Auf Klangreise

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Ausgabe Nr. 2955

Konzertabend in der Kirchenburg in Agnetheln


Die „Maslband” und ihr Gast führten das Publikum in der evangelischen Kirche in der Agnethler Kirchenburg musikalisch durch Südosteuropas Kulturen. Unser Bild: Samuel Freiburghaus, Helga Freude, Monika Nuber und Katharina Wibmer (v. l. n. r.). Foto: Alisa SCHWARZ

Zum Schauplatz eines besonderen musikalischen Abends wurde die Kirchenburg, genauer die evangelische Kirche, in Agnetheln am 16. April: Unter dem Motto „Balkan, Klezmer, Gipsy-Swing, Muzică tradițională“ präsentierte die „Maslband” gemeinsam mit dem Taragot-Spieler Samuel Freiburghaus ein facettenreiches Programm mit Musik aus etwa zehn Ländern Südosteuropas. Bei frühlingshaften 22 Grad und Sonnenschein strömte ein zahlreiches Publikum in die Kirche, die sich rasch bis auf den letzten Platz füllte.

 

Begrüßt wurden die Gäste von Kuratorin Andrea Schiau Gull, die sich erfreut über den großen Zuspruch zeigte. „Ich bin sehr zufrieden. Ich war sehr überrascht“, sagte sie im Anschluss an das Konzert. Wegen des schönen Wetters habe man sogar überlegt, das Konzert in den Garten vor die Kirche zu verlegen. Dass der Innenraum der Kirche trotz der kühlen Temperaturen dem Kirchhof vorgezogen wurde, erwies sich als richtige Entscheidung, nicht zuletzt wegen der besonderen Akustik, sondern vor allem, weil so große Besucherzahlen draußen nicht zu bewältigen gewesen wären, erzählt die Kuratorin.

Auf der Bühne trafen vier Musikerinnen und Musiker mit unterschiedlichen Hintergründen aufeinander, die jedoch musikalisch eine bemerkenswerte Einheit bildeten: Helga Freude (Gesang und Gitarre), Katharina Wibmer (Geige), Monika Nuber (Kontrabass) sowie Samuel Freiburghaus am Taragot. Gemeinsam spannten sie einen weiten Bogen über die Musiktraditionen Südosteuropas, von Rumänien und der Republik Moldau über Serbien und Nordmazedonien bis hin nach Albanien.

Das Programm lebte von seiner Vielfalt: Mal standen gesungene Stücke im Mittelpunkt, mal reine Instrumentalpassagen. Helga Freude überzeugte dabei mit Gesang in mehreren Sprachen, während Katharina Wibmer nicht nur an der Geige, sondern auch an anderen Instrumenten ihr Können zeigte.

Eine besondere Aufmerksamkeit zog sie mit einem eher ungewöhnlichen Instrument auf sich: der sogenannten „vioară cu goarnă“, eine „Geige mit Horn“ (unser Bild links unten), die sich vor allem im Kreis Bihor großer Beliebtheit erfreut. „Die Technik ist wie bei einem Grammophon“, erklärte Wibmer. Sie sei zufällig im Internet darauf gestoßen: „Ich hab Fotos davon gesehen, dass es vor allem auch bei Hochzeiten draußen verwendet wird, da es ein bisschen lauter ist als eine normale Geige.“ Schließlich habe sie ein solches Instrument bei einem rumänischen Geigenbauer gefunden und erworben.

Die musikalische Verbindung innerhalb der Gruppe reicht teilweise Jahrzehnte zurück: „Zu dritt spielen wir schon seit über 30 Jahren zusammen“, berichtete Wibmer über die Zusammenarbeit mit Helga Freude und Monika Nuber. Mit Samuel Freiburghaus stehe sie seit rund drei Jahren gemeinsam auf der Bühne. In dieser vierköpfigen Besetzung war das Konzert in Agnetheln jedoch eine Premiere: „In dieser Viererkonstellation haben wir heute eigentlich das erste Mal zusammen ein Konzert gegeben.“

Für Wibmer ist die Musik Südosteuropas seit langem eine persönliche Leidenschaft. „Mich begeistert diese Melancholie und trotzdem ist da dieses Temperament“, sagte sie. Diese Faszination habe sie immer wieder nach Rumänien geführt, wo sie inzwischen auch ein Haus im Harbachtal besitzt, um sich intensiver mit Musik und Sprache auseinanderzusetzen.

Dass das Konzert gerade in Agnetheln stattfand, geht auf eine bereits bestehende Verbindung zurück. „Ich kenne Katharina Wibmer“, erklärte Andrea Schiau Gull. Nach einem gemeinsamen Auftritt im Vorjahr sei die Idee für eine erneute Zusammenarbeit entstanden. Konkrete Planungen folgten schließlich im März.

Der große Andrang überraschte die Veranstalterin positiv, auch weil mehr junge Besucher als erwartet gekommen waren. „Ich wusste, dass zwei Lehrerinnen kommen würden, aber ich wusste nicht, dass sie die Schüler mitbringen“, so Schiau Gull.

Tobias JARITZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche, Musik.