„Ein Brückenbauer und Netzwerker“

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Hauptanwalt Friedrich Gunesch mit dem Walburgapreis 2026 in Heltau geehrt

Ausgabe Nr. 2950

Das Ehrendiplom überreichte Stadtpfarrer László-Zorán Kézdi (1. v. r.) an Hauptanwalt Friedrich Gunesch (2. v. r.), das Walburga-Abzeichen Kurator Robert Fink, das Preisgeld Kirchenmutter Irene Gaspar.   Fotos: Beatrice UNGAR

Den Walburgapreis der Kirchengemeinde Heltau, mit dem Menschen gewürdigt werden, die Verantwortung übernehmen, Kirche und Gemeinschaft dienen und das evangelische Leben in Heltau und Siebenbürgen stärken, nahm im Rahmen des Festgottesdienstes zum Kirchweihfest der evangelischen Kirchengemeinde A. B. in Heltau am Sonntag Friedrich Gunesch, Hauptanwalt der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, entgegen. Die Entscheidung des Presbyteriums vom 12. Januar 2026 habe zwei Blickrichtungen sagte Stadtpfarrer László-Zorán Kézdi in seiner Laudatio: „Wir danken für seine Verbundenheit mit Heltau und zugleich danken wir für seinen Dienst an der Landeskirche und an der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft insgesamt. Unsere Gemeinde in Heltau gewinnt Rückhalt durch eine verlässliche Kirchenleitung, und die Landeskirche gewinnt Gesicht durch Gemeinden wie unsere, die Verantwortung vor Ort übernehmen.”

In der Laudatio heißt es weiter: Friedrich Gunesch hat als erster Anwalt und dann als Hauptanwalt der Kirche die Umbrüche der letzten Jahrzehnte miterlebt und die Neuordnung mitgestaltet. Heute trägt er die oberste juristische und administrative Verantwortung im Landeskonsistorium, dort, wo Rechtsfragen, Finanzen, Personal und Liegenschaften zusammenlaufen. (…) Friedrich Gunesch wirkt in unserer Kirche in vielfacher Weise, als Brückenbauer und Netzwerker zwischen Gemeinden, Institutionen und Verantwortungsträgern. Er vermittelt zwischen Systemen mit unterschiedlichen internen Logiken, die zusammenarbeiten müssen. In seiner kirchlichen Verantwortung hält er den verlässlichen Kontakt zum DFDR und ermöglicht so Kooperation und Klärung gemeinsamer Anliegen. Zugleich vertritt er aus dem DFDR heraus die deutsche Minderheit in der rumänischen Kommunalpolitik, über viele Jahre im Stadtrat und heute im Kreisrat von Hermannstadt. Er bringt Verwaltungsexpertise und ruhige Gesprächsführung ein und schafft so Vertrauen.

Die Predigt hielt Bischof Reinhart Guib (auf der Kanzel), im Gestühl vorne links sind einige der Ehrengäste zu sehen: 1. Reihe (v. l. n. r.): Gemeindekuratorin Jarmila Janoska, Konsulin Wiebke Oeser, Bezirks- und Landeskirchenkuratorin Carmen Schuster, Hauptanwalt Friedrich Gunesch; 2. Reihe (v. l. n. r.): HOG-Vorsitzender Heinz Walter Hermann, Bürgermeister Mircea Orlatean, Alt-Landeskirchenkurator Friedrich Philippi und Gattin Ilse Philippi. Fotos: Beatrice UNGAR

Er baut diese Brücken auch zwischen Kirchengemeinden und HOGs sowie den Organisationen der ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, besonders dem Hilfskomitee und dem Verband der Siebenbürger Sachsen und den Regionalgruppen der HOGs. (…) Neben dem Brückenbau wirkt Friedrich Gunesch als Netzwerker. Netzwerken bedeutet hier, dauerhafte Beziehungen aufzubauen, zu pflegen und so zu verbinden, dass daraus konkrete Möglichkeiten entstehen. Als Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Kirchenburgen verbindet er Denkmalschutz, Nutzung, lokale Verantwortung und internationale Partnerschaften. Als Präsident des Gustav-Adolf-Werks in Rumänien stärkt er die Zusammenarbeit evangelischer Minderheitskirchen und sorgt dafür, dass Unterstützung und Förderung dort ankommen, wo Gemeinden sie brauchen. (…) Wir verleihen den Walburgapreis als Heltauer Auszeichnung. Darum nennen wir die Situationen, in denen seine Hilfe für unsere Gemeinde besonders sichtbar wurde.

Die Renovierungsjahre 2019 bis 2023 verlangten Entscheidungen, die fachlich, rechtlich und kommunikativ anspruchsvoll waren. (…) Dabei zeigte sich, dass er neben den herausfordernden Aufgaben des Landeskonsistoriums auch die Anliegen der Gemeinden im Blick behält, getragen von Verbundenheit mit ihnen und dem kulturellen Erbe der Siebenbürger Sachsen.

Mit Sicherheit kann gesagt werden: Friedrich Gunesch ist ein Freund unserer Gemeinde und unserer Kirchenburg. Gäste des Landeskonsistoriums besuchen sie regelmäßig, und Heltau gehört für viele zu den ersten Orten, an denen sich die Kirche im Land zeigen kann. Friedrich Gunesch schätzt die Gastfreundschaft dieser Gemeinde und die Sorgfalt, mit der hier Kulturgut bewahrt und zugleich lebendiges Gemeindeleben ermöglicht wird.

Lieber Friedrich, du verstehst Kirche als Dienstgemeinschaft die lebt und wächst, wenn Menschen ihre Gaben verbinden und Verantwortung teilen. Du lebst diese Haltung in deinem Amt und in deinem Umgang mit Gemeinden. Dein Führungsstil ist kooperativ und von Servant Leadership geprägt und verstehst dein Amt als helfend und dienend.

Blick auf die schmucke Heltauer Kirchenburg vom Pfarrhof aus.

Als Mensch zeichnest du dich durch Bescheidenheit, Integrität und Kollegialität aus. Trotz deiner leitenden Position trittst du nicht als lauter Vordergrundakteur auf, sondern arbeitest oft im Hintergrund effektiv für die Sache. Teamarbeit liegt dir am Herzen, sei es mit Bischof, Landeskirchenkurator, Mitarbeitern, Pfarrern, Kuratoren oder Partnern im Ausland. In der täglichen Leitungsarbeit der EKR arbeitest du eng an der Seite von Bischof Reinhart Guib, der unsere Kirche leitet. Als Hauptanwalt bist du für ihn ein zentraler Ansprechpartner in juristischen und administrativen Fragen und sorgst mit Loyalität und Sachkenntnis dafür, dass Leitungsentscheidungen rechtlich sauber und organisatorisch tragfähig umgesetzt werden. Zahlreiche Projekte sind das Resultat deiner Fähigkeit, Menschen und Ressourcen zusammenzubringen. Dabei verlierst du das Ziel nie aus den Augen ’nicht den Untergang zu verwalten, sondern eine lebendige Zukunft zu gestalten‘. So hast du maßgeblich dazu beigetragen, dass die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien sich vom Image einer schrumpfenden Restgemeinschaft löst und aktiv neue Wege geht: diakonisch engagiert, kulturell präsent und geistlich lebendig. In Dir, lieber Friedrich Gunesch hat die EKR einen Anwalt im besten Wortsinne: einen Anwalt des Rechts, der Gerechtigkeit und der Gemeinschaft. Dein Engagement und deine Persönlichkeit machen dich zu einer herausragenden Persönlichkeit, der Anerkennung und Dank gebühren.

Darum danken wir Dir, lieber Herr Gunesch, im Namen der Kirchengemeinde Heltau. Wir danken für Deinen Dienst an der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, für Deinen Einsatz für die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft und für Deine verlässliche Begleitung unserer Gemeinde in den Jahren der Renovierung und darüber hinaus.”

In seiner Danksagung gab Gunesch zu, dass sein Dank einhergehe mit dem Staunen und der Überraschung über so viel Zuwendung und Vertrauen, Freundlichkeit und Freundschaft.

Eingeleitet worden war der Festgottesdienst von dem Trompetenvirtuosen Medve Sándor und der Stadtkantorin Cosmina Barna (Orgel) mit Marschmusik, die auch zum Abschluss erklang. Zwischendurch sang der von Cosmina Barna geleitete Kirchenchor und die von ihr und Lehrerin Mihaela Fülöp betreuten Kinder- und Jugendchöre.

In seiner Predigt zu Lukas 9,57-62 sagte Bischof Reinhart Guib u. a. zu dem Anlass: Das Walburgafest der Gemeinde gibt uns heute guten Grund, nochmals von Herzen zu danken für alles, was gewesen ist. Für Herrn Hauptanwalt Gunesch und für alle, die sich für die Renovierung der Kirchenburg eingesetzt haben. Für alle, die sie lebendig erhalten und Glauben hier gestalten mit Gottes Wort, Musik, Gebet und Segen. Für alle, die treu zur Kirche und Gemeinde stehen.

Das Walburgafest gibt uns auch Anlass, wie die Walburga einst dem Ruf Jesu heute zu folgen. Nicht bei uns stehen bleiben. Nicht nur zurückschauen. Nicht nur verwalten. Sondern mit Gott weitergehen. Die renovierte Kirchenburg ist kein Schlusspunkt. Sie ist ein Komma. Ein Zeichen dafür, dass Gottes Geschichte weitergeht. Mit der Gemeinde. Mit der Kirche. Mit dieser Generation und der kommenden. Mit jedem von uns. (…) So lasst uns auf unseren weiteren Weg begeben und dabei dankbar erinnern der Treue Gottes in der Geschichte, wach sein und entschlossen handeln wenn sein Ruf ergeht im Heute und hoffnungsvoll vorwärtsgehen im Vertrauen auf Gottes Zukunft mit uns.

Das erste Grußwort sprach die Deutsche Konsulin Wiebke Oeser, die sich laut eigener Aussage an einem sehr dunklen Wintertag, am ersten Sonntag des Jahres dazu entschlossen habe, endlich die Heltauer Kirchenburg zu erkunden. Nachdem ich den Weg durch die Ringmauern gefunden hatte, war meine Freude groß – vor allem über diesen wunderbaren Innenraum: Welches Strahlen welche Helligkeit, welche wieder freigelegte Geschichte! Konsulin Oeser stellte fest: Nicht nur für die Kirche und die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen ist der Erhalt und die behutsame Sanierung dieser Kirchenburg von großer, ja unschätzbarer Bedeutung – sondern für uns alle.

Der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Heltau, Heinz Walter Hermann erinnerte in seinem Grußwort daran, wie es dazu gekommen ist, dass nun drei Betreuerinnen diakonische Aufgaben in den Gemeinden der EKR wahrnehmen: „Vor ca. 12 Jahren, bei einer Tagung des HOG-Verbands in Bad Kissingen hörten wir einen emotionalen Beitrag vom ehemaligen Landeskirchenkurator Friedrich Philippi über die Kuratoren und deren quasi Hilferuf. (…) Zusammen mit Friedrich Gunesch entwarfen wir ein sogenanntes „Flächendeckendes Diakonie (Betreuungs-) -konzept“, dessen Machbarkeitsstudie und teilten Siebenbürgen in fünf Regionen auf. Viele Hindernisse – wir beide können ein Lied davon singen – haben wir dank Herrn Hauptanwalt Gunesch, seiner Diplomatie, seinem Netzwerk, dem verschmitzten Lächeln, manchmal sarkastisch ironisch aber mit einem gewissen Hintergedanken, es dennoch geschafft, drei der oben erwähnten Regionen mit je einer Betreuerin mit einem Fahrzeug ausgestattet welche genau diese notleidenden Personen in den verwaisten Dörfern regelmäßig betreut. Genau wie Walburga. Sie hat sicherlich nicht alle persönlich betreut, aber dafür gesorgt, dass sie betreut werden. An dieser Stelle muss man fairerweise auch Herrn Martin Bottesch vom Siebenbürgenforum erwähnen. Dies flächendeckende Betreuungskonzept ist ein Gemeinschaftsprojekt.

Ehrung für vergangene Leistungen kann auch zugleich Ansporn sein. In Anlehnung an die heutige Predigt und deren Bibeltext – „Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ – weist darauf hin, den Blick nach vorn, in die Zukunft zu richten. Vielleicht schaffen wir es noch, die vierte Region mit einer Betreuungsperson und einem Fahrzeug zu besetzen. (…) Zusammenfassend kann ich meinerseits sagen, lieber Friedrich, voll verdient und herzlichen Glückwunsch.

Bürgermeister Mircea Orlățean sprach der Heltauer evangelischen Kirchengemeinde seine volle Unterstützung aus und beglückwünschte den Geehrten. Seitens der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Osijek/Kroatien begrüßte Gemeindekuratorin Jarmila Janoska die Anwesenden und wies darauf hin, dass Pfarrer Samir Vrabec erstmals im Rahmen der GEKE-Tagung in Heltau zu Gast gewesen sei und nun eine Gemeindepartnerschaft angestrebt werde.

Daniela Boltres überreichte im Namen der Partnergemeinde der beiden von Pfarrer László-Zorán Kézdi betreuten evangelischen Kirchengemeinden Heltau und Michelsberg, der Kirchengemeinde Samariter-Auferstehung aus Berlin, eine Osterkerze. Eine zweite würden dann die Michelsberger erhalten.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.