Hermannstädter Beteiligung an Ausstellung in Krakau
Ausgabe Nr. 2953

Die Engelspietà aus Groß-Kopisch hängt heute in der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche im nördlichen Querschiff. Foto: Beatrice UNGAR
Unter dem Titel „Gotik in den Karpaten” wird am 9. April im Nationalmuseum in Krakau (Muzeum Narodowe w Krakowie) eine Sonderausstellung eröffnet, die sich zum Ziel gesetzt hat, erstmals Kunst aus dem späten Mittelalter aus allen Ländern der Region zu zeigen.
Aus Hermannstadt werden bis zum 9. August insgesamt fünf Exponate zu sehen sein: aus den Beständen des Brukenthalmuseums drei, aus dem Landeskirchlichen Museum eines und eines aus der evangelischen Stadtpfarrkirche.
Aus dem Landeskirchlichen Museum geht die Holzskulptur von Johannes dem Täufer vom Altar der evangelischen Kirche aus Radeln nach Krakau. Der Kurator der Ausstellung, Dr. Wojciech Marcinkowski, schreibt in der Präsentation, es sei „eine bedeutende Attraktion der Ausstellung (…) von Veit Stoss dem Jüngeren, dem Sohn eines berühmten Holzbildhauers, der sich in Kronstadt niedergelassen hat.”
Aus der evangelischen Stadtpfarrkirche wird ein liturgisches Mobiliar in Krakau zu sehen sein. Es handelt sich um eine Engelspietà, eine Schreinskulptur des Flügelaltars der evangelischen Kirche in Groß-Kopisch aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Dr. Heidrun König, die gemeinsam mit Dr. Gudrun Ittu und Dr. Raluca Teodorescu bei der Vernissage dabei sein wird, beschreibt das Exponat so: „Das ehemals ganzfigurige Andachtsbild zeigt den toten Leib Christi, von zwei Engeln getragen. Die Ikonographie der Engelspietà geht auf das apokryphe Petrus-Evangelium zurück. Zugleich ist es eine Ausgestaltung frühmittelalterlicher eucharistischer Liturgie. Der ostentative Verweis auf die Seitenwunde (ostentatio vulnerum) ist die ikonographische Umsetzung dominikanischer Theologie, eine Weiterentwicklung der gregorianischen Imago pietatis und der Leidens-Theologie des 13. Jahrhundert.”
Beatrice UNGAR