Transilvania | Extravaganza: 130 Werke des Künstlers Ștefan Câlţia sind zu sehen
Ausgabe Nr. 2964

Ștefan Câlția beim HZ-Gespräch. Einige Stunden danach wurde er von Präsident Nicușor Dan mit dem Nationalorden „Stern von Rumänien“ im Rang eines Ritters ausgezeichnet. Foto: Cynthia PINTER
Ștefan Câlția (geb. 1942) ist einer der wichtigsten zeitgenössischen rumänischen Künstler und bereitet seit mehr als fünf Jahren eine Ausstellung vor, die im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals (FITS) gezeigt werden kann. Dieses Jahr war es endlich soweit und Transilvania | Extravaganza, die größte Ausstellung des Malers, kann bis 16. August im ehemaligen Pädagogischen Lyzeum im Ursulinenkloster besichtigt werden. Mit der HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u führte er ein Gespräch, das weniger konventionell war: „Stellen Sie mir einfach eine Frage, damit Sie mich anregen, und ich erzähle den Leuten aus Hermannstadt etwas, damit wir uns wohlfühlen“, erklärte er ein paar Stunden vor der Vernissage am 19. Juni.
Wie ist die Lage der heutigen rumänischen Kunst?
Wenn wir mit der rumänischen Kunst auf einen guten Weg kommen wollen, müssen wir großes Vertrauen in private Initiativen haben. Auch diese Ausstellung und die Öffnung dieser Räumlichkeiten für kulturelle Zwecke verdanken wir mehreren jungen Initiativen: der „Ambulanz für Denkmäler“ („Ambulanța pentru monumente“, ein Projekt mehrerer NGOs), der Posibilă-Galerie, der Ștefan-Câlția-Stiftung und nicht zuletzt der Artep-Kunstgalerie aus Jassy. Den Anstoß dazu gaben die großen Theatermacher, denn das Vorhaben, etwas in Hermannstadt auf die Beine zu stellen, wird schon seit etwa fünf oder sechs Jahren diskutiert. Jahrelang wurde ein Veranstaltungsort gesucht und letztendlich führt das Ganze hierher – und Teil dieses Ganzen ist auch das Brukenthalmuseum. Nur als kleine Anmerkung: Das Brukenthalmuseum war das erste Museum, das ich in meinem Leben gesehen habe. Als ich zehn Jahre alt war, nahm mein Vater drei Kinder – von den insgesamt sechs in der Familie – mit nach Hermannstadt, um das Brukenthalmuseum zu besichtigen. Damals habe ich die Mumie zum ersten Mal getroffen – oder zumindest ist sie mir in Erinnerung gesehen –, die mich beeindruckt und nicht mehr losgelassen hat. Hier gibt es jetzt ein Werk mit dem Titel „Cleopatra“ (das der Künstler dem Bruken-
thalmuseum gespendet hat, Anm. d. Red.), das irgendwie die ganze Geschichte vom Zirkus und von Ägypten erzählt, aber dessen Kern in dieser Erinnerung seinen Ursprung hat.

Sie stellen jetzt in Hermannstadt aus, im ehemaligen Pädagogischen Lyzeum…
Ich bin kein Angsthase, aber als ich nach Weihnachten das Gebäude für meine zukünftige Ausstelleung gesehen habe, war ich überzeugt, dass es nicht klappen wird. Zunächst einmal war ich sehr traurig, weil hier alle möglichen Ganoven wie Ratten gearbeitet haben, das zu zerstören, was nach dem Zusammenbruch des Kommunismus noch übrig geblieben war, die zumindest gesorgt haben, dass ihnen das Dach nicht auf den Kopf fällt. Ich habe von einigen Handwerkern erfahren, dass nach den 90er Jahren die Zugstangen durchgeschnitten wurden, damit die Mauern mit der Zeit verfallen und diese Ganoven tun können, was sie wollen. Und plötzlich entsteht aus diesem Trubel ein Theaterfestival und diese Stiftungen und Vereine schaffen Ordnung und geben mir Raum für meine Kunst. Ich hätte nicht geglaubt, dass das möglich ist, und genau das ist ein Beispiel dafür, was in diesem Land passiert: Es ist möglich. Da will ich auch alle Hermannstädter auffordern, diesen jetzt entstandenen Schneeball weiter zu rollen, damit dieser herrliche Ort, den nur wenige Städte in dieser Größe haben, in ein paar Jahren zu einem kulturellen Zentrum der Stadt wird. Jeder Mensch, der hier vorbeikommt, sollte sagen: „Das gehört mir, ich muss etwas dafür tun.“ Zumindest lasse ich keinen Müll vor diesem Gebäude liegen, ich hebe ihn auf und werfe ihn in die Mülltonne.

Der Künstler Ștefan Câlția (im Hintergrund ganz in weiß) führte die Vertreterinnen und Vertreter der Medien in bewährter Weise durch die Ausstellung. Im Bild links zu sehen ist sein Triptychon „Lumea ca teatru“ (Die Welt ist ein Theater) Foto: Cynthia PINTER
Wie malen Sie?
Ganz einfach. Es gibt so viele Menschen wie es Welten gibt und jeder von uns ist einzigartig. Es gibt kein Rezept dafür. Ich bin aktiv und habe meine eigene Methode – ich glaube gern, dass ich einem Onkel von mir ähnele, der im Hof und von morgens bis abends arbeitete. Für ihn war Arbeit das Leben. Für mich ist dieser Beruf das Leben, natürlich nicht einseitig. Ich zeichne und male, aber ich denke nicht die ganze Zeit daran, denn ich habe eine Familie, ich habe Probleme – man hat von allem etwas. All das summiert sich und ich verspüre das Bedürfnis, davon zu erzählen. Ich muss mit meinen Mitmenschen kommunizieren; ob ich sie liebe oder gegen sie bin, drücke ich durch meine Arbeit aus. Ich schaffe auch Werke, in denen ich über die Härte der Welt, in der wir leben, und über ihren Wahnsinn spreche. In meinen Werken kommen oft Hügel vor und ein Weg… genau wie im Leben, mit Höhen und Tiefen. In dem, was ich mache, gibt es kein Programm, und das ist weder positiv noch negativ. Es gibt Künstler, die bestimmte Thesen haben, ganz klare, präzise Vorstellungen, aber ich mache, was mir gefällt und woran ich glaube. Dabei sind wir immer zu zweit: Ich, der das Werk schaffe, und derjenige, der es betrachten wird. Ich mache das nicht extra für den Zuschauer, sondern wir sind zwei Menschen, die den gleichen Weg gehen und dasselbe betrachten und empfinden, dieselben Freuden oder dieselbe Traurigkeit.
Haben Sie ein Lieblingswerk oder eine Lieblingsserie?
Alle sind meine Favoriten, und mit allen führe ich Gespräche… Was mit dieser Ausstellung passiert ist, die von dieser wunderbaren Dame Liviana Dan sehr gut konzipiert wurde, hat mich gefreut. Es hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht umsonst durch das Leben gegangen bin und es weckt in mir die Lust am Arbeiten, ohne Angst, nach vorne zu gehen, ohne die Furcht, dass ich 20 Jahre oder noch ein, zwei Monate vor mir habe. Ich muss mich darum kümmern, gesund und stark zu sein, damit ich arbeiten und die Welt um mich herum betrachten kann, und um den Abschied kümmert sich der da oben, das ist seine Aufgabe.
Trennen Sie sich leicht von Ihren Werken?
Wenn ich male, dann male ich, weil ich meinen eigenen Gemüsegarten habe und mich darum kümmern muss, aber ich denke nie daran, dass ich das ganze Gemüse selbst essen werde. Ich mag große Ausstellungen, aber fast immer habe ich mir meine Werke in einem Haus vorgestellt, mit Menschen, die dort leben.
Herzlichen Dank.