,,Es geht um Gemeinschaft und Heimat“

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Ausgabe Nr. 2971

Auftakt zu den ,,Festtagen in Siebenbürgen“: das erste Michelsberger Burgfest

Auf dem Weg zur Burg erhielten die vielen aus Deutschland Angereisten in der schmucken Michelsberger Tracht herzlichen Beifall. Foto: Beatrice UNGAR

 

„Wenn wir heute hier auf der Burg zusammenkommen, dann geht es um weit mehr als um ein Fest. Es geht um Gemeinschaft. Um Erinnerung. Und vor allem um Heimat. Viele Michelsberger haben vor Jahrzehnten ihre Koffer gepackt und sind nach Deutschland ausgewandert. Aber Michelsberg ist trotzdem mitgegangen. In den Erinnerungen, in der Sprache, in den Liedern und Bräuchen, in den Geschichten, die den Kindern und Enkelkindern erzählt wurden. Und deshalb ist das, was heute geschieht, vielleicht mehr als ein Wiedersehen. Für viele von Ihnen ist es eine Heimkehr.“ Mit diesen Worten begrüßte der DFDH-Vorsitzende Gabriel Tischer alle Anwesenden am Freitag auf der Michelsberger Burg beim ersten Burgfest, das zugleich auch den Auftakt zu den „Festtagen in Siebenbürgen“ darstellte.

Die „Festtage in Siebenbürgen“ wurden unter dem Motto „Vom Alten Land um Hermannstadt bis zum Harbachtal“ vom 7. bis 16. August von der Regionalgruppe Hermannstadt-Harbachtal im Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e. V. organisiert und fanden bzw. finden in 16 Gemeinden und Ortschaften statt: Michelsberg, Henndorf, Alzen, Neppendorf, Hundertbücheln, Agnetheln, Roseln, Kleinschenk, Neithausen, Schönberg, Großschenk, Großau, Holzmengen, Hahnbach, Heltau und Hermannstadt.

Tischer, der die Veranstaltung oben moderierte, begrüßte die Anwesenden, die den Aufstieg auf die Burg auf sich genommen hatten, in der romanischen Basilika nicht nur als Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt, sondern auch als jemand, der seit über zwanzig Jahren in Michelsberg lebt. Der in Mühlbach geborene Tischer stellte dabei fest: Heimat kann auch der Ort sein, an dem man geblieben ist. An dem man Freunde hat, Verantwortung übernimmt, sich freut, sich manchmal auch ärgert – und irgendwann ganz selbstverständlich sagt: Ich fahre nach Hause.

In der romanischen Basilika gab es Grußworte, zwei Tanzgruppen traten auf (im Bild die rumänsiche vom Heltauer Kulturhaus) und die Isartaler Adjuvanten boten musikalische Einlagen. Foto: Laura MICU

Der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Michelsberg als Organisatorin und der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Michelsberg als Gastgeberin ist es gelungen, zahlreiche nach Deutschland ausgewanderte Michelsbergerinnen und Michelsberger zu einem Treffen nach Hause zu bringen. Die HOG hatte dafür sogar eine Fahne anfertigen lassen, die beim Aufstieg vorangetragen worden war. Am ersten Michelsberger Burgfest nahmen alle teil, die dieser Burg verbunden sind: aktuelle und ehemalige Bewohner Michelsbergs, Gäste aus der Region und aus Deutschland, Menschen verschiedener Herkunft, die Michelsberg kennen und schätzen.

Dies kam auch im Grußwort von Pfarrer László-Zorán Kézdi zum Ausdruck: „Gerade deshalb verbindet diese Burg Vergangenheit und Gegenwart. Sie stand hier, als eure Großeltern Kinder waren. Sie steht heute noch, und in der kommenden Woche bekommt sie ein neues Dach. Die Dachziegel werden mit einem Hubschrauber heraufgebracht. Auch das gehört inzwischen zu ihrer Geschichte. Diese Burg erinnert uns daran, dass Heimat nicht nur das ist, was einmal war. Heimat lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und weiterbauen. Das ist auch der Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde. Sie feiert Gottesdienste, bewahrt die Kirche, den Friedhof und die Burg, gestaltet Feste und öffnet ihre Türen für Menschen aus dem Dorf und aus aller Welt. Sie versteht sich als gastfreundliche Gemeinde. Michelsberg soll ein Ort bleiben, an dem Erinnerung ihren Platz hat und zugleich neue Begegnungen möglich werden. Wer hierher zurückkehrt, soll nicht nur vertraute Mauern wiederfinden, sondern vor allem aber offene Türen und Menschen, die sagen: Schön, dass ihr da seid.“

Rainer Lehni, der Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Präsident der Föderation der Siebenbürger Sachsen sagte: „Wir Siebenbürger Sachsen bewegen uns heute nicht mehr nur in unserem eigenen Kreis, als Weltbürger stehen wir für eine offene und verbindende Gesellschaft, die ihre Traditionen immer wieder an dei neuen Zeiten anpasst.“ Das Burgfest bezeichnete Lehni als ein bemerkenswertes Zeichen der Verbundenheit über Grenzen hinweg.

So traten neben der 2015 gegründeten Michelsberger siebenbürgisch-sächsischen Tanzgruppe der HOG auch die Kinder von der rumänischen Volkstanzgruppe des Heltauer Kulturhauses auf.

Moderator Tischer erinnerte daran, dass es zwischen den Michelsbergern hier und den Michelsbergern in Deutschland noch einen wichtigen Partner gibt, die Stadt Heltau, zu der Michelsberg heute gehört und bat Bürgermeister Mircea Orlățan um sein Grußwort, nachdem Bischof Reinhart Guib und der HOG-Vorsitzende Manfred Schuur die Anwesenden begrüßt hatten.

Musikalisch begleitet haben sowohl den Aufstieg auf die Burg als auch das Kulturprogramm daselbst die Isartaler Adjuvanten. Die Gruppe wurde 2018 in Geretsried gegründet, zählt heute 15 Musiker – Siebenbürger Sachsen, Egerländer und Bayern – und steht unter der Leitung von Peter Wagner und Thomas Kieltsch.

Zum Abschluss dankte Tischer ganz besonders Marius Tuță, dem Leiter des Heltauer Kulturhauses. für dessen unkomplizierte Unterstützung.

Das Burgfest wurde dann unten im Dorf auf dem Hauptplatz fortgesetzt, wo man bei den Klängen u. a. der Band „Sunrise“ bei Hanklich, Mici und anderen leckeren Speisen feiern konnte.               B. U.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein, Gesellschaft, Im Jahreslauf.