,,Herren sind 480, Damen 18″

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Heute vor 145 Jahren wurde der Siebenbürgische Karpatenverein (SKV) gegründet

Ausgabe Nr. 2938

Der DFDR-Vorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr, Thomas Bross (Vorsitzender Sektion Fogarascher Land/Țara Făgărașului), Catalin Corneschi (Vorsitzender Sektion Kronstadt), Vlad Preca (Schatzmeister), Alexandru Chera (Vorsitzender Sektion Hermannstadt), Leo Kurmes (Vertreter Königsstein/Piatra Craiului), der wiedergewählte SKV-Vorsitzende Marcel Șofariu und die neue SKV-Geschäftsführerin Alexandra Cristina Nedelea (v. l. n. r.).

„Die Gesammtzahl der für den Siebenbürgischen Karpathenverein angemeldeten Mitglieder beläuft sich dermalen auf 498 (…) Herren sind 480, Damen 18”, verlautete Dr. Carl Wolff in seinem Vortrag „Die Aufgaben des Siebenbürgischen Karpathenvereins”, gehalten „in der constituirenden Hauptversammlung am 28. November 1880”, wie im „Jahrbuch des Siebenbürgischen Karpathenvereins” I. Jahrgang 1881 zu lesen ist. Diese Zahlen stimmten Dr. Wolff zuversichtlich, dass der damals junge Verein hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und auf seine Lebensfähigkeit vertrauen könne. 145 Jahre danach erweisen sich diese Worte als durchaus prophetisch. Am 22. November 2025 fand nämlich im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt die Hauptversammlung des SKV statt, bei der Wahlen auf der Tagesordnung standen.

Im Saal saß auch Dr. Paul-Jürgen Porr, einer der Unterstützer der 1996 erfolgten Neugründung des SKV, der 1945 wie auch alle anderen deutschen Vereine in Rumänien aufgelöst worden war. Er äußerte seine Freude darüber, dass heute sehr viele Jugendliche den Verein tragen. Desgleichen wies er darauf hin, dass das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien den SKV von aller Anfang an unter seine Fittiche genommen habe. Dr. Paul-Jürgen Porr schlug die Kandidaten für den neuen Vorstand vor und alle wurden einstimmig gewählt: Marcel Șofariu erneut zum Vorsitzenden, Thomas Bross und Cătălin Corneschi zu stellvertretenden Vorsitzenden, Cristina Alexandra Nedelea zur Geschäftsführerin und erneut zum Schatzmeister Vlad Preca.

In seinem oben erwähnten Vortrag hatte Dr. Carl Wolff sich treffend geäußert zu den Anfängen des SKV: Vor Allem muss das weit verbreitete Vorurtheil zerstreut werden, dass dieser Verein lediglich ein Vergnügungsverein, ein ausschliesslich der Unterhaltung dienender Sport sei, dass dieser Verein im Wesentlichen keine andere Aufgabe habe, als die Klettertouren in die Berge zu veranstalten. Der am Ofen hockende Philister lässt sich vielleicht noch zu der mitleidigen Aeusserung herab, dass es in den Köpfen der Bergsteiger und Bergfexe, die für den Kultus ihres Bergwahnsinns sogar Vereine gründen, eigentlich nicht richtig sein könne, und tröstet sich höchstens damit, dass es auch solche Käuze geben müsse.

Der am 16. Oktober 2025 gewählte Vorstand und der Rechnungsprüfer der Sektion Hermannstadt (v. l. n. r.): der Vorsitzende Alexandru Chera, der stellvertretende Vorsitzende Radu Zaharie, die Schriftführerin Corina Maria Stănese und der Rechnungsprüfer Petru Scântei.            
Fotos: Winfried ZIEGLER

Die Idee, den SKV wieder zu gründen, war schon 1991 aufgekommen. Das ist in dem Beitrag von Reinhold Gutt zu lesen, der in der Ausgabe Nr. 1421 vom 5. Mai 1995 der Hermannstädter Zeitung aus Anlass dieser Neugründung erschienen ist. Gutt schreibt: Gleich nach der Wende sind in vielen Landesteilen Überlegungen zur Wiedergründung der ehemaligen touristischen Vereine, also auch des Siebenbürgischen Karpatenvereins, angestellt worden. Doch der Massenexodus der deutschen Bevölkerung, die die tragenden Mitglieder des aufgelösten Vereins waren und nun im neuzugründenden SKV hätten sein sollen, ließ die Idee verblassen. Aber als der wiedergegründete Erdèlyi Kárpátegyesület zu seinem hundertsten Jubiläum am 11. und 12. Mai 1991 nach Gyergyószárhegy/Lăzarea (Kreis Harghita) einlud, kam der Gedanke einer Neugründung des SKV wieder auf. (…) Am 11. und 12. März 1995 fand auf Schloß Horneck in Gundelsheim eine gemeinsame Tagung der Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins und der Sektion Naturwissenschaften des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde statt. Hauptanliegen dieser gemeinsamen Veranstaltung war die Unterstützung und Förderung einer eventuellen Wiedergründung des SKV in Siebenbürgen, zu der auch Wilfried Schreiber (Klausenburg), Walter Gutt (Kronstadt) und der Verfasser dieser Zeilen eingeladen waren. Der Forumsvorsitzende Prof. Dr. Paul Philippi, der sich gerade in Deutschland aufhielt, nahm ebenfalls an dieser Tagung teil.

Der SKV hatte zwischen 1880 und 1945 zeitweise 18 Sektionen und über 5.000 Mitglieder und konnte auf herausragende Leistungen zurückblicken: über 1000 km angelegte Wanderwege, knapp 60 Schutzhütten, Einführen des Bergführerwesens und der Bergwacht in den Karpaten, die wissenschaftliche Erschließung der Karpaten durch Veröffentlichungen grundlegender Arbeiten zu Geographie, Flora, Fauna und Geologie, erste Bestrebungen auf dem Gebiet des heutigen Rumänien zum Schutz der Natur. Der SKV gründete auch das ethnographische Karpatenmuseum, dessen Sammlungen heute Teil der Abteilung für siebenbürgisch-sächsische Volkskunde des ASTRA-Museums sind.

Von den knapp 60 Schutzhütten wurde bis dato lediglich die Berghütte unterhalb des Schuler/Postăvarul in der Schulerau rückerstattet, die vom SKV nun wieder unter dem Namen Julius-Römer-Hütte betrieben wird. Der Kronstädter Mittelschullehrer und Botaniker Julius Römer war von 1881 bis 1911 Vorstand der Sektion Kronstadt des SKV, unter dessen Leitung eine Reihe von Schutzhütten in den Burzenländer Bergen erbaut worden sind.

Seit 2010 ist der SKV als einziger rumänischer Wanderverband auch Mitglied der Europäischen Wandervereinigung und engagiert sich bei der Integration Rumäniens in das Netz der Europäischen Fernwanderwege. 2021 veranstaltete der SKV das erste Eurorando-Treffen in Rumänien. Die Pandemie machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Statt aus 69 Ländern kamen die Teilnehmenden aus bloß sechs Ländern. An den acht Tagen wurden ihnen vom SKV vorbereitete 22 Wanderrouten in den Fogarascher Bergen, im Zibinsgebirge und in den Lotrului Bergen angeboten.

Wie sagte doch Dr. Carl Wolff in seinem Vortrag bei der Gründungssitzung? Bei redlicher Arbeit wird auch unser Verein und werden auch seine Ziele wachsen. Dies sei dem SKV auch weiterhin gewünscht.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus.