Germanistentagung an der Lucian Blaga-Universität in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2936

Maria Sass (stehend, rechts) und Hauptorganisatorin Doris Sava (stehend, 2. v. r.) im Nachwuchsforum.
Foto: Beatrice UNGAR
Die nunmehr zwanzigste dem umfassenden Thema „Deutsches literarisches und kulturelles Erbe im südosteuropäischen Raum“ gewidmete Jahrestagung der Germanisten fand zwischen dem 6. und 8. November des Jahres in Hermannstadt an der Fakultät für Philologie und Bühnenkünste der Lucian Blaga-Universität statt. Daran nahmen zahlreiche Germanisten aus den Hochschulzentren aus Rumänien mit Germanistikabteilung teil, aber auch Gäste aus dem Ausland, wie Torsten Leuschner, Vorsitzender des Belgischen Germanisten- und Deutschlehrerverbands.
Besonders erfreulich war es, dass auch in diesem Jahr die Sektion für Nachwuchswissenschaftler mit Masteranden und Doktoranden gut bestückt war und einige der gewählten Themen sich tatsächlich mit dem literarischen und kulturellen Erbe dieses geografischen Raums auseinandersetzen. Es wurde in Sektionen getagt, und zwar gab es Beiträge aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Übersetzungs- und Kulturwissenschaft. Wie auch in den vergangenen Jahren wurde die Tagung dankenswerterweise vom Departement für interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung, von der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und vom Verein der Germanisten aus Hermannstadt unterstützt. Trotz seines großen Arbeitspensums nahm sich Unterstaatssekretär Thomas Șindilariu die Zeit bei der Eröffnung dieser langlebigen und prestigereichen Veranstaltung dabei zu sein.
Moderiert wurde die Eröffnung souverän von der Hauptorganisatorin Doris Sava.
Eingeläutet wurde die Tagung durch einen Theaterbesuch der Teilnehmenden im Hermannstädter Radu-Stanca-Nationaltheater, wo die deutsche Abteilung das Stück „Union Place“ der Kronstädter Autorin Elise Wilk gleich dreisprachig – Deutsch, Rumänisch und Englisch – auf beeindruckende Weise darbot.
Am nächsten Morgen ging es dann in den genannten Sektionen an die Arbeit. Im Bereich Literatur wurden Themen wie die Weinsymbolik in der Erzählung „Der falsche Malvasier” von Erwin Wittstock, Identitätskonstruktionen bei Herta Müller, Krankheitsgestaltung in Richard Wagners „Herr Parkinson“ (2015) und Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ (2016), das Bild des Fremden bei Nikolaus Lenau, die frühe Prosa Paul Celans, die literarische Dokumentation der Bărăgan-Deportation, die Literatur der Dobrudschadeutschen als Form des kulturellen Gedächtnisses und die rumäniendeutsche Literatur im Spiegel der Zeit angesprochen. Natürlich jeweils gefolgt von angeregten Diskussionen, gerade weil auch weniger bekannte Aspekte dieses Forschungsgebiets angesprochen worden waren.
In der Sektion Sprachwissenschaft ging es um die Verb-Erststellung im Deutschen, Rumänischen und Englischen, um siebenbürgische Metronyme, die Bildungssprachlichkeit im Unterricht an rumänischen Schulen, Kreatives Schreiben an deutschsprachigen Schulen in Bukarest, „Die Wahrnehmung der großen chinesischen Militärparade 2025 in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien und in der deutschen BILD-Zeitung”, oder „Framing & sprachliche Kreativität” in der digitalen Erinnerungskultur.
In der Sektion Übersetzungs- und Kulturwissenschaft wurde die Übersetzbarkeit komischer Effekte, kulturelle Kollisionen Deutschland versus Rumänien bei Hilke Gerdes (2008) und Nina May (2024) besprochen, aber auch verschiedene Projekte aus diesem Bereich vorgestellt.
Im Nachwuchsforum widmeten sich die Vortragenden der Vaterfigur im Romanfragment „Café Papa“ von Aglaja Veteranyi, dem non-fiktionalen Tagebuch „Wir waren Sklaven“ von Hermann Rehner, dem Beginn der periodischen Presse in Siebenbürgen am Beispiel der Hermannstädter Verlegerfamilie Hochmeister oder so spezifischen Themen wie der Toponomastik im Stadtkern Hermannstadts als Beitrag zur so genannten „Linguistic Landscape”.
Es war eine unaufgeregte, gelungene Tagung von Fachleuten, die sich wie das Rahmenthema besagt, um das deutsche literarische und kulturelle Erbe dieses geografischen Raums bemühen, sei es mit mühseliger Archivarbeit, dem Heranführen dieses Forschungsgebietes an moderne Verfahren der Erfassung oder der Eingliederung desselben in den großen deutschsprachigen Kontext – eine Arbeit, für die allen Beteiligten Dank gebührt.
Sunhild GALTER