese Länder zu bieten haben. So klingen in der „Kathedrale“, die eine Erinnerung an die großartige Hauptkirche von Montevideo/Urugay ist, Nachdenkliches mit brasilianischen Klängen an, aber auch Klangräume, wie sie in den Präludien von Bach bereits zu hören sind, bei denen sich über einer Basslinie alle denkbaren Varianten von Harmonien auftürmen – im Konzert sehr plastisch hervorgehoben von Guţu.

Musikalisch weiter ging es dann nach Brasilien mit „Eterna Saudade“ einem Walzer, in dem die Sehnsucht und Nachdenklichkeit, wie sie durch das berühmte portugiesische Wort ausgedrückt wird, sich widerspiegeln.

Dass in der spanischen Gitarrenmusik der Einfluss Andalusiens mit seiner arabischen Geschichte unüberhörbar ist, zeigte sich in zwei weiteren Stücken von Francisco Tárrega und dem bekannten Joaquín Rodrigo.

Mit einem modernen Stück des Franzosen Roland Dyens – in Tunesien geboren – wurde die ruhige Musik zunächst fortgesetzt, endete dann aber in einer kraftvollen, rhythmisch geprägten Musik, die Anklänge an Jazz und Rockmusik aufblitzen ließen.

Im Anschluss fand die Vernissage der Ausstellung „Es war einmal… und ist noch immer. Eine Hommage an die Michelsberger Burg mit Fotografien von Barbara Niedermaier und Zweizeilern von Hans-Jürgen Moritz in der Alten Schule statt und dort gab es auch Kaffee und Hanklich.

Elisabeth DECKERS

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein.