Albumbilder – ein neues Buch von Carmen Elisabeth Puchianu
Ausgabe Nr. 2958

Carmen Elisabeth Puchianu: Albumbilder-Geschichten. Paramon Verlag Zug, 2026; ISBN 978-3-038-865-3, 246 Seiten, 18,80 Euro. Informationen und Bestellungen unter www.paramon.ch
Die Kronstädter Autorin Carmen Elisabeth Puchianu veröffentlichte Anfang Februar im Zuger Paramon Verlag mit ihrem neuen Buch „Albumbilder – Geschichten“ eine literarische Sammlung mit Erzählungen, die unter die Haut gehen. Sie beschreibt in ihren Geschichten den Alltag und die Lebensrealität in Rumänien im politischen und geografischen Kontext.
Wie im Klappentext beschrieben, zeigt sie das Leben ihrer Charaktere aus „unmittelbarer und bodenständiger Perspektive im heutigen Siebenbürgen“. Dass die Geschichten das beinhalten und so authentisch wirken, hängt mit der Autorin zusammen. Puchianu wuchs in den 1950er Jahren deutsch-evangelisch in Kronstadt auf. Sie wurde dreisprachig erzogen, auch das fließt in ihre Texte ein. Immer wieder finden sich Passagen, Worte und Redewendungen in Rumänisch und Ungarisch. Dies verleiht den Figuren Tiefe und spiegelt die Lebensrealität und kulturelle Identität Siebenbürgens wider. Auch in anderen Aspekten hinterlässt die Sprache in „Albumbilder“ Eindruck.
Puchianu lässt die Bilder, die sie in die Köpfe der Lesenden zeichnet, oft unerklärt. Stattdessen arbeitet sie mit inneren Monologen, Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen der Protagonistinnen und Protagonisten. Dadurch entsteht eine Atmosphäre und ein Wortfluss, der die Lesenden in die Geschichte hineinzieht.
Obwohl oft harte Themen wie Körperlichkeit, Weiblichkeit, Krankheit und Tod eine große Rolle spielen, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Zwischen Altern und Sterben schaffen es die Geschichten nicht nur erschreckend zu sein, sondern auch leichte Momente einzubauen. Man erlebt den Alltag der Menschen, beobachtet sie beim Lieben und Leiden. Aufgelockert wird immer wieder durch Ironie und eine besondere Art von schwarzem Humor.
Mischas Geschichte in „Eine Boje auf dem Meer“ wirkt besonders eindringlich. Während Mischa im Krankenhaus liegt und offenbar mit dem Tod ringt, verschwimmen ihre Erinnerungen, Gedanken und die Realität miteinander. Immer wieder kehrt die Handlung zu Mischas Vergangenheit zurück. Zu der Zeit, als sie als Kind im Meer trieb, zu ihrer Freundin Selma, die wohl immer an ihrer Seite war, zu ihrem Vater. Gleichzeitig schildert die Geschichte die politischen Spannungen jener Zeit. Sie beschreibt Berufsverbote, Ausgrenzung und die Angst vor staatlicher Korruption, die ihr Leben und das ihrer Familie geprägt haben. Auch Mischas eigene Erfahrungen stehen im Mittelpunkt. Wegen ihres fehlenden Arms erlebt sie Ablehnung oder sexualisierte Bemerkungen. Puchianu beschreibt diese Momente nüchtern und direkt, ohne sie dramatisch auszuschmücken. Nach dem Lesen hängt man noch lange an Mischas Leben, es ist schwer, das Gelesene von sich fortzuschieben, ohne genauer darüber nachzudenken – so ist es auch bei den anderen Geschichten in dem Buch.
Mit „Albumbilder“ gelingt Carmen Elisabeth Puchianu eine literarische Sammlung, die nicht leicht zu lesen ist, aber gerade deshalb in Erinnerung bleibt. Ihre Geschichten sind voller Menschlichkeit, mit allem, was dazu gehört. Das Buch wirkt wie ein Fotoalbum, durch das man Einblicke in das tiefste Innere der Menschen bekommt.
Puchianu war auch Lektorin, Dozentin und von 2017 bis 2022 Professorin am Germanistik-Lehrstuhl der Kronstädter Transilvania-Universität. Ihr Debüt-Gedichtband „Das Aufschieben der zwölften Stunde auf die dreizehnte” erschien 1991 im Klausenburger Dacia Verlag, nach weiteren Gedicht- und Prosabänden veröffentlichte sie 2012 im Karl Stutz Verlag Passau ihren ersten Roman, „Patula lacht”. 2019 folgte im Ludwigsburger Pop Verlag „Die Professoressa. Ein Erotikum in gebundener und ungebundener Rede”. 1994 wurde sie mit dem Debütpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes und 2007 mit dem Preis des Rumänischen Schiftstellerverbandes in der Kategorie Essay und Literaturkritik ausgezeichnet. Nicht zuletzt stellte sie sich 2025 auch als Zeichnerin vor mit Bleistiftskizzen unter dem Titel „Konterfeis zwischen Fiktion und Realität”.
Alisa SCHWARZ