Bilder, Musik und Erotik

Teile diesen Artikel

Neueste Premiere am Radu Stanca-Nationaltheater

Ausgabe Nr. 2940

Szenenfoto mit Pali Vecsei (der Sultan).                                                                                                                      Foto: Sebastian MARCOVICI

Eine neue Inszenierung des preisgekrönten Regisseurs Silviu Purcărete sorgte am Wochenende in Hermannstadt für Furore. Das Stück mit dem langen Titel „Neasemuita poveste a lui Abul Hossein Yemenitul și a fugii lui în pustie (după 1001 de nopți)”, das übersetzt „Die unvergleichliche Geschichte von Abul Hossein dem Jemeniten und seiner Flucht in die Wüste (nach 1001 Nacht)” hieße, war nichts für sensible oder schamhafte Leute, sondern enthielt sehr viel nackte Haut und Erotik.

Die Vorwarnung war schon im Programm zu lesen: „Nicht für Personen unter 16 Jahren empfohlen“. Die beiden Vorstellungen, die schon im Kartenvorverkauf nach fünf Minuten ausverkauft waren, fanden am Freitag, dem 5. und Samstag, dem 6. Dezember statt. Das Bühnenbild, das von Dragoș Buhagiar entworfen wurde, sorgte beim ersten Anblick schon für Angst und Schrecken: Mehrere menschliche Köpfe ragten aufgespießt auf langen Speeren am Bühnenrand hervor. Die Wände und der Boden waren mit Perserteppichen tapeziert und sollten ein Harem darstellen.

Das Schauspiel begann mit dem klagenden Sultan, interpretiert von Pali Vecsei, jemand solle ihm doch eine neue Geschichte erzählen, er kenne schon alle Geschichten in seinem Reich. Zahlreiche Erzähler versuchen ihr Glück, schaffen es jedoch nicht die Geschichte des Jemeniten Abul Hossein zu Ende zu erzählen, und werden zur Strafe vom Henker des Sultans geköpft. Diese Story dient als Rahmenhandlung des Schauspiels, die zum Schluss dann doch noch zu Ende erzählt wird. Der Rest des Theaterstücks besteht aus kurzen Geschichten, die laut Silviu Purcărete aus der Sammlung „Tausendundeine Nacht“ inspiriert sind: „Wir haben Fragmente aus dem einen und Fragmente aus dem anderen genommen und sie zu einer Art spektakulärem Mosaik kombiniert, das alles enthält: Handlung, Bilder, Musik. Es ist eine eigenständige Inszenierung, die von dieser Sammlung inspiriert ist.“

Szenenfoto aus der Aufführung.                           Foto: Sebastian MARCOVICI

Diese „Fragmente“ schienen stellenweise frei erfunden zu sein, meinten auch die Zuschauer, die sich mit dem Text von „Tausendundeine Nacht“ auseinandergesetzt haben.

„Spektakulär“ war die Inszenierung allerdings: 36 Schauspielerinnen und Schauspieler von der rumänischen und deutschen Abteilung, sowie Schauspiel-Studenten waren auf der Bühne auf einmal zu sehen. Sie spielten Theater, sangen, spielten Klavier – acht Wandklaviere rollten über die Bühne und wurden zeitgleich bespielt – und es gab auch einige Magie-Einlagen, bei denen mal eine Hand aus einem am Boden liegenden Eimer herausragt, mal eine Schauspielerin hinter einem dünnen Vorhang verschwindet.

Typisch für Purcăretes Inszenierungen ist auch, dass auf der Bühne nackte Haut gezeigt wird, so musste diesmal u. a. Iustinian Turcu die Hüllen fallen lassen. Mehrere Schauspielerinnen waren auch oft oben – manche auch unten – ohne zu sehen. Sehr viel hat das zur Geschichte nicht beigetragen, nur schockiert und für Aufsehen gesorgt, vor allem bei den älteren Semestern. „Sie werden nach dem Besuch unserer Vorstellung nicht viel über dieses Meisterwerk wissen, aber vielleicht weckt es Ihr Interesse, es zu entdecken“, sagte Purcărete noch zu seinem neuesten Stück.

Constantin Chiriac, der Intendant des „Radu Stanca“-Nationaltheaters freute sich über die langjährige Zusammenarbeit mit Silviu Purcărete: „25 Jahre nach der ersten Inszenierung, die Silviu Purcărete an unserem Theater geschaffen hat, dem Stück ‚Pilafuri și parfum de măgar‘, inspiriert von ‚Tausendundeiner Nacht‘, schlagen wir heute eine symbolische Brücke und kommen zu einer anderen Überlegung darüber, was dieser unerschöpfliche Schatz, der ‚Tausendundeine Nacht‘ für die Menschheit darstellt, bedeutet. Nach 25 Jahren ist diese Inszenierung eine umfassende Würdigung dessen, was Geschichten für die Menschen bedeuten: die Kraft zu träumen, Welten zu erschaffen und sich sogar für das zu opfern, was wir Schöpfung nennen.“

Vorstellungen mit dem Stück „Die unglaubliche Geschichte von Abul Hossein, dem Jemeniten, und seiner Flucht in die Wüste (nach 1001 Nacht)” wurden noch am 19., 20. und 21. Dezember 2025 sowie am 8., 9. und 10. Januar 2026 angesetzt, jedoch sind alle Tickets schon binnen weniger Minuten nach Verkaufsstart ausverkauft gewesen.

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Theater.