In Alzen ist das Freiwilligenhaus bezugsfertig
Ausgabe Nr. 2975

An dem wieder aufgebauten Haus steht noch ein Gerüst, weil noch an der Fassade gearbeitet wird. Alle beteiligten Freiwilligen, die am Tag des Besuches der HZ anwesend waren, stellten sich zum Gruppenbild auf.
Foto: Werner FINK
Das Restaurierungsprojekt „Casa Voluntarilor” (Freiwilligenhaus) in Alzen wurde von Volontären, die sich bislang vor allem an Einsätzen des Vereins „Ambulanța pentru Monumente“ (Denkmalambulanz) beteiligten, fertiggestellt. Das Projekt wurde vor fünf Jahren gestartet und seitdem gab es mehrere Einsätze. Beim letzten Einsatz in den vergangenen zwei Wochen arbeiteten etwa 30 Volontäre aus allen Landesteilen am Gebäude. Parallel ist man dabei, den Verein „Casa Voluntarilor 1906” mit fünf Gründungsmitgliedern ins Leben zu rufen, der sich zünftig um die Aktivitäten hier kümmern soll. Zukünftig sollen hier u. a. Kinder und Jugendliche aus dem Dorf und aus der Umgebung für den Denkmalschutz usw. sensibilisiert werden.
„Als es uns klar wurde, dass wir die ‚Casa Voluntarilor‘ in ein Kulturzentrum für Kinder, für Jugendliche, für uns, für die Freiwilligen der Ambulanța pentru Monumente verwandeln möchten, war es uns schon seit Längerem bewusst, dass bei der Denkmalambulanz sehr viel praktische Erfahrung gesammelt wird, aber wir wollten das Ganze gerne auch noch etwas stärker theoretisch vertiefen”, meinte Adelina Afetelor, die zukünftige Vorsitzende des Vereins „Casa Voluntarilor 1906”. „Wir hatten das Gefühl, dass wir auch theoretisch mehr anbieten können und möchten – vor allem auch für Jugendliche und sogar für Kinder”.

So sah das Haus vor fünf Jahren, gleich nach dem Einsturz, aus.
Foto: Ștefan VAIDA
Im Dorf gibt es z. B. Kinder, die unter der Anleitung einer Lehrerin Bauernmöbel bemalen lernen. U. a. möchte man diese nun auch in den Bereich Denkmalschutz einbinden. Es geht aber auch darum, bei den Dorfbewohnern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sie authentische Dinge, über die sie bereits verfügen, auf eine andere Art und Weise schätzen und deren Wert erkennen.
„In den fünf Jahren haben wir alles Mögliche gemacht: von Fundamentierungs- und Unterfangungsarbeiten über das Neuaufmauern und das Ausbessern von Rissen bis hin zu Zimmererarbeiten, dem Austausch von Balken und der Ergänzung von Balken”, erzählte Adelina. „Also sehr viele, sehr wichtige strukturelle Eingriffe. Auch die Dacheindeckung war sehr wichtig, weil sie eingestürzt war. In diesem Jahr haben wir uns dann um die Fassadendetails, Ornamente und Anstriche gekümmert.”
Wie es dazu kam, vor 5-6 Jahren das Anwesen zu kaufen? „Ich hatte dieses Anwesen seit sehr vielen Jahren ins Auge gefasst”, meinte Ștefan Vaida, der die Arbeit der Volontäre beaufsichtigte. „Da hat eine Familie gewohnt, und irgendwann ist ihnen ein Teil der Scheune eingestürzt. Wir reparierten die Scheune. Ich verfügte über 2.000 Euro von einer Sponsorisierung. Es war eine Win-win Situation”. Damals, vor etwa zehn Jahren, hatte er auch einige Fotos im Inneren gemacht, die jetzt als Grundlage zur Dokumentation dienten, denn das Haus war eingestürzt, kurz nachdem es gekauft wurde. Es ging um ein Anwesen, das von einem rumänischen Bauherren 1906 auf der Stelle eines älteren Gebäudes erbaut wurde”. „Die Idee war, etwas zu retten das am Verschwinden ist” meinte Vaida. „Jeder der dieses Grundstück gekauft hätte, hätte das alte Mauerwerk abgerissen. Es war eine Chance für die Freiwilligen, für uns alle, ein Haus mit allen möglichen Problemen innerhalb von fünf Jahren wieder zu beleben.”

Der Restaurator Ștefan Vaida zeigt, wie schwer es gewesen ist, das eingestürzte Haus wieder aufzubauen. Und das allein in freiwilliger Arbeit. Bald kann in diesen Räumen eine neue Generation von Denkmalretterinnen und -rettern angelernt werden.
Und dann kam nach und nach der Wunsch von immer mehr Freiwilligen und auch von ihm, auch selbst Verantwortung für etwas zu übernehmen – und dabei ihre an der Denkmalambulanz erworbenen Fähigkeiten und ihr Verantwortungsbewusstsein weiter zu entwickeln und dabei auch einen eigenen Sitz zu haben. Man wollte einen Ort, wo man übernachten, kochen, sich ausruhen, Zeit miteinander verbringen, forschen, lesen oder eben die Master- oder Bachelorarbeiten schreiben konnte.
Ein wichtiger Punkt war, dass diejenigen, die womöglich zehn Jahre lang hier etwas gelernt haben, dieses Wissen an die Jüngeren weitergeben. „Es wird ausschließlich ein pädagogisches Projekt sein, bei dem die Freiwilligen bereits als Lehrer tätig sind und den Jüngeren verschiedene Dinge rund um das Kulturerbe vermitteln”, meinte Vaida.
Es war übrigens eine Baustelle, wo man immer nur zwischendurch gearbeitet hat, wobei der Schwerpunkt auf anderen Projekten lag. „Die Volontäre waren aber sehr begeistert”, stellte Vaida fest. Gewöhnlich machen sie grobe Arbeiten an Dächern, Rettungsaktionen, die mit viel Bauschutt, mit viel Arbeit verbunden sind und beim letzten Einsatz hatten sie nun die Möglichkeit, an Ornamenten zu arbeiten.
Beim letzten Einsatz konnten die Volontäre teilweise bereits im neuen Freiwilligenhaus wohnen, teilweise durften sie auf dem Anwesen von Ștefan Vaida unterkommen, wo sie beispielsweise in der Scheune oder eben im Zelt schlafen dürfen.
Der Gehsteig vor dem Haus, der teilweise von Erde bedeckt war, wurde auch freigelegt. Bis nächstes Jahr möchte man ihn bis zur nahegelegenen Kirche freilegen.
Für das Projekt Freiwilligenhaus wurden übrigens über den Hermannstädter Internationalen Benefizmarathon 11.000 Euro gesammelt, wobei insgesamt 120 Personen für das Projekt gelaufen sind.
Das Anwesen kostete 24.000 Euro und vor dem Kauf des Anwesens stand dem Verein nur etwas mehr als die Hälfte des nötigen Betrages zur Verfügung. Die fehlenden 10.000 Euro in Anlehnung an die Sage zur Herkunft des Namens Alzen über zehn Spender zu beschaffen, scheiterte, denn es meldete sich nur eine Person: Die Schweizerin Elisabetha Eggenberger bot sich an, den fehlenden Betrag ganz allein bzw. für „alle zehn“ zu spenden. Die Ortsbezeichnung Alzen rühre von dem Spruch „alle zehne” erzählt eine Sage: Die ersten Siebenbürger Sachsen, die in diesem Gebiet angekommen sind, seien von zehn Grafen angeleitet worden. Jeder wollte, dass der Ort den Namen eines der zehn Grafen trägt, was aber unmöglich war. Man konnte sich nicht auf einen einzigen Namen einigen und so wurde entschieden, dass der Ort den Namen „All Zehn” (alle zehn) tragen soll.
Gegenwärtig verfügt das Freiwilligenhaus über zwei Schlafzimmer, das heißt sieben Plätze, ein großes Wohnzimmer und eine Küche. Ein Badezimmer fehlt noch. Ein weiteres Ziel ist in Zukunft, die Dachrinnen zu machen sowie die Scheune dahinter auszubauen, wo Werkstätten für Kinder und Badezimmer, mit Duschen und Toiletten entstehen sollen.
Ebenfalls in Anlehnung an die Herkunft des Ortsnamens möchte man als ein weiteres Ziel zehn Freiwillige aus Luxemburg herbringen bzw. einen Austausch zustandebringen. Hierfür wurde bereits der Honorarkonsul des Großherzogtums Daniel Plier kontaktiert.
Ein weiteres Ziel ist ein kleines Nachbarshäuschen zu renovieren und in dessen Hinterhof einen nicht fertiggestellten Neubau kosmetisch schöner zu gestalten. Man hofft auf eine größere Spende, um hier weitere Schlafzimmer und Wohnräume zu schaffen.
Weiterhin möchte man durch eine Spende in Höhe von 3.000 Euro mit einigen Volontären, den Gründungsmitgliedern des neuen Vereins, eine Küche einrichten.
„Der Verein ist durch eine 19-köpfige Gruppe hervorgegangen, die oft als Volontäre zu den Baustellen kamen”, meinte Adelina. „Es wurden dann demokratisch fünf Gründungsmitglieder gewählt und die verschiedenen Funktionen verteilt”. Als die neue Vorsitzende des neuen Vereins wurde Adelina Afetelor gewählt. Afetelor hatte 2023 in Klausenburg ein Architekturstudium absolviert und ist gegenwärtig weiterhin in diesem Bereich tätig. Schon als Studentin hatte sie bei zahlreichen Aktionen der „Ambulanța pentru Monumente mitgemacht. Bei der Aktion im letzten Sommer in Schäßburg koordinierte sie die Arbeiten an einem Wehrturm.
„Wichtig ist, dass man selbst Hand anlegt und es ausprobiert, um den Wert der jeweiligen Dinge wirklich zu erkennen“, meinte Maria Radu aus Großwardein, die ebenfalls als Volontärin dabei war und Architektur in Temeswar absolviert hat.
„Also ich war die ganze vergangene Woche von Montag bis Samstag, also sechs Tage lang bei diesem Einsatz dabei”, sagte Cătălin Mureșan, der im Bereich Tourismus aktiv ist. „Man lernt technisch vieles. So habe ich z. B. gelernt, wie man einen Riss in einer Mauer repariert, wo man das Ziegelwerk praktisch mit einem neuen ersetzt, wo dieser Riss ist. An einem anderen Tag habe ich dann gelernt, wie man Wände verputzt. Ich finde es einfach toll, nach einem Arbeitstag konkrete Resultate physisch irgendwo zu sehen.”
Werner FINK