Denare und Bockelnadeln

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Ausstellung über die evangelische Stadtpfarrkirche

Ausgabe Nr. 2958

Blick in die Ausstellung.                                                        Fotos: die Verfasserin

Das Landkartenkabinett im Brukenthalpalais beherbergt seit vergangener Woche die neue Sonderausstellung „Die evangelische Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Geschichte und Archäologie“, die bis Ende Juni besichtigt werden kann. Zu sehen sind teils Fundgegenstände von den archäologischen Grabungen an der evangelischen Stadtpfarrkirche und teils Stücke aus der Sammlung des Brukenthalmuseums, die Stadtpfarrkirche betreffend.

Zur Vernissage am Mittwochnachmittag, dem 6. Mai, luden die Leiterin des Brukenthalmuseums Dr. Raluca Teodorescu, sowie die beiden Ausstellungskuratorinnen Dr. Anca Nițoi von Seiten des Brukenthalmuseums und Dr. Daniela Marcu Istrate, Koordinatorin der archäologischen Ausgrabungen, ein.

Anhand von Originalobjekten und Informationstafeln können Besucher die Überreste der romanischen Basilika aus dem 12. Jahrhundert, die Entwicklungsphasen der gotischen Kirche, wissenschaftlich untersuchte Gräber und Krypten sowie eine bemerkenswerte Sammlung von Gegenständen entdecken: Münzen, Ringe, Beschläge, sowie eine Reihe außergewöhnlicher Exponate aus Gemeinden der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, die sich in den Sammlungen des Brukenthalmuseums befinden.

Wer die Münzen genauer ansehen möchte, ist gut beraten, eine Lupe zur Hand zu nehmen.

Zu den spektakulärsten Funden der Ausgrabungen zählen die Identifizierung des vollständigen Grundrisses der dreischiffigen romanischen Basilika, die Wiederentdeckung des Lettners – der Galerie, die den Chor vom Hauptschiff trennte und 1853–1855 abgerissen wurde –, der Grabstein von Matthias Armbruster, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts fünf Mal Bürgermeister von Hermannstadt war, sowie die noch intakte Grabkammer des Barons Samuel von Brukenthal.

Zudem wurden fast 600 Münzen aus dem 12. bis 20. Jahrhundert geborgen, die jede wichtige Etappe in der Geschichte des Bauwerks dokumentieren.

Das älteste Fundstück in der Ausstellung ist ein Follis, eine Münze, die aus der selben Zeit stammt wie die 1191 erfolgte erste urkundliche Erwähnung Hermannstadts. Zur Sammlung gehören auch neuere Münzen: Denare, die in Hermannstadt geprägt wurden und bei denen man bei näherer Betrachtung unter der Lupe das Wappen mit den drei Seerosenblättern erkennen kann.

Außerdem kann man Keramikgegenstände aus dem 13. Jahrhundert, aus der Zeit der ersten Ansiedlungswelle deutscher Kolonisten bestaunen.

Spektakulär anzusehen ist ein Kleid aus Brokat – eine seltene Entdeckung aus dem 17. Jahrhundert – das in einer Grabkammer in sehr schlechtem Zustand gefunden wurde und sehr schwierig wiederherzustellen war.

Brillen und Goldringe, ein Reitsporen, Sarggriffe und -beschläge aus den Ausgrabungen der Jahre 2018-2020 können ebenso bewundert werden wie Kirchengegenstände aus der Sammlung des Brukenthalmuseums, u. a. Bockelnadeln, Kelche, ein liturgisches Gewand aus dem 15. Jahrhundert oder Malereien und alte Fotografien, die die Kirche darstellen.

Die Sonderausstellung ist von Dienstag bis Sonntag, zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.

Cynthia PINTER                                              

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Geschichte.