Ziviles Produkt nach militärischen Standards

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DWS-Treffen bei der Firma Schultz Elektrotechnik in Talmesch

Ausgabe Nr. 2939

Adrian Leonte (links), Vertriebsmitarbeiter von Schultz Elektrotechnik führte durch die Werkshalle und zeigte die Produkte der Firma.

Gastgeber des Mitgliedertreffens des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) vom 12. November war die Firma Schultz Elektrotechnik SRL in Talmesch. Vertriebsmitarbeiter Adrian Leonte führte durch die Werkshalle und zeigte die Produkte der Firma und Geschäftsführer und Inhaber Peter Schultz stellte die Firma vor. Als Gäste dabei waren Ion Cojocaru, Bürgermeister der zweitgrößten Gemeinde Rumäniens, Nucșoara, sowie Marius Nicolaescu, stellvertretender Vorsitzender des Kreisrats Argeș. Beide Gäste berichteten über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung.

Schultz Elektrotechnik SRL wurde 2006 gegründet, wobei ein Standort in Rumänien statt China vorgezogen wurde. Der Schwerpunkt lag in der ausschließlichen Montage von Baugruppen und Produkte für die Setolite Lichttechnik GmbH in Deutschland war. Später kamen Kabelkonfektion, Schaltschrank- und Verteilerbau sowie die Produktion von Stativsystemen hinzu. Die Firma Setolite ist Hersteller hochwertiger Beleuchtungslösungen und seit 2019 auch Lieferant von LED-Scheinwerfern für Turmdrehkrane. Seit mehr als 20 Jahren stattet Setolite Streitkräfte mit spezialisierten Beleuchtungslösungen für eine optimale Leistung im Feldeinsatz aus. Den Vertrieb teilen sich die beiden Unternehmen, wobei Westeuropa von Setolite betreut wird, während Schultz Elektrotechnik den östlichen Teil übernommen hat. An beiden Standorten zusammengerechnet umfasst die Produktionsfläche 1.100 Quadratmeter, 3.500 Quadratmeter die Lagerflächen und 850 Quadratmeter die Büroräume. Beschäftigt werden insgesamt 85 Mitarbeiter.

Der DWS-Vorsitzende Wolfgang Köber, Marius Nicolaescu, stellvertretender Kreisratsvorsitzender des Kreises Argeș und Ion Cojocar, Bürgermeister der Gemeinde Nucșoara (v. l. n.r.).                              Fotos: Werner FINK

Setolite ist das Mutterhaus in Deutschland und ursprünglich war die Firma Schultz Elektrotechnik die verlängerte Werkbank“, erklärte Schultz, Gründer und Eigentümer beider Firmen. Das habe sich zwischenzeitlich verändert. Seit drei Jahren ist man hier auch im Vertrieb aktiv und der Großteil der Produktion wurde von Deutschland hierher verlegt. Die Firma Setolite wurde 1995 gegründet, damals in einer Partnerschaft, die sich 2010 löste, wo der Partner von Schultz in Rente ging.

Hergestellt werden am Standort Talmesch mobile Beleuchtung, aber auch Straßenbeleuchtung oder Beleuchtungen für Büros. Angeboten werden auch Beleuchtungssysteme für das Militär. Angefangen wurde 1997 mit der Bundeswehr, als 4,5 Tausend Zeltbeleuchtungen geliefert wurden und wo auch entsprechende Standards mit übernommen worden. „Wir haben nie zwei unterschiedliche Produktionslinien gefahren, also einmal eine zivile und einmal eine militärische, sondern wir haben die militärische als Standard für den zivilen Bereich genommen“, betonte Schultz. „Das macht unsere Produkte in vielen Dingen sehr einzigartig. Vor allen Dingen von der Qualität her kriegen Sie bei uns immer auch ein ziviles Produkt nach militärischen Standards“.

Zu den Kunden gehören das Militär, die Feuerwehr, Zivilschutzorganisationen, Rettungsdienste, Bahngesellschaften, Firmen aus dem Baugewerbe, dem Industriesektor oder öffentliche Versorger. Angeboten werden Produkte auch im Bereich Zeltbau oder Geschäfts- und Bürobeleuchtung. Weiterhin werden auch ATEX-zertifizierte, also explosionsgeschützte Beleuchtung vertrieben.

Angeboten werden auch Serviceleistungen wie Lichtberechnungen, beispielsweise für die Beleuchtung einer Halle usw. Man ist aber auch in der Lage, spezielle Leuchten für einen speziellen Anwendungsfall zusammen mit dem Kunden zu entwickeln.

Viele von den Produkten sind übrigens registriert bei der NATO, das heißt geprüftes Material, das über die NATO bestellt werden kann, ohne dass eine weitere Prüfung erforderlich ist.

Dann gibt es auch einen Reparaturservice. „Jedes Produkt ist reparierbar, das bei uns rausgeht“, betonte Schultz. Eine Auflage des Militärs war nämlich, mit einem Schraubenzieher ein Produkt reparieren zu können.

Im Rahmen des Abends hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die verschiedenen Produkte der Firma zu bewundern, darunter die Aldebaran 360 GradFlex Serie, das „Zugpferd“ der Firma. Fast jede Feuerwehr in Deutschland soll über eine derartige Leuchte verfügen.

Als Gäste dabei waren der stellvertretende Vorsitzende des Kreisrats Argeș, Marius Nicolaescu und Ion Cojocar, Bürgermeister der Gemeinde Nucșoara. Beide erwähnten die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit u. a. auch in Sachen Beleuchtung. Wir möchten den Grundstein für eine Zusammenarbeit im Bereich Kultur und Tourismus legen, denn gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisrats Hermannstadt, Paul Kuttesch, haben wir vereinbart und wünschen uns, eine Partnerschaft zwischen unseren Kreisen – und nicht nur zwischen diesen – zu schaffen und auch die Landkreise Kronstadt und Vâlcea miteinzubeziehen”, sagte Nicolaescu. So wollen wir die Dinge nützlicher, schöner und besser gestalten – für uns, für diejenigen, die uns besuchen, und für die Bürger der Kreise, die wir vertreten”. Außer den wunderschönen Bergen, die die einen und die anderen trennen, verfüge man auch über eine der schönsten Straßen, die sie verbindet: die Transfogarascher Hochstraße. Man habe Traditionen und viele Dinge gemeinsam, die man zusammenführen könne, um beiden Landkreisen Wohlstand zu bringen. Weiterhin sprach er die Hoffnung aus, dass bald beide Landkreise durch die Autobahn verbunden werden, auf die man seit über 30 Jahren warte.

Ion Cojocar, Bürgermeister der Gemeinde Nucșoara, hob einige erwähnenswerte Dinge hervor. Nucșoara ist die flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde Rumäniens. Weiterhin befindet sich hier der Moldoveanu-Gipfel, der höchste Gipfel in den Karpaten Rumäniens oder der Învârtita See, der größte karstige See Rumäniens, der auf Gips durch Auflösung und Einsinken entstanden ist. Hier gab es auch den antikommunistischen Widerstand in den Bergen durch Elizabeta Rizea und den Brüdern Arnăuțoiu.

Werner FINK

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Wirtschaft.