Sommerschule Stolzenburg

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Ausgabe Nr. 2975

Blick auf das Ensemble von Pfarrhaus, Umfassungsmauer und Kirche in Stolzenburg. Im Vordergrund entstehen die temporären Holzkonstruktionen der Sommerschule.                                                     Foto: Ulrich BAIERLIPP

Wie kann ein historischer Pfarrhof zu einem lebendigen Ort der Begegnung, der Gastlichkeit und der Kontemplation werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende der Berner Fachhochschule im Rahmen der Sommerschule Stolzenburg 2026 unter der Leitung von Prof. Ulrich Baierlipp und Prof. Beat Löliger. Auf Initiative von Marianne Hallmen, gebürtige Stolzenburgerin und Präsidentin des Vereins der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz, entwickelten sie während zweier intensiver Arbeitswochen Ideen und räumliche Ansätze.

Eine wichtige Grundlage für die Überlegungen bildeten zudem die dokumentarischen Arbeiten am Pfarrhaus. Architekturstudierende der Ion-Mincu-Universität für Architektur und Stadtplanung in Bukarest und der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt leisteten unter der Leitung von Prof. Liliana Cazacu vorab wertvolle Vermessungsarbeiten am Pfarrhaus. Die topografische Vermessung des Areals erfolgte durch Mihail Bogdan. Die präzise Bestandsaufnahme schafft eine wesentliche Grundlage, um den Pfarrhof in seiner baulichen Struktur, seiner Einbindung in das Gelände und seinem räumlichen Potenzial besser zu verstehen sowie künftige Maßnahmen sorgfältig vorzubereiten.

Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass eine umfassende Restaurierung des Pfarrhauses gegenwärtig aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Gerade diese Einschränkung eröffnete jedoch einen neuen Blick auf das Potenzial des Ortes: Anstelle einer sofortigen und vollständigen baulichen Instandsetzung schlugen die Studierenden temporäre, leichte und reversible Interventionen vor. Mit einfachen Konstruktionen und klaren räumlichen Gesten soll der Pfarrhof schrittweise wieder nutzbar und für Besucherinnen und Besucher erlebbar werden.

Die Sommerschule erhielt Unterstützung vom Burghüter Michael Weidenfelder, vom gebürtigen Stolzenburger Ingo Retter und vom Dorfbewohner Florin Tărchilă.

Ein offenes Refektorium könnte künftig das Herzstück einer neuen Nutzung des Pfarrhofes bilden. Die Idee knüpft bewusst an klösterlich-kirchliche Traditionen an: an gemeinschaftliches Leben, Gastfreundschaft sowie an die Verbindung von Alltag, Arbeit und Besinnung.

Daraus entwickelten die Studierenden Ansätze für eine Anlage, die nicht als abgeschlossener Neubau gedacht ist, sondern als behutsam wachsendes, kontemplatives Ensemble. Vorgesehen sind einfache, anpassungsfähige Strukturen, die sich an den Bestand anlehnen, seine Geschichte lesbar lassen und zugleich neue Nutzungsformen ermöglichen. Der Pfarrhof soll nicht durch eine spektakuläre Geste verändert werden, sondern durch eine schrittweise Aneignung: durch gemeinsames Kochen, Arbeiten, Wohnen auf Zeit, kulturelle Veranstaltungen und Räume für Ruhe.

Wichtige Anregungen lieferten Exkursionen zu historischen Holzkirchen in der Maramureș, zum ASTRA-Freilichtmuseum in Hermannstadt sowie zur Kirchenburg in Großau. Dort untersuchten die Teilnehmenden unterschiedliche Formen sakraler Architektur, traditionelle Bauweisen und gemeinschaftlich genutzte Räume.

Das große Interesse an der Sommerschule zeigte sich auch im Besuch zahlreicher Fachleute, die die Arbeiten begleiteten und mit den Studierenden diskutierten. Unter ihnen waren Dechant Dietrich Galter, Pfarrer Klaus Martin Untch, Andreea Mănăstireanu, Projekt- und Kulturmanagerin der Stiftung Kirchenburgen, der Archäologe Zeno-Karl Pinter sowie Claudia Urduzia vom Historischen Museum, eine Abteilung des Brukenthalmuseums. Ihre Anwesenheit unterstrich die Bedeutung des Vorhabens über Stolzenburg hinaus: Die Zukunft von Kirche und Pfarrhof betrifft nicht allein die örtliche Gemeinde, sondern berührt grundsätzliche Fragen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbe.

Die in Stolzenburg entwickelten Vorschläge sind deshalb nicht als fertige Bauprojekte zu verstehen, sondern als erste Akzente, Impulse und langfristige Perspektiven. Sie zeigen, wie Kirche und Pfarrhof künftig wieder stärker in das Dorfleben eingebunden werden könnten: als Orte für gemeinsame Mahlzeiten, kulturelle Veranstaltungen, Workshops, Gäste und stille Rückzüge.

Auch die Kirche könnte dadurch wieder stärker ins Bewusstsein rücken – etwa als Ort für Trauungen und Taufen, Andachten. Kirche und Pfarrhof hätten damit die Chance, nicht nur bewahrte Zeugnisse der Vergangenheit zu sein, sondern erneut ein offenes, einladendes und geistlich geprägtes Zentrum des Ortes zu bilden.

Wer sich mit Ideen, fachlicher Unterstützung oder anderen Beiträgen einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, mit Marianne Hallmen Kontakt aufzunehmen: mhallmen@bluemail.ch, Tel. 0041-78 62.81.809.

Veröffentlicht in Handwerk, Aktuelle Ausgabe, Allgemein.