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HZ-Gespräch mit der Hermannstädter Pferdesportlerin Stephanie Dengel

Ausgabe Nr. 2930

Was kann schöner sein für eine Reiterin oder einen Reiter, als mit Blick auf die Fogarascher Berge im Sattel zu sitzen, scheinen Stephanie Dengel und der Hengst Karlos Z auszusagen.                               Foto: Lena KANTERT

Stephanie Dengel ist 17 Jahre alt und geht in die 11. Klasse des „Samuel von Brukenthal“-Gymnasiums in Hermannstadt. Doch Schülerin zu sein beschreibt nur die eine Hälfte ihres Lebens. Die andere Hälfte verbringt die Hermannstädterin in den Ställen des Reitsportzentrums Hermannstadt Mountain Horses unweit von Freck/Avrig. Im Mai schaffte die Pferdeliebhaberin den 4. Platz in der Klasse L-Junioren beim internationalen Wettbewerb Wea Working Equitation Austria im Pferdesportzentrum Stadl-Paura. Vor knapp 12 Jahren legte der Vater der Reiterin den ersten Grundstein für ihre heutigen Erfolge. Mit Stephanie Dengel führte die HZ-Praktikantin Lena K a n t e r t folgendes Gespräch:

 

Wie bist Du zum Reiten gekommen?

Meine Familie ist sehr sportlich. Ich war immer wandern mit meiner Familie – in der Natur und eigentlich überall. Und eines Tages – ich glaube ich war sechs Jahre alt – hat mich mein Vater auf einen Esel gesetzt. Seitdem bin ich im Sattel geblieben und habe eigentlich nur das Tier gewechselt.

Der Esel hat Dich dann zu einer Reiterin gemacht?

Ja, so ungefähr. Ich habe Tiere – Pferde und was es da noch so gibt – schon immer geliebt. Dabei habe ich aber nie an das Reiten gedacht. Bis mein Vater mich auf den Esel gesetzt hat. Ein paar meiner Freunde haben bereits angefangen, zu reiten. Da habe ich gesagt: OK, ich komm dann mal mit. Und nachdem ich mit dem Reiten angefangen habe, konnte ich auch nicht mehr damit aufhören.

Was gefällt Dir heute besonders am Reiten?

Schwierige Frage. Einfach die Partnerarbeit. Dass man jemandem vertrauen kann – ohne direkt miteinander reden zu können. Zum Reiten gehört für mich Vertrauen und harte Arbeit.

Welche Disziplinen reitest Du?

Ich mache Springreiten, aber auch Working Equitation. Das ist eine eher neuere Disziplin, die aus der spanischen Reitweise stammt. Das Turnier geht drei Tage: Dazu gehört ein Tag Dressur, ein Tag Stil und ein Tag Speed. Das heißt, dass man an Tag zwei und drei je einen Parcours durchgehen muss – mit einem kleinen Sprung und einer Garrocha. Die Garrocha ist eine lange Stange, mit der man einer Stierattrappe einen Ring abnimmt und in eine Tonne ablegt. Dazu gehört aber auch, ein Tor zu öffnen, eine Brücke zu überqueren und zwei Ballen zu umrunden. Das kann alles Mögliche sein. An einem Tag muss man den Parcours so schön wie möglich und am anderen Tag so schnell wie möglich durchqueren. Als Disziplin ist Working Equitation nicht sehr bekannt. Aber mit dieser Disziplin startete für mich das Turnierleben.

Am Anfang hatte ich eine deutsche Reitlehrerin. Es war ihre Idee, mich mit Working Equitation stressfrei an Turniere heranzuführen, auch wenn die Turniere in Rumänien nicht so groß sind. Man befindet sich dort noch nicht in dieser toxischen Sportwelt. Erst danach habe ich mit dem Springsport angefangen. Und später bin ich dazu übergegangen, selber Kinder zu trainieren. Mittlerweile trainiere ich aber auch junge Erwachsene im Alter von 22 bzw. 23 Jahren. Zusätzlich bilde ich Pferde aus. Und da ich dann selber in der Rolle der Trainerin war, haben ich und meine Co-Trainerin uns auch dafür entschieden, mit den Kindern mehr für Working Equitation zu arbeiten. Auch für die Pferde, die ich damals schon ausgebildet habe, war ein kleines Turnier entspannter. Etwas Dressur können sie alle. Und das ist auch als Basis für den Springsport extrem wichtig. Zwei bis drei Jahre ging das so.

Die Elftklässlerin Stephanie Dengel (links) und die Studentin und HZ-Praktikantin Lena Kantert beim Gespräch in der Redaktion der Hermannstädter Zeitung.                                                    Foto: Beatrice UNGAR

Und was machst Du gerade?

Gerade bilde ich zwei Pferde aus, von denen eines schon international an Working-Turnieren teilnehmen kann. Im Mai war ich auch bei einem internationalen Turnier. Dazu habe ich noch ein fünf Jahre altes Pferd, das ich für nächstes Jahr ausbilden will. Es gibt bei Turnieren eine Altersbeschränkung: International dürfen die Pferde erst ab sechs Jahren laufen.

Das heißt, Du nimmst an Turnieren teil, bildest Pferde aus und trainierst Kinder. Wie vereinbarst Du das mit der Schule?

Gleichzeitig bin ich auch Touristenführerin bei unserem anderen Stall. Wir haben zwei Ställe. Hier unterscheiden wir zwischen Touristen- bzw. Reittouren sowie Turniervorbereitung und Ausbildung. Und neben der Schule ist das natürlich extrem viel Zeitmanagement. Ich renne auch meistens von einem Platz zum anderen. Zum Glück helfen mir meine Eltern auch viel mit dem Transport. Immerhin liegen zwischen Hermannstadt und Freck 45 Minuten Fahrtzeit.

Also bildest Du mehrere Pferde aus. Wie genau läuft das ab und wie kommst Du an die Pferde?

Einige Pferde stammen vom Stall. Es gibt aber auch Pferdebesitzer, die mich als Bereiterin engagieren. Dann bereite ich die Pferde zum Beispiel auf Turniere vor. Je nachdem, welchen Auftrag ich bekomme. Manchmal soll ich auch einfach ein Pferd für das Kind trainieren. Natürlich hängt das aber auch vom Pferd ab.

Hast Du ein Lieblingspferd, mit dem Du besonders gerne arbeitest?

Ich hatte ein Herzenspferd, das ist aber leider dieses Jahr gestorben. Sein Name war Buri. Ansonsten habe ich zwei Hengste, mit denen ich schon am längsten und am liebsten arbeite: Castillian Z und Karlos Z. Letzterer nimmt international an Working Equitation-Turnieren teil und schafft beim Springreiten einschließlich die 1,25 Meter-Prüfung. Mit ihm bin ich dieses Jahr beim Springpferde D-Niveau Landesmeisterin geworden. Castillian Z ist gerade in der Klinik, weil er eine Kolik hatte. Mit den beiden Pferden hatte ich die meisten Erfolge – und das nicht nur auf Turnieren. Sie haben mir auch sehr dabei geholfen, andere Pferde auszubilden. Ich habe gelernt, wie man richtig mit verschiedenen Pferden – und deren Problemen – umgeht und dass ein Pferd Respekt vor dem Reiter braucht. Was mir aber am meisten Angst gemacht hat, ist das Potential von Castillian Z. Viele haben mir besonders am Anfang gesagt, dass er bei der Dressur und beim Springen einen besseren Reiter braucht. Einen Reiter mit mehr Erfahrung – kein Kind, kein Mädchen. Aber wir haben es allen gezeigt: Wir sind letztes Jahr zusammen Landesmeister geworden.

Letztes Jahr beim Working Equitation und dieses Jahr beim Springen. In beiden Disziplinen bist Du Landesmeisterin geworden. Wie fühlt sich das für Dich an?

Als Preise schätze ich diese Erfolge sehr. Aber, um ehrlich zu sein, macht es mich besonders stolz, dass die Pferde, die ich ausgebildet habe, auf dieses Niveau kommen. Und damit meine ich nicht nur die Turniere, sondern auch, dass Kinder sie reiten können. Dass ich mit dem Hengst neben einer Stute sitzen kann und er nichts macht. Die Pferde vertrauen mir und das bringt mir mehr Freude, als alle Titel zusammen. Sie wollen mit mir arbeiten und ich kann sie jeden Tag reiten – und das ist einfach ein schönes Gefühl.

Wie sind die Bedingungen bei den Wettbewerben?

Das hängt von den einzelnen Wettbewerben ab. Bei manchen bekommt man Geld, bei manchen nur einen Titel samt Pokal oder Schleife. Je nachdem, wer die Turniere organisiert.

Wie oft trainierst Du?

Ich bin fast täglich am Stall. Immer nach der Schule und am Wochenende. Daneben trainiere ich aber auch selbst: Ich gehe laufen, fahre Fahrrad. Ich möchte mich selbst fit halten und auch das Training mit den Pferden abwechslungsreich gestalten. Dazu gehören natürlich auch Pausen. Ich lasse sie auf der Weide grasen und immer noch Pferd sein. Das ist mir sehr wichtig: Nicht nur trainieren, trainieren, trainieren.

Was setzt Dich mehr unter Druck? Wenn Du bei den Turnieren antrittst oder wenn die Kinder, die Du trainierst, antreten?

Auf jeden Fall wenn die Kinder antreten. Vor kurzem haben wir zum Beispiel unser erstes Turnier organisiert. Als ich geritten bin, war das nicht so aufregend für mich. Anders sah das aus, als meine Kinder dran waren. Aber mittlerweile ist es besser geworden. Als wir das erste Finale bei den Kindern geritten sind, habe ich sofort gemerkt, wie wichtig mir das war. Ich habe richtig mitgefiebert.

Und wie sind die Bedingungen im Stall?

Bei unseren Ställen lassen wir die Pferde so viel wie möglich auf der Weide stehen. Wir machen Ausritte und bringen Vielfalt ins Training. Genau das ist es, was wir bei uns im Stall hochhalten: Abwechslung und Vielfalt. Wir bilden Pferde aus, trainieren Kinder, nehmen an Turnieren teil, betreiben Tourismus und züchten teilweise auch Pferde. Ich persönlich hatte auch sehr viel Glück mit meinem Trainer. Er hat mir alles gezeigt, was ich gebraucht habe. Von ihm habe ich viel Unterstützung erfahren. Er gibt mir sehr viel Freiheit mit den Pferden, hilft mir aber auch, wenn ich mal nicht weiter weiß. Aber ich hatte auch andere Trainer – Und von allen habe ich so viel mitgenommen, wie ich konnte.

Ich bin sehr froh, dass ich so viel Hilfe von allen Seiten bekommen habe. Das ist nicht selbstverständlich. In Rumänien kommt es leider häufig vor, dass sich die Menschen ein teures Pferd kaufen und damit an Turnieren teilnehmen. Das wollte ich nie und werde ich auch nie machen.

Kritiker sagen, dass Pferdesport für die Tiere sehr belastend ist. Wie siehst Du das?

Je nachdem, auf welche Menschen man sich mit dieser Aussage genau bezieht, kann das stimmen. Ich finde, das hängt vom Reiter ab. Vor allem vom Menschen, der hinter dem Reiter steht bzw. in dem Reiter steckt. Leider kommt es auch häufig vor, dass viele Menschen den Sport priorisieren und nicht das Pferd. Das kommt für mich nicht infrage. An erster Stelle steht immer das Pferd. Man darf nie vergessen, warum man mit dem Reiten angefangen hat: Weil man die Pferde liebt. Danach kommt erst der Sport.

Wenn Du nach vorne schaust: Was wünschst Du Dir für Deine Zukunft im Reitsport?

Ich habe überlegt, mir nach der Uni vielleicht ein Fohlen zu kaufen. Das möchte ich von Anfang an selber ausbilden und so gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Außerdem möchte ich mir treu bleiben. Die Menschen sollen mich darüber kennen, wie ich mit den Pferden und mit den Kindern arbeite.

Ich weiß, ich bin noch sehr jung. Ich habe auch eine Co-Trainerin. Am Anfang gab es wie gesagt viel Kritik bei den Turnieren. Doch dann haben meine Kinder und die jungen Pferde sehr viele andere besiegt. Daran soll man sich erinnern. Und ich glaube, die wichtigen Personen – besonders beim Working Equitation, also der Disziplin, die ich trainiere – haben eingesehen, dass neu gar nicht so schlimm ist. Nicht nur die erkämpften Titel sprechen für sich, sondern auch die Art und Weise, wie wir als Team miteinander umgehen. Ich zeige den Kindern nicht nur, wie man reitet, sondern auch, was der Pferdesport bedeutet: Man muss nicht immer nur gewinnen. Man lernt aus dem Sport und wächst daran.

Anmerkung der Redaktion: Im Internet gibt es weitere Auskünfte zu Stephanie Dengel und ihren Aktivitäten unter (deutsch) https://hmhorses.ro/de/turniere/turnierpferde/ bzw. (rumänisch) unter https://www.oradesibiu.ro/2025/05/21/povestea-adolescentei-care-pu ne-sibiul-pe-harta-la-competitiile-ecvestre-stephanie-un-drum-greu-dar-frumos-foto/

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Sport.