Mit Humor, Herzlichkeit und Fantasie

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Premiere mit Shakespeare-Inszenierung für Kinder am Gong-Theater

Ausgabe Nr. 2952

Szenenfoto mit Eliza Păuna (links) – die auch für die kindgerechte Adaption der Aufführung zuständig ist – und Gabriel Muncuș.                                  Foto: Cynthia PINTER

Shakespeare für Kinder? Wie sollen Kinder der poetischen Sprache folgen, ohne sich zu langweilen, fragte sich so mancher Erwachsener, als man erfuhr, dass das Stück „Die Geschichte des Königs Lear“ (Povestea Regelui Lear) in rumänischer Sprache im Kinder- und Jugendtheater „Gong“ aufgeführt werden soll. Doch alle, die bei der Premiere am Freitag, dem 20. März und bei den darauffolgenden Aufführungen am Samstag, dem 21. März dabei waren, gingen zufrieden und positiv überrascht von der Vorstellung, die von der Schauspielerin Eliza Păuna für Kinder angepasst und von Ramona Iacob in Szene gesetzt wurde. Die einfache Sprache und das bunte Bühnenbild überzeugte alle von dieser erfolgreichen Aufführung.

Das junge Mädchen Cordelia, gespielt von Eliza Păuna muss bei der Schulfeier ein Gedicht für ihren Vater vortragen und hat großes Lampenfieber. Die Aufregung, der Druck, „die richtigen Worte zu finden“, und der Wunsch, ihren Vater stolz zu machen, überwältigen sie. In diesem Moment taucht Jester auf, gespielt von Gabriel Muncuș. Er ist ihr imaginärer Freund, der Narr aus Shakespeares Stücken, der sie auf eine Reise durch die Zeit und in eine Fantasiewelt mit Puppen einlädt. Sie sind nun die Puppenspieler und sie erzählen dem Publikum die Geschichte von „Will“ Shakespeare und „König Lear“, eine Geschichte über Liebe, Stolz und darüber, wie Worte manchmal die Wahrheit verbergen, anstatt sie zu enthüllen. Ab und zu fallen die beiden Schauspieler aus der Rolle, „machen ein Selfie mit den Puppen”, oder kommen auf den Internet-Trend „Six Seven” zu sprechen, was lautes Gelächter bei den Jüngsten im Publikum auslöst.

Cordelia (Eliza Păuna) bittet ihre Lieblingspuppe Jester (Gabriel Muncuș) um Hilfe.

Mit Puppen und einem Pop-Up Buch als Theaterbühne erzählen die beiden Schauspieler die Geschichte von dem König, der sein Reich an seine drei Töchter Goneril, Regan und Cordelia verteilen will. Er verlangt Liebesbeweise: Die Schmeichlerinnen Goneril und Regan bekommen alles, während die ehrliche Cordelia, die sich weigert falsche Komplimente zu machen, leer ausgeht und verbannt wird.

Die Idee zu dieser Aufführung entstand – laut Pressemitteilung – aus dem Wunsch heraus, für die Kinder von heute die Atmosphäre eines kleinen elisabethanischen Theaters nachzubilden, in dem Shakespeares Geschichten mit Schauspielern, Puppen und viel Fantasie erzählt werden.

Die Pop-Up Theaterbühne, die Puppen und die Puppenspieler bzw. Schauspieler Gabriel Muncuș und Eliza Păuna.                           Fotos: die Verfasserin

Der von Eliza Păuna verfasste Text geht von sehr aktuellen Fragen über die Beziehung zwischen Kindern und Eltern aus. „Es gibt ein wunderbares Alter in der Kindheit, in dem sich die Realität in vielen, sich überschneidenden Lichtstrahlen entfaltet und Kinder Welten mit erstaunlicher Präzision erfinden“, erklärte die junge Schauspielerin. Aus dieser Perspektive wird die Geschichte von Lear zu einem Spiegel der Gegenwart: ein Vater, der nicht zuhören kann, und ein Kind, das versucht, die Worte zu finden, um etwas Einfaches zu sagen – dass es ihn liebt.

Mit Humor, Herzlichkeit und Fantasie bringt die vom Kinder- und Jugendtheater „Gong“ in Hermannstadt inszenierte Aufführung „Povestea Regelui Lear“ ein Theaterabenteuer für Klein und Groß gleichermaßen auf die Bühne, mit einer Botschaft, die einfacher nicht sein könnte: Manchmal sind die wichtigsten Worte nicht die großen und spektakulären, sondern die aufrichtigen, und das wertvollste Geschenk, das Eltern ihren Kindern machen können, ist die gemeinsam verbrachte Zeit.

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kinder.